Korruptionsaffäre
Polens Sportminister tritt zurück

Miroslaw Drzewiecki ist nicht mehr im Amt. Die vermeintliche Korruptionsaffäre wirft einen Schatten auf die Fußball-Europameisterschaft 2012 und nährt nach den Querelen beim Stadionbau die Zweifel an den Fähigkeiten des Landes, das Großereignis reibungslos über die Bühne zu bringen.
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WARSCHAU. Den Organisatoren der Fußball-EM 2012, die Polen zusammen mit der Ukraine ausrichten soll, bläst ein kalter Wind ins Gesicht: Der polnische Sportminister Miroslaw Drzewiecki, der die Vorbereitungen des Landes auf das Großereignis leitete, ist gestern zurückgetreten.

Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit der "Glücksspielaffäre", die derzeit die polnische Regierung belastet. "Ich verabschiede mich mit erhobenem Haupt und der Gewissheit, dass die Angelegenheit aufgeklärt wird", erklärte Drzewiecki in Warschau. Dabei versuchte er den Eindruck zu vermitteln, dass private Gründe den Ausschlag für seinen Rücktritt gegeben hätten. "Ich bin nicht nur ein Minister, sondern vor allem ein Mensch. Ich habe nur ein Kind, ein Gesicht und eine Familie und werde diese um jeden Preis verteidigen", sagte Drzewiecki. Er sei freiwillig gegangen, der Premier habe ihn nicht gefeuert. "Wer das glaubt, wird selig", spotteten darauf polnische Kommentatoren.

Für die Organisation der EM 2012 ist dies besonders ungünstig, weil damit nach Querelen beim Stadionbau weitere Zweifel an den Fähigkeiten des Landes aufkommen, das Großereignis reibungslos über die Bühne zu bringen. Dabei hatten internationale Investoren und Manager die Ausrichter zuletzt noch positiv bewertet.

Der europäische Fußballverband Uefa hielt sich gestern zunächst bedeckt. "Die Uefa hat beunruhigt reagiert, wollte aber erst einmal warten, wer Nachfolger wird", berichtet die Tageszeitung "Rzeczpospolita".

Der Minister stolpert über eine Affäre, in die auch der Fraktionsführer der liberalen Regierungspartei PO, Zbigniew Chlebowski, und andere Politiker verwickelt sein sollen. Chlebowski hatte bereits am vergangenen Freitag seinen Hut genommen.

Es geht um ein Gesetzesvorhaben, das Glücksspiel-Anbietern zusätzliche Abgaben auferlegen soll. Mit diesen finanziellen Mittel will der Staat Sportprojekte wie die Ausrichtung der EM 2012 fördern. Polen erhofft sich Zusatzeinnahmen von bis zu 120 Mio. Euro.

Den Stein ins Rollen brachte die Tageszeitung "Rzeczpospolita", die in der vergangenen Woche Tonbänder der staatlichen Anti-Korruptionsbehörde veröffentlichte. Wie die Zeitung berichtet, waren darauf die Stimmen von Drzewiecki und Chlebowski sowie von niederschlesischen Managern aus der Glücksspielbranche zu hören. Die Geschäftsleute wollten die Politiker beeinflussen, damit der Zusatz aus dem Gesetz verschwindet, der die Abgaben regelt. Auf einem Band beklagt sich ein Geschäftsmann beim Sportminister, dass alles nicht so läuft wie gewünscht. "Dieser Idiot - der Finanzminister - hat die Verordnung unterschrieben, die das Glücksspiel aufs Kreuz legt", zitiert die Zeitung den Manager.

Drzewiecki widersprach dieser Darstellung. Der Minister gab zwar bereits am Samstag zu, dass er die beiden Manager kenne. "Diese Bekanntschaft hat nur einen sportlichen Charakter", sagte Drzewiecki. Es sei nur um Treffen während unterschiedlicher Sportveranstaltungen gegangen.

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