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Lance Armstrong: Die billige Beichte

Lance Armstrong kann sich nach seiner Doping-Beichte auf zahlreiche Gerichtsprozesse einstellen. Doch nur wenige Schadenersatzforderungen haben Aussicht auf Erfolg. Schwere finanzielle Einbußen sind unwahrscheinlich.

DüsseldorfSeine sieben Toursiege ist Lance Armstrong durch Entscheid der UCI bereits los, selbst wenn er weiter mit gelben Trikots posiert. Doch was geschieht mit seinem Vermögen? Muss er ins Gefängnis? Sportrechtsexperten in Europa und den USA glauben: Hinter Gitter muss Armstrong wohl nicht - trotz des jahrelangen systematischen Dopens, seiner Lügen und Verschleierungen.

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„Das ist alles ein großer Hype. Aber ich glaube nicht, dass da viel passiert. Einen Meineid hat schließlich nicht geleistet", sagt der Heidelberger Dopingfachanwalt Michael Lehner. Tatsächlich wurde das Grand-Jury-Verfahren zur vermuteten Verwendung von Steuergeldern des US Postal Service für Dopingpraktiken im Februar letzten Jahres eingestellt, bevor Armstrong vereidigt werden konnte. Ohne Vereidigung kein Meineid.

Lance Armstrongs Karriere - Teil 1

  • 1992

    Armstrong beendet das olympische Rennen als 14. und wechselt nach den Spielen in Barcelona ins Profilager. In seinem ersten Rennen, dem Clásica San Sebástian, wird er Letzter.

  • 1993

    Er wird Weltmeister, gewinnt die USPRO Championship sowie seine erste Etappe bei der Tour de France.

  • 1996

    Er startet das Jahr als Weltranglistenerster. Im Oktober unterzieht er sich einer Chemotherapie. Bei Armstrong war zuvor Hodenkrebs diagnostiziert worden, der bereits in Lunge und Gehirn gestreut hatte.

  • 1997

    Armstrong beginnt wieder mit dem Training und gründet eine Stiftung, die sich der Krebsforschung widmet.

  • 1998

    Er kehrt in den Wettkampf-Zirkus zurück, gewinnt die Luxemburg-Tour, die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt sowie den Cascade Classic in Oregon.

  • 1999

    Für das Team US Postal gewinnt Armstrong als zweiter Amerikaner die Frankreich-Rundfahrt.

  • 2000

    Er fährt zu seinem zweiten Tour-Sieg und veröffentlicht ein Buch mit dem Titel „Tour des Lebens“.

  • 2001-2003

    Die Tour-Erfolge Nummer drei bis fünf folgen.

Auch eine alte Lüge vor Gericht dürfte keine strafrechtlichen Konsequenzen mit sich bringen. „Ich habe gelesen, dass er 2005 in dem Verfahren gegen SCA Promotions unter Eid ausgesagt hatte. Aber das stellt heute keine Gefahr mehr für ihn dar. Weil mehr als fünf Jahre seitdem vergangen sind, ist das verjährt", erklärt US-Rechtsexperte Michael McCann, einer der führenden US-Sportrechtsexperten. McCann lehrte unter anderem in Yale und ist bei einem breiteren Sportpublikum als Live-Analyst des Basketball-Kanals NBA TV bekannt.

Der Fachmann hält auch Armstrongs Risiken, wegen Handels mit verbotenen Substanzen - einige Dopingmittel, wenn auch nicht EPO, fallen darunter - für gering. „Ich glaube nicht, dass er so etwas zugeben wird", sagt McCann.

Armstrongs Doping-Beichte Nur die halbe Wahrheit

Ex-Radprofi Armstrong zeigte sich reumütig – doch wenn es konkret wurde, wich er aus.

Anders sieht es mit zivilrechtlichen Forderungen an den vielfachen Millionär aus. Hier haben potentielle Kläger gute Aussichten auf Erfolg. „Das US-Recht bietet Ansatzmöglichkeiten im Falle von Betrug, Vertragsbruch und Verleumdung", meint McCann. Kläger können auf fette Beute hoffen. Das Privatvermögen der Ex-Rad-Legende wird auf 90 bis 100 Millionen Dollar geschätzt.

