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Kumbernuss beendet ihre Karriere

Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss wird am Samstag im Athletendorf der Olympischen Spiele 1936 ihre erfolgreiche Karriere beenden. Zuletzt hatte die Olympiasiegerin von 1996 mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen.

Am Samstag wird mit Astrid Kumbernuss die wohl erfolgreichste deutsche Kugelstoßerin aller Zeiten von der Leichtathletik-Bühne abtreten. Die Olympiasiegerin von 1996 ist die erste Kugelstoßerin, die in der so genannten postanabolen Phase 21 Meter stieß, aber bis zum Karriereende nicht der Manipulation überführt wurde. Sie ist die erste, die mit dem Kugelstoßen Mill. verdiente, und die einzige Leichtathletin, die bei Weltmeisterschaften dreimal in der gleichen Einzeldisziplin siegte.

"Wenn ich vom Leichtathletik-Weltverband keine Wildcard für das Welt-Finale eine Woche später erhalte, war´s das", sagt die 35 Jahre alte Neubrandenburgerin, bevor sie den vier Kilogramm schweren Eisenball endgültig in die Ecke schiebt. Die außergewöhnliche Karriere endet an außergewöhnlicher Stelle: Im brandenburgischen Elstal, vor den Toren Berlins, im Athletendorf von Olympia 1936, hat sie hochkarätige Gegnerschaft beim Abschied in die Sportler-Rente.

Kumbernuss trifft auf namhafte Konkurrenz

Am Start sind vor rund 20 000 Zuschauern (freier Eintritt) Weltmeisterin Nadeschda Ostaptschuk (Weißrussland), die WM-Zweite Olga Rabinkina, Ex-Weltmeisterin Swetlana Kriweljowa (beide Russland) und die Athen-Olympiazweite Nadine Kleinert (Magdeburg). Möglich, dass sich 24 Stunden später beim Istaf vor rund 60 000 Menschen im Olympiastadion ein letzter, unerfüllter Wunsch realisiert: "Ich habe oft große Siege gefeiert, aber im Eifer des Gefechts immer versäumt, eine Ehrenrunde zu laufen."

Was am Vortag beim Abschied so alles auf sie zukommt, enthält man der Mecklenburgerin bewusst vor. "Ich krieg nix raus. Ich weiß nur, dass besondere Dinge geplant sind", sagt sie angesichts der Aktivitäten ihres Sponsors (DKB-Bank) und verrät Neugier wie ein Kind in Erwartung eines Weihnachtsgeschenks.

"Gott sei Dank - es ist vorbei"

Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, auch wenn die zwei Monate zuvor bei der DM nach Rang vier und verpasster WM-Qualifikation als Rudolf-Harbig-Preisträgerin ausgezeichnete Athletin erklärt hatte: "Gott sei Dank - es ist vorbei."

Denn zuletzt war es zu viel Quälerei. Das innere Feuer brannte nicht mehr. Helsinki war deshalb kein letztes großes Ziel mehr für die Frau, deren größte sportliche Tat wohl der zweite WM-Titel 1997 war - nur wenige Monate nach der Geburt des Sohnes und auskuriertem Kreuzbandriss.

Geschmerzt hat sie das frühe Olympia-Aus 2004. Eine Verletzung im Vorfeld, behandelt mit unzähligen Spritzen, hatte die Chancen schon minimiert. Dennoch erlebte sie den Start an antiker Stätte als sportliche Katastrophe. "Es war wie ein langsames Sterben", sagt sie zum noch immer nicht verdauten Fehlschlag.

"Astrid ist mental ausgebrannt, ihr Körper ist verschlissen", sagt ihr langjähriger Trainer, ehemaliger Lebensgefährte und Vater des gemeinsamen Söhnchens Philip (7), Dieter Kollark. Astrid Kumbernuss gibt ihm Recht. "Ich habe Raubbau mit meinem Körper betrieben. Ich hätte mir ab und zu eine Pause gönnen sollen."

Kollark sagt aber genauso deutlich: "Astrid ist die Einzige, die als Kugelstoßerin Mill. verdient hat." Investiert hat sie einen Teil davon in eine Senioren-Wohnanlage, die sie zusammen mit Partnern betreiben will. Im Oktober nimmt sie in Neubrandenburg ein Pflegemanagement-Studium auf. Doch so ganz wird sie den Sport nicht ad acta legen: "Ich bin künftig Freizeitjoggerin, mache Bauch, Beine, Po, damit ich mich am Strand sehen lassen kann."

© SID

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