Langlauf WM
Angerer verpasst Medaille im Jagdrennen

Beim Jagdrennen der Nordischen Ski-WM in Liberec hat Tobias Angerer die angepeilte Medaille klar verpasst. Beim Sieg des Norwegers Petter Northug wurde der Vachendorfer Siebter.

Vier WM-Rennen ohne Medaille und Riesenfrust nach der verlorenen Materialschlacht: Die Krise im deutschen Skilanglauf-Lager spitzt sich nach Rang sieben des als Goldkandidat gestarteten Tobias Angerer in der 30-km-Jagd zu. Die Schuldzuweisungen haben begonnen. "In der letzten Runde habe ich fast gestanden", schimpfte der entthronte Titelverteidiger Axel Teichmann nach Rang 30 in Liberec und rief einem Skitechniker wütend zu: "Der Belag hat zugemacht." Trotzdem bleibt der Thüringer kämpferisch: "Totgesagte leben länger."

Cheftrainer Jochen Behle hatte bereits nach dem zehnten Rang von Evi Sachenbacher-Stehle über die halbe Distanz am Vortag Konsequenzen angekündigt. Allerdings gerät er angesichts der mageren Männer-Ergebnisse langsam selbst unter Druck. Jens Filbrich (Frankenhain) wurde noch Zehnter.

Teichmann erinnert an WM vor vier Jahren

"Das sind keine grottenschlechten Resultate, aber natürlich wollten wir um die Medaillen kämpfen - die Männer sind in Form", verteidigte sich Behle und entschuldigte die Materialprobleme seiner Burschen mit einer Fehleinschätzung aufgrund des Wetterberichts.

Teichmann erinnerte an die WM vor vier Jahren in Oberstdorf. Dort sei man durch eine Riesenschlagzeile ("Oberstdoof") schon niedergemacht worden, habe dann doch noch zwei Medaillen geholt. Beim Championat vor zwei Jahren hatte es zu diesem Zeitpunkt freilich schon einen kompletten Medaillensatz für die Männer gegeben.

Angerer fehlen fast 20 Sekunden zu Bronze

Diesmal trudelte Teichmann (Bad Lobenstein) bei weniger Schneefall als erwartet über anderthalb Minuten hinter seinem Nachfolger Petter Northug aus Norwegen ins Ziel. Angerer (Vachendorf), 2007 noch Zweiter, fehlten fast 20 Sekunden zu Bronze: "Ich bin enttäuscht, bei einer WM zählen nur Medaillen. In den Abfahrten habe ich immer ein paar Positionen verloren."

In Richtung Frauen-Abteilung hatte Behle die Brandfackel trotz eines Maulkorbes geworfen, den ihm die Sportführung nach seiner Kritik am zuständigen Trainer Ismo Hämäläinen verpasst hatte. Der Ausstieg der gestürzten Claudia Nystad in der 15-km-Jagd nach unerklärlicher Skiauswahl beim Sieg der Polin Justyna Kowalczyk brachte ihn zusätzlich auf die Palme.

Probleme bei der Staffelbesetzung drohen

Frustpotenzial barg auch der Rückzug von Stefanie Böhler (Ibach) wegen Halsschmerzen. Trotz gerade überstandener Erkrankung war sie im Auftaktrennen "verheizt" worden. Nun drohen Probleme bei der Staffelbesetzung am Donnerstag.

"Wir können uns mit diesen Resultaten nicht zufrieden geben. Wir müssen nach der WM schauen, ob wir im Training bei den Frauen etwas umstellen müssen. Warum soll das nicht auch mit Ismo gehen?", meinte Behle und fügte hinzu: "Wir müssen nachdenken, ob die Frauen nicht wie schon mal in der Vergangenheit enger mit den Männern zusammenarbeiten."

Inzwischen stellten sich Nystad und Sachenbacher-Stehle hinter Hämäläinen - Sportdirektor Thomas Pfüller reist nun als Vermittler bei einer bislang erfolglosen Mannschaft in Nordböhmen an.

© SID

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