Lance Armstrong

Der Heldendarsteller ist gefallen

Der übermenschliche Radfahrer Lance Armstrong wollte zu seinen besten Zeiten US-Politiker werden. Nun ist der Held zum Antihelden geworden. Für den Radsport kann das ein Segen sein. Ein Kommentar.
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Lance Armstrong im Jahr 2005 bei der Tour de France. Quelle: dpa

Lance Armstrong im Jahr 2005 bei der Tour de France.

(Foto: dpa)

Lance Armstrong sah in sich mal den nächsten Gouverneur von Texas. Das ist nicht ewig her. Er meinte das ernst. Und viele Amerikaner unterstützten ihn, weil er für sie ein Held ist. Nun ist der Heldendarsteller gefallen. Armstrong werden seine Tour-de-France-Siege aberkannt werden. Weil er gedopt hat. Und weil er jahrelang gelogen hat. Eine verdammt gute Nachricht ist das.

In der Zeit, in der der Radsport seine Glaubwürdigkeit verlor, fuhr Lance Armstrong vorneweg. Die Tour de France gewann er von 1999 bis 2005 in Serie. "Übermenschlich", fiel vielen Beobachtern dazu ein. So sah das aus. So war das auch.

Wie die meisten Fahrer dopte sich auch der beste von ihnen. Vielleicht war es auch andersherum: Eben weil der beste aller Radfahrer dopte, machten es auch fast alle anderen, und jüngere Nachwuchsfahrer machten es ihm nach.

"Im Leben eines Mannes kommt irgendwann ein Punkt, an dem er sagt: Genug ist genug." Mit diesen Worten beginnt Armstrongs Stellungnahme zu seiner Niederlage im Dopingstreit. Natürlich ist das keine Einsicht. Das Ende der Verteidigung durch Armstrongs Anwälte kommt viele Jahre zu spät. Aber besser spät als nie. Wenn Lance Armstrong als Ikone seines Sports eine Vorbildfunktion erfüllte, ist es ein Segen, dass er nun – wenn auch indirekt – seine Dopingschuld eingesteht.

Wenn man Armstrong und seinen Sport vergleicht, dann geht es dem Radsport in diesen Jahren so, wie es Armstrong vor seinen jahrelangen Tour-Siegen ging. Er ist am Ende. Der Radsport hat seine Glaubwürdigkeit und damit seine Bedeutung bei vielen Fans und Sponsoren verloren. Wie der Krebs den Ausnahmeathleten einst befallen hatte, haben die gedopten Fahrer das Ansehen des Sports zerfressen.

Armstrong besiegte einst auf wundersame Weise seine Krebskrankheit und schrieb ein Buch darüber, eines der meistbeachteten US-Bücher der vergangenen Jahre. Vermutlich konnte er dann nicht anders. Er musste wohl dopen, um der beste Radfahrer der Welt zu werden. Er tat das bewusst, er wollte den Erfolg, er klammerte sich bis jetzt ans Leugnen und Image-Retten. Nun ist sein Fall ein sehr tiefer.

Ein Held, der gedopt zum Helden wurde, ist ein Antiheld. Früher oder später fällt das auf. Das sollte der Weltradsportverband aus dem Fall Armstrong lernen, wenn er eine Zukunft haben will. Denn bislang hat er zur Überführung Armstrongs wenig beigetragen. Das Vorbild in dieser Geschichte ist nur der US-Antidopingverband.

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7 Kommentare zu "Lance Armstrong: Der Heldendarsteller ist gefallen"

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  • Alle tun jetzt scheinheilig schockiert. Genau so wie L.A. für seine Erfolge in den Himmel geschrieben wurde, wird er jetzt in die Hölle verbannt. Dennoch wird immer unverhohlener auf das Fallen von Weltrekorden geschielt. Wenn einer eine Goldmedaille bei Olympia gewinnt, aber den Weltrekord verpasst, ist das schon mit einem Seufzer verbunden. Doch wo sollen die übermenschlichen Kräfte herkommen? Allein von der Evolution? Wenn man Menschen die 100m unter 9 sec. oder ein Marathon unter 2h laufen sehen will, dann muss man eben "Hilfsmittel" akzeptieren. Ein Motor hat auch eine Leistungsgrenze. Es sei denn, man tuned ihn oder manipuliert ihn, was ihn nicht gerade langlebiger macht. Oder man findet sich eben damit ab, dass irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht ist, basta. Und die Menschen, die sich über die "Vorbildfunktion" Gedanken machen und über die Gesundheit der Nachwuchssportler, qualmen ihren Kindern u.U. daheim die Hucke voll und schauen zu tief ins Glas!?! Warum sollte es im Sport anders sein als im "realen" Leben? Sport ist schließlich Business!!!!!!