Etwa 30 Millionen Dollar davon dürfte er sich direkt als Profi erradelt haben. Wie das Wirtschaftsmagazin Forbes berichtet, verdiente Armstrong in den ersten Jahren nach überstandener Krebsoperation bei US Postal eine Million Dollar jährlich. Anfang der Nullerjahre erhöhte sich sein Salär auf vier Millionen Dollar. In seiner Zweitkarriere bei Radioshack hat er laut Forbes drei Millionen Dollar pro Jahr verdient. 

  • 18.01.2013, 13:36 UhrBrechreiz

    Na prima, da belüge ich mal, was das Zeug hält, über ein Jahrzehnt Millionen von Fans, Zuschauern, Sponsoren, Offizielle usw. und wenn es gar nicht mehr anders geht, dann bereue ich zutiefst und komme am Ende ohne Haftstrafe und mit einem Großteil meines ergaunerten Vermögens damit auch noch durch.
    Es lebe die geduldete Scheinheiligkeit, der Fisch stinkt immer am Kopf und darf es weiterhin. Ekelhaft!!!!!

  • 18.01.2013, 11:57 UhrRumpelstilzchenA

    Doping-Beichte!
    Lance Armstrong - Amerikaner
    Jan Ulrich - Deutscher
    Armstrong fuhr ständig dem "gedopten Ulrich" davon. Es fiel keinem Journalisten auf. Ulrich bekam die kpl. Medienschelte, Armstrong wird "kaum" erwähnt.
    Erkennen SIE den Unterschied zwischen Amerikaner und Deutschem? Armstrong bekommt noch Geld dafür!

  • 18.01.2013, 11:34 UhrThe_Prodigy

    Ich weiß, es will ungern gehört werden, es ist schließlich der Deutschen liebstes Tun sich über einen Sündenbock auszulassen. Jedoch lasst euch gesagt sein. In diversen Sportarten wird es auf die Spitze getrieben, jedoch bedeutet das nicht, dass andere Profisportarten im Umkehrschluss sauber sind.

    HGH ist eines der potentesten Hormone und fördert Regenerationsprozesse enorm.

    Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum Bundesligafußballer Verletzungen innerhalb kürzester Zeit ausstehen, während herkömmliche Sportler/Leistungssportler das Doppelte an Zeit benötigen?

    Nein, nicht weil sie unglaublich fit sind (es gibt deutlich fittere Sportler). Die Mannschaftsärzte kennen ihr Handwerk. Und zu den therapeutischen Abläufen gehören auch Substanzen, die auf der Dopingliste stehen.


    Mein ganzes Leben war ich leistungssportlich aktiv, mit Leistungssportlern umgeben und beschäftige mich seit vielen Jahren mit den medizinischen Behandlungsweisen im Leistungssport.

    Kein Profisport, der Millionenumsätze generiert ist sauber. Es geht mit Betablockern im Golf und Snooker los und hört mit Steroiden im Radsport, Bodybuilding, Fußball, Leichtathletik auf). Es ist auch weniger so, dass es einzelne Sündenböcke gibt, es ist eher die große Gesamtheit, die mehr oder weniger ausgeprägt zu illegalen Substanzen greift.

    Die lächerlichen, bekanntgewordenen Dopingfälle werden dem dummen Publikum mit Nasenring und Kette in der Manege gezeigt, um ihnen einen quasi dopingfreien Profisport vorzugaukeln.


    Wer für dumm verkauft werden will, lässt sich eben verkaufen!


    Und zu guter Letzt (weil es 99% sowieso nie kapieren werden):

    Wird ein Sportler auf Doping negativ getestet, so heißt das nicht, dass es ein sauberer Sportler ist. Mit kurzen Estern, Designersteroiden und Eigenbluttherapien kann so ziemlich jeder Dopingfahnder an der Nase herumgeführt werden.

    Es ist wie im Steuerwesen. Die Steuerberater sind immer einen Tick schneller als die Finanzverwaltung. ;)

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