Lance Armstrong: Die billige Beichte

Lance Armstrong
Die billige Beichte

Lance Armstrong kann sich nach seiner Doping-Beichte auf zahlreiche Gerichtsprozesse einstellen. Doch nur wenige Schadenersatzforderungen haben Aussicht auf Erfolg. Schwere finanzielle Einbußen sind unwahrscheinlich.

DüsseldorfSeine sieben Toursiege ist Lance Armstrong durch Entscheid der UCI bereits los, selbst wenn er weiter mit gelben Trikots posiert. Doch was geschieht mit seinem Vermögen? Muss er ins Gefängnis? Sportrechtsexperten in Europa und den USA glauben: Hinter Gitter muss Armstrong wohl nicht - trotz des jahrelangen systematischen Dopens, seiner Lügen und Verschleierungen.

„Das ist alles ein großer Hype. Aber ich glaube nicht, dass da viel passiert. Einen Meineid hat schließlich nicht geleistet", sagt der Heidelberger Dopingfachanwalt Michael Lehner. Tatsächlich wurde das Grand-Jury-Verfahren zur vermuteten Verwendung von Steuergeldern des US Postal Service für Dopingpraktiken im Februar letzten Jahres eingestellt, bevor Armstrong vereidigt werden konnte. Ohne Vereidigung kein Meineid.

Auch eine alte Lüge vor Gericht dürfte keine strafrechtlichen Konsequenzen mit sich bringen. „Ich habe gelesen, dass er 2005 in dem Verfahren gegen SCA Promotions unter Eid ausgesagt hatte. Aber das stellt heute keine Gefahr mehr für ihn dar. Weil mehr als fünf Jahre seitdem vergangen sind, ist das verjährt", erklärt US-Rechtsexperte Michael McCann, einer der führenden US-Sportrechtsexperten. McCann lehrte unter anderem in Yale und ist bei einem breiteren Sportpublikum als Live-Analyst des Basketball-Kanals NBA TV bekannt.

Der Fachmann hält auch Armstrongs Risiken, wegen Handels mit verbotenen Substanzen - einige Dopingmittel, wenn auch nicht EPO, fallen darunter - für gering. „Ich glaube nicht, dass er so etwas zugeben wird", sagt McCann.

Anders sieht es mit zivilrechtlichen Forderungen an den vielfachen Millionär aus. Hier haben potentielle Kläger gute Aussichten auf Erfolg. „Das US-Recht bietet Ansatzmöglichkeiten im Falle von Betrug, Vertragsbruch und Verleumdung", meint McCann. Kläger können auf fette Beute hoffen. Das Privatvermögen der Ex-Rad-Legende wird auf 90 bis 100 Millionen Dollar geschätzt.

Etwa 30 Millionen Dollar davon dürfte er sich direkt als Profi erradelt haben. Wie das Wirtschaftsmagazin Forbes berichtet, verdiente Armstrong in den ersten Jahren nach überstandener Krebsoperation bei US Postal eine Million Dollar jährlich. Anfang der Nullerjahre erhöhte sich sein Salär auf vier Millionen Dollar. In seiner Zweitkarriere bei Radioshack hat er laut Forbes drei Millionen Dollar pro Jahr verdient. 

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