Langlauf National
Hämäläinen tritt als Skilanglauf-Trainer zurück

Ismo Hämäläinen ist als Trainer der deutschen Skilangläuferinnen zurückgetreten. Der von Jochen Behle kritisierte Finne teilte dem Team seine Entscheidung schon am Mittwoch mit.

Der "Frauenversteher" hat genug: Ismo Hämäläinen ist als Trainer der deutschen Skilangläuferinnen mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der von Bundestrainer Jochen Behle bei der WM in Liberec heftig kritisierte Finne hat sich bereits von der Mannschaft verabschiedet und ist aus dem Weltcup-Ort Trondheim abgereist. Sein Nachfolger wird der zweimalige Olympiateilnehmer Janko Neuber. "Meine Entscheidung ist, dass ich aufhöre", sagte Hämäläinen, der seine Schützlinge bereits am Mittwoch darüber informiert hatte. Offiziell zieht er sich aus familiären Gründen zurück: "Meine Tochter ist jetzt neun Jahre alt und ich war ihr halbes Leben unterwegs. Jetzt ist meine Zeit mit ihr gekommen." In seiner Heimat will er wieder als Trainingswissenschaftler arbeiten.

Hämäläinen war vor drei Jahren als Sprinttrainer nach Deutschland gekommen, ehe er im Frühjahr 2007 Trainer der Weltcup-Frauen wurde. "Er hat in den vergangenen drei Jahren einige gute Ideen und konzeptionelle Ansätze entwickelt. Zuletzt konnten wir - von wenigen Ausnahmen abgesehen - keine positive Entwicklung mehr erkennen", sagte Thomas Pfüller, Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes (DSV).

Die Entscheidung über Hämäläinens Zukunft sollte ursprünglich erst im April fallen, wurde auf Drängen des Finnen jedoch vorgezogen. Eine Ablösung galt ohnehin als sicher, Chef Behle hatte in Liberec wiederholt die Trainingsgestaltung moniert. "Ich bin kein Frauenversteher, ich bin gern eine Reizfigur. Reibung kitzelt Leistung hervor", hatte Behle gesagt und bemängelt, dass Hämäläinen den Athletinnen zuviel Freiraum gewähre.

Im deutschen Frauen-Team herrschte nach dem Abschied des dort sehr beliebten Hämäläinen gedrückte Stimmung. "Wir sind sehr traurig und hätten uns das anders gewünscht. Aber die Entscheidung ist nachvollziehbar", sagte Evi Sachenbacher-Stehle und schickte gleich einen Seitenhieb auf Behle hinterher: "Es wird immer so dargestellt, als möchten wir uns nicht quälen. Aber es ist genau andersrum."

Die deutschen Langläuferinnen waren im Weltcup weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben und hatten auch bei der WM bis zum überraschenden Staffel-Silber enttäuscht. Allerdings hatte ausgerechnet die kurzfristig verpflichtete Biathletin Miriam Gössner den größten Anteil an dem unerwarteten Erfolg, als sie als dritte Läuferin über eine Minute aufholte.

Mit dem 37-jährigen Janko Neuber soll nun im kommenden Winter alles besser werden. Der Stützpunkttrainer aus Oberwiesenthal war mit Nystad und Sachenbacher sogar noch als Athlet zusammen unterwegs. "Es ist ein bisschen ungewohnt, ihn jetzt als Trainer zu sehen. Aber wir verstehen uns super", sagte Sachenbacher.

Neuber wolle die Gegenbenheiten im Team erstmal genauer kennenlernen und keine überhasteten Maßnahmen ergreifen. "Mir ist wichtig, dass die Sportler auch etwas davon haben", sagte Neuber. Er selbst feierte seinen größten Erfolg bei der WM 1999 in Ramsau, als er mit der Staffel als Vierter nur knapp eine Medaille verpasste.

Von Bundestrainer Behle gab es jedenfalls schon einmal Vorschusslorbeer für den neuen Mann im Frauen-Team. "Ich halte sehr viel von ihm", sagte der Sauerländer: "Er kann das Ruder in die richtige Richtung rumreißen."

© SID

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