Langlauf Weltcup
Startschuss zur "Großen Schleife" fällt Silvester

Schon vor der Silvesternacht fällt am 31. Dezember der Startschuss zur Tour de Ski der Langläufer in München. Nach dem Vorbild der "Großen Schleife" der Radprofis kämpfen Angerer und Co. um das goldene Trikot.

Im Münchner Olympiastadion fällt am Silvestertag der Startschuss: Dann beginnt die Revolution im Skilanglauf mit dem Favoriten Tobias Angerer. Nach dem Vorbild der Tour de France soll die Premiere der Tour de Ski in abgespeckter Form mit sechs Etappen in acht Tagen über die Bühne gehen. Der Etat von zwei Mill. Euro und das Preisgeld von etwa 500 000 Euro sind trotz des Ausfalls der beiden geplanten Auftakt-Abschnitte im tschechischen Nove Mesto wegen Schneemangels Rekord für die Ausdauersportart.

Vorhang auf für "neue Bühne im Skilanglauf"

"Wir öffnen eine neue Bühne für den Skilanglauf. Wir hoffen, dass wir damit den Durchbruch in neue Dimensionen für die Sportart schaffen", sagt Langlauf-Chef Jürg Capol. Der Schweizer entwickelte die Idee im Anschluss an die Tour de France 2004 gemeinsam mit der norwegischen Langlauf-Legende Vegard Ulvang bei ein paar Flaschen Bier in der Sauna. Zwei Besuche beim berühmtesten Radrennen der Welt in Frankreich halfen bei der Planung. Deutschland ist nun mit den ersten drei Etappen in München (31. Dezember) und Oberstdorf (2./3. Januar) Geburtshelfer des neuen Saisonhöhepunkts.

Behle: "Mit WM gleichzusetzen"

"Die Tour wird ein Ereignis, das mit der WM gleichzusetzen ist. Das könnte von der Bedeutung Richtung Vierschanzentournee gehen", sagt Bundestrainer Jochen Behle. Beim Auftakt im Olympiastadion rechnet Capol zwar nicht mit einem vollen Haus, aber mindestens mit 10 000 Zuschauern. Dazu sollen die TV-Quoten neue Millionenwerte erreichen.

Absolutes Highlight soll als letzte der drei Etappen in Italien der Schlussanstieg auf den Alpinhang Alpe Cermis in Val di Fiemme sein, wo auf den letzten vier Kilometern mit der gewaltigen Steigung von 13 Prozent ein Jagdrennen zum Sieg stattfindet. Das Vorbild ist die wohl berühmteste Radstrecke der Welt rauf nach Alpe d´Huez. Capol: "An einer Stelle ist die Steigung am Alpe Cermis 30 Prozent, dort werden wir mit Slalomstangen Serpentinen stecken. So eine Belastung hat es im Langlauf noch nie gegeben."

Angerer Favorit im Kampf um das goldene Trikot

Deshalb gilt der bärenstarke Gesamtweltcup-Sieger Tobias Angerer neben dem Norweger Eldar Rönning, Anders Södergren aus Schweden oder dem Teamkollegen Axel Teichmann auch als der große Anwärter auf das goldene Trikot und die Siegprämie von 70 000 Euro. "Ich freue mich auf die Herausforderung, das wird ein gewaltiges Event. Natürlich möchte ich vorn mitlaufen", sagte Angerer, Sieger der Tour-Generlaprobe im französischen La Clusaz: "Aber erstmal freue ich mich auf das Rennen unter dem berühmtesten Dach der Welt im Münchner Olympiastadion. Da habe ich bis jetzt nur Fußballspiele gesehen."

Chefcoach Behle hat seine Mannschaft darauf eingeschworen, wie ein Radteam für den Gesamtsieg des besten deutschen Läufers zu arbeiten. Das ist ein neuer Aspekt im Langlauf - genau wie die transportablen Wachskabinen der Norweger oder der Hubschrauber für Katerina Neumannova. Das Fluggerät soll der tschechischen Topfavoritin bei der Reise von einem Wettkampfort zum anderen unnötige Strapazen ersparen. Die Deutschen haben nur einen zusätzlichen Physiotherapeuten, visieren laut Behle für Evi Sachenbacher-Stehle aber einen Platz unter den Top sechs an.

Für den Deutschen Skiverband (DSV) ist die Tour de Ski wegen der gewaltigen Übernachtungskosten für die Teilnehmer in Oberstdorf und zusätzliche Kosten für die Schneeproduktion ein gewaltiges Zuschussobjekt.

Laut Capol ist das allerdings unnötig: "Wenn nicht jeder Verband für sich wursteln würde, wären wir vielfach erfolgreicher. Aber vielleicht können wir ja nach dieser Premiere alle Rechte in einen Topf legen - schließlich soll die Tour de Ski einmal eine Tradition wie die Tour de France haben."

© SID

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