sonstige Sportarten
Kommentar: Überflüssige Wortmeldung

Hans Zach hat sich nun auch kritisch zu Wort gemeldet und seinen Nachfolger Greg Poss etwas Oberlehrerhaft gerügt. Der Zeitpunkt dieser Kritik ist jedoch vor dem Spiel gegen Österreich mehr als schlecht, da das Team dringend Ruhe benötigt.

HB DÜSSELDORF. Dass sich Hans Zach, die bekannteste deutsche Eishockey-Persönlichkeit, nun zu Wort meldet, passt nur allzu gut ins Bild. Vergangenes Jahr, als nach einer Niederlage gegen die Schweiz in der Zwischenrunde für das DEB-Team Schluss war, kam erstmals größere Kritik an der Person Hans Zach auf. Folge: Der Maestro zog sich relativ schnell und still zurück. Auf Grund der deftigen Pressekritik verlängerte er seinen Vertrag beim Deutschen-Eishockey-Bund nicht. Obwohl in seiner Eitelkeit gekränkt, konnte er jedoch in stiller Gewissheit bleiben, dass es ein Nachfolger nicht so einfach haben wird, ihm seine Erfolge für das deutsche Eishockey streitig zu machen.

Zach konzentrierte sich vergangene Saison ganz auf seinen Verein, die Kölner Haie, mit denen er dann aber bereits zum zweiten mal in Folge völlig enttäuschend im Viertelfinale gegen die Ingolstadt Panther ausschied. Nach diesem bitteren Debakel brodelte es in der Kölner-Boulevardjournalie mächtig. Im Blätterwald wurde mehr oder weniger direkt gefordert, dass Zach seinen Hut nimmt. Ihm wurden personelle Fehlentscheidungen und ein zu defensives Eishockey-Systems vorgeworfen. So verpflichtete Zach während des NHL-Lockout im Gegensatz zur Konkurrenz keinen NHL-Spieler. Bis dahin hatte er bei den Kölner Haien, wie auch beim DEB zuvor, relative Narrenfreiheit. Dies wird sich beim KEC nun zumindest zur nächsten Saison ändern. Dort wird Zach von seinen beiden offiziellen Vorgesetzten, Geschäftsführer Thomas Eichin und Sportkoordinator Rodion Pauels, wieder mehr kontrolliert. Sein Freiraum ist somit nach dem sportlichen Misserfolg begrenzt.

Fakt ist, Zach hat seit 1993 mit der DEG keinen großen Titel mehr gewonnen und ist selber mit der Eishockey-Nationalmannschaft als Cheftrainer 1998 in die B-Liga abgestiegen, bevor er das DEB-Team dann wieder zum Auftsieg führte. Nach dem damaligen Abstieg sagte Zach: "Für die Spieler tut es mir leid. Aber das deutsche Eishockey war schon vor dem Qualifikationsturnier so weit unten wie noch nie. Unser Abstieg ist die logische Konsequenz." Zudem sagte Zach damals: "In den nächsten zwei bis vier Jahren bekommen wir noch eine Mannschaft zusammen, dann wird es aber noch schwerer." Aus heutiger Sicht sind Zachs damalige Aussagen schon fast wie eine Rückenstärkung für den amtierenden Trainer Greg Poss zu interpretieren. Immerhin geht Zach jetzt mit seiner Kritik wohl bewusst nicht auf die personellen Probleme seines Nachfolgers ein.

Mit den Kölner Haien gewann Zach in seinen drei Jahren lediglich einmal den von ihm selber als minderwertig bezeichneten DEB-Ligapokal. Jetzt, wo sein Nachfolger Greg Poss am Boden liegt und die Presse ihn in der Schusslinie hat, gesellt sich Zach fröhlich mit in die Reihe jener, die Poss nicht mehr länger im Amt sehen wollen.

Auch wenn Zach seine Kritik versteckt und nicht geradlinig äußerst: Der Tatbestand allein, dass er sich zu Wort meldet, um seinem Nachfolger zu schaden und an die aus seiner Sicht doch so erfolgreiche Zeit unter seiner Regie zu erinnern, ist Poss gegenüber unfair. Man sollte Poss wenigstens noch die nächsten drei Spiele in der Abstiegsrunde Zeit geben, den Klassenerhalt mit seinem Team zu sichern. Zachs Kritik bringt nämlich nur eines: Aufmerksamkeit für einen eitlen Trainer, der sich nur allzu gerne als der strahlende Sieger im Rampenlicht präsentiert. Bei den Mannschaften, die Zach trainierte, musste stets er der Star sein. Vor großen Spielerpersönlichkeiten und Stars schien er Angst zu haben.

Die Eishockey-Gemeinde sollte Greg Poss bis zum Ende dieser Weltmeisterschaft eine faire Chance geben. Immerhin darf nicht einfach vergessen werden, mit welchen Ausfällen er zu kämpfen hat. Zudem braucht es immer Zeit, bis ein Trainer mit einer neuen Mannschaft harmoniert. Bestes Beispiel ist der schweizer Trainer Ralph Krüger, an dem der eidgenössische Eishockey-Verband seit Jahren festhält - auch bei sportlichem Misserfolg. Mittlerweile hat sich diese Ruhe ausgezahlt: Die Schweiz steht souverän in der Zwischenrunde.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%