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Kompromiss beendet Beachvolleyballer-Streik

Der Spieler-Streik bei der Beachvolleyball-WM ist beendet. Nach einstündigen Verhandlungen gab es einen Kompromiss, wonach die Spieler künftig eine eigene Kommission in der Fivb und Mitspracherechte haben werden.

Der Spieler-Streik bei der Beachvolleyball-WM in Berlin ist nach einer Einigung zwischen den Spielern und dem Volleyball-Weltverband Fivb beendet, das Turnier wird nicht abgebrochen. Nach einstündigen Verhandlungen gab es einen Kompromiss, wonach die Spieler künftig eine eigene Kommission in der Fivb und Mitspracherechte haben werden. Außerdem sollen alle Spielerinnen die gleichen Verträge erhalten, über deren Inhalt noch verhandelt wird.

"Zum Glück waren alle kompromissbereit. Ansonsten wäre die WM zuende gewesen, der deutsche Volleyball wäre tot und die ganze Welt enttäuscht", erklärte der deutsche Verbandschef Werner von Moltke. Nur um Haaresbreite schrammte der Volleyball am Skandal vorbei, denn in den Minuten nach dem Spielerboykott ab zwölf Uhr hatte vieles auf ein abruptes Ende des "größten Schmetterfestes der Geschichte" (Moltke) hingedeutet.

"Wir haben den ersten Schritt zur Demokratie erkämpft"

"Die WM geht wie geplant zu Ende und wir haben den ersten Schritt zur Demokratie erkämpft. Jetzt kriegen wir endlich einige der Rechte, die jedem Bundesbürger in der Verfassung zugestanden werden", meinte Nationalspieler Andreas Scheuerpflug.

Vereinbart wurde nach einstündigen Verhandlungen mit dem als "Sonnenkönig" regierenden Weltverbandschef Ruben Acosta, dass es künftig eine Beach-Spielerkommission geben wird. Ihr werden je sechs Frauen und Männer angehören, die einen Vertreter zum World-Council der Fivb entsenden können. Damit ist erstmals eine Mitsprache der Profis gesichert. Zudem bekommen alle Spieler auch finanziell bessere Verträge, die bislang nur den US-Teams zugestanden worden waren.

Acosta versprach den "Rebellen" zudem Straffreiheit. "Sie haben kein Recht gebrochen, also werden sie auch nicht bestraft", erklärte der umstrittene Mexikaner auf einer Pressekonferenz. Als Ursache für die Probleme zwischen Spielern und dem Volleyball-Weltverband Fivb bezeichnete Acosta "kleine Missverständnisse": "Die wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die Sportler haben jetzt einen direkten Draht zum Präsidenten und wir werden den Beachvolleyball weiter zu einem der grandiosesten Sportarten der Welt weiterentwickeln."

Pleitewelle drohte

Als die Einigung feststand, ging die WM nach 105 Minuten Streik weiter. "Der DVV wäre bei einem WM-Abbruch pleite gewesen, der Berliner Verband wäre pleite gewesen, und alle streikenden Spieler hätten eine Sperre bis Olympia 2008 bekommen", meinte Verbands-Vize Götz Moser und atmete mit Blick auf den WM-Megaetat von 2,5 Mill. Euro tief durch. NOK-Präsident Klaus Steinbach, der den Streik live miterlebte, stellte sich auf die Seite der Spieler: "Ich habe vollstes Verständnis. Fairplay muss nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in einem Verband stattfinden."

Bislang diente der Weltverband vor allem den Interessen von Acosta. Nur das Druckmittel Streik bewog den Mexikaner im Schatten von Erich Honeckers Palast der Republik letztendlich zum Einlenken. Zwar konnte er einen Rechtsanwalt als künftigen Spielervertreter und die offizielle Gründung einer Spielergewerkschaft vorerst verhindern, trotzdem war er der große Verlierer. Bis Mittag hatte er die Profis in stundenlangen Verhandlungen hingehalten, angelogen und jedem Boykotteur eines WM-Spiels mit rigiden Sperren und Finanzstrafen gedroht.

Zuschauer warteten in der Sonne

Die Profis waren sich jedoch einig, legten die Arbeit nieder und zwangen den Mexikaner zu einer Lösung. Die ahnungslosen 6 000 Zuschauer auf dem Schloßplatz warteten derweil in der prallen Sonne und erfuhren auf Anweisung der Fivb nichts von den Ereignissen.

"Das war ein Anfang, mehr nicht. Wir werden über eine weitergehende Änderung der Spielerverträge verhandeln, und wenn die Fivb sich nicht an die Absprachen hält, kann sich so ein Streik auch wiederholen", kommentierte Spielervertreterin Okka Rau nach den Verhandlungen mit Acosta. Die Fivb hat bis eine Woche vor dem Grand-Slam-Turnier in Paris Ende Juli Zeit, sich an die getroffenen Absprachen zu halten, ansonsten droht dort ein Streik.

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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