Kunstturn-WM
Bitte bloß nicht wieder patzen

Thomas Andergassen will bei der Kunstturn-Weltmeisterschaft in Melbourne nicht länger im Schatten von Fabian Hambüchen stehen.

AKABANE. Japaner gelten gemeinhin als fleißige Menschen. Ob einfacher Arbeiter am Toyota-Fließband, Büroangestellter in der Finanzmetropole Tokio oder Leistungssportler am Seitpferd – Japaner arbeiten unermüdlich.

Bis vor wenigen Tagen bediente sich Thomas Andergassen solcher Vorurteile. Nach der ersten Trainingswoche in Akabane, einem Vorort von Tokio, merkte die deutsche Seitpferdhoffnung, dass die japanischen Turner auch anders können: „Die trainieren weniger als wir und turnen doch in einer anderen Liga.“ Eine Supererfahrung sei die Vorbereitung im Land des Team-Olympiasiegers auf die Kunstturn-WM, die heute in Melbourne beginnt, deshalb gewesen. Japaner und Deutsche trainierten in der gleichen Halle. „Wir haben alle von der Einladung des japanischen Verbandes profitiert“, sagt Andergassen.

Trotz der Ehrfurcht vor der Konkurrenz aus Fernost fliegen die deutschen Turner selbstbewusst nach Australien. Und das liegt nicht nur an Fabian Hambüchen, dem Superstar der deutschen Riege. Es hat auch mit Platz Acht bei den Olympischen Spielen 2004 im Teamwettbewerb zu tun, den niemand den Deutschen zugetraut hatte. „Das war der Höhepunkt meiner Karriere“, sagt Andergassen. Wichtiger noch als sein vierter Platz am Barren im Juni bei der EM in Debrecen. Auch, weil Andergassen dort im Schatten von Hambüchen stand, der am Reck Europameister wurde. „Fabian hat unseren Sport zurück in die Schlagzeilen gebracht“, sagt Andergassen. Neid gebe es da nicht. Was Hambüchen an PR-Terminen zu bewältigen habe, sei gewaltig.

Thomas Andergassen wird weder von Journalisten noch Mädchen umlagert. Er muss auch nicht ständig Autogramme schreiben. Dabei findet sich auch in seiner Karriere Stoff für Geschichten. Drei Jahre lang konnte das Turntalent wegen einer Wachstumsstörung an der Hüfte nur unter ärztlicher Aufsicht trainieren, ohne an Wettkämpfen teilnehmen zu dürfen. „Das war eine beschissene Zeit“, erinnert sich der Sportsoldat. „Niemand konnte mir sagen, ob das mit dem Turnen jemals wieder was wird.“

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