Kuskes Fehler kostet überlegene Führung: Lange beweist Nerven wie Drahtseile

Kuskes Fehler kostet überlegene Führung
Lange beweist Nerven wie Drahtseile

"Wer mit so einem Ding noch führt, der wird auch Olympiasieger", sagte Andre Langes Heimtrainer Matthias Trübner, der auf die Schrecksekunde im zweiten Lauf erst einmal zwei Bier kippen musste. Bobpilot Lange aber war stocksauer; sein Anschieber Kevin Kuske verließ blutend den Eiskanal.

HB TURIN. Während der Fahrt kann Andre Lange aber Gott sei Dank scheinbar nichts aus der Ruhe bringen. Selbst als sein Anschieber Kevin Kuske beim Start bäuchlings in den Zweierbob stürzte, sich wieder aufrappelte und gerade noch Platz im Schlitten fand, behielt der 32-jährige Oberhofer im Eiskanal die Nerven. Schon vor dem ersten Lauf war der sonst so coole 108-Kilo-Mann Kuske nervös gewesen und beim Anschieben zu lange gelaufen.

Doch der sechsfache Weltmeister Lange raste windschnittig wie seine neue Frisur die anspruchsvolle Piste in Cesana herunter. "So einen Traumlauf zum Auftakt hatte ich mir gewünscht", sagte der Thüringer, der nach Durchgang zwei völlig verärgert keinen Ton heraus brachte. "Ich kenne Andre, jetzt ist er erst richtig sauer und wird noch mal voll angreifen. So ein Missgeschick kann aber jedem passieren, wenn man um Hundertstel kämpft. Das ist auch uns schon passiert", sagte der kanadische Zweierbob-Weltmeister Pierre Lueders, der mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang auf Rang zwei fuhr.

Cheftrainer und Taktiker Raimund Bethge, der auf der Olympia-Bahn am 30. November in Kurve 10 von einem australischen Zweierbob angefahren und schwer verletzt worden war, nahm das Pech gelassen: "Es ist gigantisch, dass er mit dieser Gurke noch führt und dass sich niemand verletzt hat. So etwas gibt es nur alle paar Jahre." Kuske blutete nach dem Missgeschick an der linken Wade, doch am Sonntagmorgen konnte er schon wieder normal auftreten: "Ich bin mit dem rechten Schuh an die linke Wade gekommen und habe mir tiefe Kratzer geholt", sagte der Anschieber.

Der Riesaer Matthias Höpfner vermutete Übermotivation als Ursache für das Missgeschick. "Die sind hier ja auch angetreten, um Startbestzeit zu erzielen. Kevin ist ein Killer in dieser Beziehung. Die 4,82 Sekunden aus Lauf eins wollte er toppen, denn Lueders' Bestzeit von 4,78 wurmte ihn natürlich." Die Stamm-Crew von Lange ("Ich ordne Olympia alles unter") hatte sich im Olympia-Winter mehrere Auszeiten genommen, um sich athletisch speziell auf Turin vorzubreiten. "Daher fehlte natürlich auch die Wettkampf-Praxis, ich hätte es anders gemacht", sagte Zweierbob-Olympiasieger Christoph Langen.

Seite 1:

Lange beweist Nerven wie Drahtseile

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%