Krach in der UCI-Spitze
Armstrong muss auch finanziell bluten

Die Situation für die jahrelange angeblich ahnungslose UCI-Spitze unter McQuaid wird ungemütlicher. Immer mehr Kritiker fordern seinen Rücktritt. Indes wollen Versicherungen und Veranstalter Geld von Armstrong.
  • 2

Austin/Paris/BerlinDer Fall Armstrong wird immer mehr zur Affäre des Radsport-Weltverbandes UCI. Auch die jahrelang angeblich ahnungslose Dachorganisation wird kritisch durchleuchtet. Rücktrittsforderungen an die Adresse des UCI-Präsidenten Pat McQuaid werden lauter und lauter. Das Internationale Olympische Komitee wird gegen den umstrittenen Iren vorerst nicht tätig werden. Nach Sondierung der Anklageschrift der US-Anti-Doping-Behörde USADA gegen Armstrong, in der Zeugen den Verband der Komplizenschaft im umfassenden Dopingsystem beschuldigen, schloss das IOC am Dienstag Sanktionen gegen Ex-Präsident Hein Verbruggen und McQuaid aus. Ein Olympia-Ausschluss des Radsports stehe nicht zur Disposition.

Währenddessen wenden sich Sponsoren weiter von Armstrong ab, Versicherungen und Veranstalter fordern Prämien zurück: Der tief Gefallene soll finanziell bluten. Die US-Versicherungsgesellschaft SCA Promotions zahlte dem Texaner nach eigenen Angaben 12 Millionen Dollar Prämien und droht jetzt nach der Aberkennung aller sieben Toursiege mit Rückzahlungsforderungen. Die Tour-Verantwortlichen wollen zwischen 1999 und 2005 gezahlte Siegprämien in Gesamthöhe von etwa drei Millionen Euro zurück. Zudem sprang Armstrong nach Nike nun auch der Brillenhersteller Oakley als Großsponsor ab.

Der 41-Jährige dürfte es verkraften - sein Gesamtvermögen wird auf rund 100 Millionen Dollar taxiert. Kaum anzunehmen, dass Armstrong wie sein früherer Teamkollege und jetzige Kronzeuge Floyd Landis um Spendengelder zur Begleichung seiner Anwaltskosten bitten muss.

Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Tour-Gastgeber an diesem Mittwoch in Paris bei der feierlichen Präsentation der 100. Frankreich-Rundfahrt wegen der dramatischen Ereignisse einen Trauerflor tragen werden. Das Gütesiegel Tour de France, von den Dopingfällen Landis und Contador ohnehin befleckt, ist allerdings nachhaltig beschädigt.

Auch die Kritik an der UCI-Verbandsspitze wird immer vernehmlicher. „Der Sünder wurde mit der Person Armstrong am höchsten Baum aufgehängt. Aber über das eigene Funktionieren überhaupt nur nachzudenken, das tat die UCI nicht“, monierte der Telegraaf in den Niederlanden. „Die Affäre ist der bisher klarste Beweis, wie verrottet das ganze System ist. Armstrong ist dabei nicht der einzige Heuchler. Wir alle sind es. Wollen wir wirklich wissen, ob der FC Barcelona eine Dopingfabrik gewesen ist?“, schrieb Aftonbladet in Schweden.

Seite 1:

Armstrong muss auch finanziell bluten

Seite 2:

„Der Fisch stinkt vom Kopf her“

Kommentare zu " Krach in der UCI-Spitze: Armstrong muss auch finanziell bluten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn ich Jemanden erschieße, benötigt es auch keinen Zeugen, der es live gesehen hat, damit ich anhand von Indizien veruteilt werde

  • hat man ihn auch nur einmal positiv getestet. ( Alles Neider ) ER IST UND BLEIBT DER GRÖßTE

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%