  • Ich würde die Tour Siege von Armstrong an die Ärzte des Nächstplazierten noch nicht erwischten Fahrers geben.

    Einzig faire Lösung, Lestung sollte belohnt werde!

    Sicher wird in anderen Sportarten ähnlich gedopt, der Radsport ist jedoch die Sitze des Eisbergs da es hier am meisten bringt. Ich frage mich wieso Unternehmen weiter den Radsport unterstützen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie dies gut für den Markennamen sein soll.

    Erst wenn Unternehmen und Presse sich KLAR abwenden, wird es ein Aufräume geben. Siehe nur den großmäuligen aktuellen Sieger Wiggins, ein Vorzeigebeispiel für "Denn sie wissen nicht was sie tun ...".

  • wir wollen doch diese leistungen sehe ,, oder '' darum soll jeder radfahrer DOPEN so viel er will, genauso wie jeder fußballer KOKSEN kann wie es ihm freude macht.

  • Das bestehende Journalismus-System ist auch auf eine Art Doping aufgebaut und zwar weltweit. Deswegen sind fast alle Nachrichten offensichtlich manipuliert, oberflächlich und im Endeffekt unglaubwürdig. Der Wahrheit wird keine Chance gegeben, alles muss gedopt werden, damit die Leute eine fiktive Realität angeboten bekommen.

  • Guten Tag,... Ich bin 56 Jahre alt und fahre jeden ( echt jeden Tag,...ausser es schneit ) 90 Minuten Rad. Wenn Ich gut drauf bin, bringe Ich es auf 25 Kilometer pro Stunde. Ich fahre ( wenn moeglich ) nur an Fluessen entlang. Radwege mit kleineren Steigungen. Diese Kerle fahren mit 40 Kilometer Schnitt ueber die Alpen. Mal ehrlich;.... da ist doch was faul. Diesen Yankee kenne Ich nicht;.... aber einige Superstars sind mir persoenlich bekannt. Alle,.... aber auch Alle sind gedoppt;..... keiner wuerde es zugeben;.... ja es gibt sogar einige die " Anzeige auf Vergiftung gegen Unbekannt " erwaegen,.... nur weil sie beim Test-Pissen noch Reinigungsloesung in der Blase hatten. Tour de France ist ein Riesengeschaeft... nichts Anderes. Besten Dank

  • Sehr schlechter und einseitiger Bericht. Guter Journalismus beleuchtet von allen Seiten und versucht das System Doping objektiv zu entlarven. Wer glaubt, dass nur im Radsport Doping eine große Rolle spielt, der hat nicht viel verstanden. Der Kern, der verfault ist, nennt sich Profisport. Hochleistungen werden gefordert und erbracht - und zwar zu jedem Preis. Verfolgt man willkürlich einzelne Personen, dann ist das in der Tat eine Hexenjagd und kommt dem Motto gleich: "Der Zweck heiligt die Mittel." Richtig unglaubwürdig wird es, wenn verantwortliche Sportfunktionäre und vor allen anderen die Mediziner(Dealer)nicht ebenfalls mit einem Berufsverbot und der Aberkennung ihres Titels abgestraft werden. Wer würde denn bei unserer Gesetzgebung den Drogensüchtigen lebenslang für seine Sucht einsperren und dem Dealer und Drogenproduzenten nur eine Drohung aussprechen? Da das bestehende System bereits fest besteht und einer Hydra gleicht, wird man den Kampf nicht gewinnen können und das führt ohnehin nur wieder dazu, dass gerade die Medien wieder ihren eigenen Kopf tief in den Sand stecken oder ihren Frust einseitig am Radsport ablassen.

  • Die Selbstgerechtigkeit der deutschen Journalisten ist nervig. An Fußball trauen sie sich nicht heran. Von den statistischen Grundlagen der Tests haben sie zu wenig Ahnung. Also reagieren sie sich an anderen Sportarten ab und wiederholen seit Jahren die gleichen abgestandenen Parolen. Wo soll der Sinn darin liegen, 10 Jahre später sportliche Leistungen abzuerkennen? Wen, die schreibende Zunft ausgenommen, interessiert das? Es wäre ein Mindestmaß an Redlichkeit, auch die Schulterklopfer der damaligen Zeit aus Politik und Medien - auch die Journalisten -aufzuführen. Trotz aller Medienhatz teilt das Publikum die Ansichten der Journalistenmeute nicht. Die großen Rundfahrten genießen nach wie vor großes Interesse.

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