Langlauf WM
Angerer holt in Sapporo über 15-km-Freistil Bronze

Bei der Nordischen Ski-WM in Sapporo hat Tobias Angerer im 15-km-Freistilrennen die Bronzemedaille gewonnen. Den Weltmeistertitel sicherte sich überraschend Lars Berger (Norwegen) vor Leonid Karnjenko aus Weißrussland.

Langläufer Tobias Angerer hat bei der Nordischen Ski-WM in Sapporo die Bronzemedaille im 15-km-Freistilrennen gewonnen. Der Weltcup-Spitzenreiter aus Vachendorf lag im Ziel 52,4 Sekunden hinter dem Überraschungs-Weltmeister Lars Berger aus Norwegen. Silber sicherte sich der mit Nummer drei gestartete krasse Außenseiter Leonid Karnjenko aus Weißrussland. 30-km-Weltmeister Axel Teichmann aus Lobenstein und Youngster Franz Göring aus Zella-Mehlis kamen auf den Rängen fünf sowie sieben ein.

Biathlet Berger und vor allem Karnjenko profitierten in einer wahren Glückslotterie von ihrer frühen Startnummer, denn im Rennverlauf setzte starker Schneefall ein. Der Neuschnee warf die am Schluss startende Gruppe der Weltbesten von Beginn an aussichtslos zurück.

Mit einen herausragenden Energieleistung rettete der deutsche Topfavorit mit der letzten Startnummer 121 aber noch Bronze vor Österreichs Nobody Johannes Eder, der Startnummer zwei trug. Für den deutschen Skiverband DSV war es der sechste Medaillengewinn in Japan.

Nach dem Rennen wollte sich Angerer angesichts der Umstände nicht so recht beruhigen. "Für die Worte von Berger kann mir auch nichts kaufen. Die besten Langläufer sollten die besten Bedingungen haben. So war es unfair", schimpfte der vom einsetzenden Schneefall gebremste Angerer.

Pfüller sauer: "Glatte Fehlentscheidung"

Der deutsche Teamchef Thomas Pfüller griff trotz der sechsten deutschen WM-Medaille in Japan die Jury scharf an. "Das war ein glatte Fehlentscheidung, die rote Gruppe der besten Läufer nicht am Anfang laufen zu lassen. Die hatten in dem Schnee nicht die Spur einer Chance", polterte der Sportdirektor mit rotem Kopf. So gewann der Norweger Berger mit der Startnummer 55 in einem denkwürdigen 15-km-Rennen als erster Biathlet der Geschichte WM-Einzelgold im Skilanglauf. "Ich hatte einfach Glück mit dem Wetter. Das ist der wahre Champion", meinte Berger und hob Angerers Arm nach oben.

Ein gewisser Leonid Karnjenko aus Weißrussland - die völlig unbekannte Nummer drei kam ohne Schneefall über die Strecke - gewann mit 35,8 Sekunden Rückstand Silber. "Der Mann ist so weit vorn gestartet, weil er noch nicht einmal FIS-Punkte hatte. Der hätte in Deutschland noch nicht mal C-Kader-Niveau", grantelte Pfüller.

Angerer trotz Medaillengewinn enttäuscht

Der als Letzter gestartete Angerer rettete mit einer unglaublichen Energieleistung im bremsenden Schnee auf der Strecke nach Silber im Jagdrennen seine zweite Medaille mit 52,4 Sekunden Rückstand auf Berger. Trotzdem war der Frust im Ziel groß: "Scheiß-Schneefall. Natürlich ist die Medaille schön, aber ich bin enttäuscht. Das war ein perfektes Rennen." Das nach Meinung von Bundestrainer Jochen Behle bei fairen Bedingungen mit Gold für Angerer, Silber für den fünftplatzierten Axel Teichmann und vielleicht auch noch Bronze für den auf Rang sieben eingekommenen Franz Göring geendet wäre.

"Das Schlimme ist ja, dass die Jury die Instrumente dafür gehabt hätte, um es gerecht zu machen. Es ist schon das vierte Mal in dieser Saison, dass die besten Läufer die schlechtesten Bedingungen hatten. Und der Wetterbericht war bekannt", kritisierte Behle.

Trotzdem habe es nach Aussage von Renndirektor Jürg Capol vom Internationalen Skiverband FIS in der Jury keinerlei Diskussionen gegeben, die besten Läufer am Anfang starten zu lassen. "Wir sind ein Freiluftsport. Und außerdem wollten wir die Spannung des Rennens nicht kaputtmachen. Wir wollen doch ein interessantes Produkt", sagte Capol dem Sport-Informations-Dienst (sid). Mit anderen Worten wurde die sportliche Fairness den Interessen des Fernsehens untergeordnet.

Furiose Aufholjagd

So hatte Angerer nach nur zwei Kilometern als 42. bereits 20 Sekunden Rückstand auf Berger, der Stadionsprecher sprach ungläubig von den "bemitleidenswerten Topläufern und einem "Erdbeben im Skilanglauf. Im nachlassenden Schneefall holte der Gesamtweltcup-Spitzenreiter schließlich Platz um Platz auf und wurde noch mit Bronze belohnt. "Diese unglaubliche Leistung ist ein Grund, vor Tobi auf die Knie zu fallen", meinte Pfüller. Angerer brachte sein Motto auf den Punkt: "Ich hatte keine Chance, also habe ich sie genutzt."

© SID

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