Konjunkturprogramm
Olympia schiebt Londons Wirtschaft an

In London wird Olympia zum Konjunkturprogramm: Der britische Staat muss den Organisatoren der Olympischen Spiele 2012 mit einer halben Milliarde Euro unter die Arme greifen und sichert damit Tausende von Arbeitsplätzen. Zugleich verspricht die Regierung den Bürgern, mit ihrer Investition den schäbigen Londoner Osten wieder aufzupäppeln.

LONDON. Gerne hätte sich Großbritanniens Premierminister Gordon Brown eine Verschnaufpause von der Wirtschaftskrise gegönnt. Stolz posierte er vor wenigen Tagen unter dem Stahlskelett des Olympia-Stadions im Londoner Osten und pries die Olympischen Spiele 2012 als Job- und Wirtschaftsmotor für die Mega-City. Doch am Mittwoch wurde bekannt: Die Krise hat auch das Organisationskomitee erwischt. Weil private Geldmittel fehlen, muss die britische Regierung 490 Mio. Euro nachschießen, damit Olympisches Dorf und Pressezentrum wie geplant gebaut werden können.

Die Spiele sichern der angeschlagenen Finanzmetropole bis zu 11 000 Jobs und dienen als Stütze in der Wirtschaftskrise. Kaum ein Londoner jammert mehr über den von 3,4 auf 9,3 Mrd. Pfund gestiegenen Olympia-Etat oder das befürchtete Verkehrschaos.

Nun scheint es halb so schlimm, dass die Kreditklemme private Investoren vergrault und der Staat für immer größere Teile der Baukosten geradestehen muss. Erst im November gab die Regierung die ersten 95 Mio. Pfund (105 Mio. Euro) aus einem Reservetopf in Milliardenhöhe frei, damit die Bauarbeiten am Olympiapark im Ost-Londoner Stadtteil Stratford nicht ins Stocken geraten. Die Organisatoren konnten bisher nur die Hälfte der von privaten Investoren erhofften eine Milliarde Pfund für den Bau von 3 000 Athleten-Unterkünften und einem Medienzentrum für 20 000 Journalisten aufbringen.

Diese Sorge kennen auch die Organisatoren der Winterspiele 2010 in Vancouver. Hier musste die Stadt gerade einen Kredit über 275 Mio. Euro aufnehmen, weil das Bankenkonsortium unter Führung der US-Finanzierungsgesellschaft Fortress abgesprungen war. Und am Donnerstag gab das Organisationskomitee bekannt, es fehlten noch weitere "drei oder vier Großsponsoren".

In London sind die Veranstalter schon lange auf Sparkurs gegangen - um wenigstens den aktuellen Etat einzuhalten. Sportstätten fallen bescheidener aus, und es wird weniger Anlagen geben, die nur für die Spiele entstehen und anschließend gleich wieder abgerissen werden. 800 Mio. Pfund haben die Organisatoren nach eigenen Angaben schon eingespart.

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