Langlauf Doping
Entscheidung im "Fall Filbrich" vertragt

Über einen Sonderstatus bezüglich des Hämoglobinwertes von Skilangläufer Jens Filbrich soll erst am 9. Januar verhandelt werden. An dem Spitzentreffen in Kopenhagen wird auch der deutsche Teamarzt Ernst Jacob teilnehmen.

Ein Spitzentreffen am 9. Januar zwischen Bengt Saltin, Chef der medizinischen Kommission des Internationalen Skiverbandes (FIS), und dem Teamarzt des Deutschen Ski-Verbandes (DSV), Ernst Jacob, soll Klarheit über einen möglichen Sonderstatus von Ski-Langläufer Jens Filbrich bringen. Beide wollen in Kopenhagen über die Ursache der hohen Blutwerte des Thüringers sprechen. "Nach diesem Treffen fällt die Entscheidung, ob Filbrich die bislang verweigerte Ausnahmegenehmigung für einen Start mit einem höheren Hämoglobinwert erhält oder nicht. Das wird dann auch maßgebend für das Verfahren bei Olympia sein", sagte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Dopingprobe lässt weiter auf sich warten

Filbrich konnte beim zweiten Weltcup im finnischen Kuusamo wegen einer Schutzsperre nicht starten, weil er einen grenzwertigen Hämoglobinwert von 17,0 aufgewiesen hatte. Am Samstag feiert der Thüringer im kanadischen Vernon sein Weltcup-Comeback. Ein hoher Hämoglobinwert kann, muss aber kein Hinweis auf den Einsatz des Bludopingmittels EPO sein. Filbrich begründet seine hohen Werte mit einer familiären Veranlagung. Das Ergebnis des nach der Hämoglobinkontrolle bei Filbrich entnommenen Dopingtests liegt laut FIS noch immer nicht vor. "Wir haben noch keine Mitteilung vom Labor. So eine Auswertung kann schon mal drei Wochen dauern", erklärte eine FIS-Sprecherin. Diese schleppende Bearbeitung sorgt genau wie die im November verweigerte Ausnahmegenehmigung für Filbrich für Frust beim DSV.

"Dass passt zur FIS. Wir müssen endlich wissen, wie es weitergeht. Es kann doch nicht sein, dass ein bei allen Dopingtests sauberer Athlet wie Jens immer mit Doping in Verbindung gebracht wird", schimpfte Bundestrainer Jochen Behle. Die Schutzsperre sei "quasi ein Berufsverbot" für Filbrich und könne ihn - zum Beispiel nach einem Höhentraining wie derzeit auf 1 700 Metern in Kanada - wieder ereilen. Die hohen Hämoglobinwerte des Thüringers, so behauptet die DSV-Fraktion, seien auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen, die auch bei Bruder, Mutter und Großvater nachweisbar sei. Somit müsse Filbrich einen Sonderstatus bekommen.

"Ich bin sauber"

Die FIS lehnt diese Ausnahmeregelung, die ohnehin bisher nur für fünf Athleten gilt, bislang jedoch ab, weil die Konzentration der für den Sauerstoff-Transport zuständigen Substanz bei Filbrich "nicht immer so hoch ist". Allerdings soll es dieser Tage weitere Untersuchungen geben. Denkt der FIS-Mediziner nicht um, drohen dem 26-Jährigen Langlauf-Profi ("Ich bin sauber und lasse mich notfalls jeden Tag testen") große Probleme bei der Fortsetzung seiner Karriere. Dann müsste er - so Behle - "notfalls mit einer Klage sein Recht erzwingen".

Die Sorgen konnte Filbrich auch fernab der Heimat bei Traumwetter mit einem halben Meter Schnee und minus 20 Grad nicht abschütteln. So ist das 30-km-Jagdrennen am Samstag auch ein ganz besonderes für den Langläufer: "Ich will den Frust rauslassen und es allen beweisen."

© SID

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