Langlauf WM
Saarinen siegt - deutsche Damen chancenlos

Beim WM-Sieg von Aino Kaisa Saarinen im Klassik-Rennen über 10km enttäuschten Katrin Zeller (18.) und Stefanie Böhler (32.). Die Kritik am deutschen Coach Ismo Hämäläinen wächst.

Katrin Zeller auf Platz 18, Stefanie Böhler nur 32. - dem Trainer-Streit folgte bei den deutschen Skilangläuferinnen der schwächste WM-Auftakt seit zwölf Jahren. Bundestrainer Jochen Behle erhielt von der Sportführung einen Maulkorb, nachdem Zeller mit 1:41,4 Minuten Rückstand auf Premieren-Weltmeisterin Aina Kaisa Saarinen ins Ziel von Liberec geschlichen war. Die Position des von Behle als zu weich kritisierte Frauencoaches Ismo Hämäläinen ist durch den Fehlstart weiter geschwächt worden.

"Ich möchte nicht, dass bei der WM über Personaldinge gesprochen wird. Das habe ich Jochen Behle auch klar gesagt", sagte Pfüller dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Natürlich sind die Leistungen nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben." Der Sportchef des Deutschen Skiverbandes (DSV) kündigte an, nach der Saison und somit nur ein Jahr vor Olympia die Situation im Frauen-Skilanglauf mit dem gescholtenen Hämäläinen auf den Prüfstand zu stellen.

Erwartungen zu keiner Phase des Rennens erfüllt

Die zuletzt kränkelnden Zeller und Böhler konnten in keiner Phase des Rennens die Erwartungen erfüllen. "Ich habe sie unter den Top Ten erwartet", sagte Hämäläinen und war von den Abständen überrascht. Zugleich verteidigte er seine Entscheidung, dass er die Olympiazweiten Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad am ersten Finaltag lieber in die Trainingsloipe geschickt hatte.

Behle sagte kurz und knapp: "Wir werden am Ende sehen, ob diese Entscheidung richtig war." Hämäläinen räumte ein, dass er unterschiedliche Auffassungen wie Behle hat, stellte aber lächelnd klar: "Ich ziehe auch Grenzen für die Frauen, aber nicht jeden Tag und vielleicht auch andere als Jochen."

Zeller wollte am liebsten alles vergessen: "Ruhe bewahren, Rennen abhaken." Natürlich sei sie unzufrieden, aber nach ein paar Wochen wegen Grippe im Bett würden ihr wohl noch Wettkämpfe fehlen. Einen schlechteren deutschen WM-Einstand hatte es zuletzt am 21. Februar 1997 in Trondheim gegeben, als Anke Schulze-Reschwamm über 15 km auf Platz 20 gelandet war.

Böhler meinte: "Es war aber schon krass wie die anderen Läuferinnen an mir vorbeigeflitzt sind. In den nächsten Rennen will ich nicht so rumschleifen."

Eitel Sonnenschein im finnischen Lager

Im finnischen Lager herrschte dagegen eitel Sonnenschein. "Mein Traum war es, Weltmeisterin zu werden - so begann ich mit Skilaufen, und jetzt habe ich es geschafft", sagte die 30-jährige Saarinen. 4,2 Sekunden ließ die Teamsprint-Olympiadritte die Italienerin Marianna Longa hinter sich. Die polnische Top-Favoritin Justyna Kowalczyk wurde vor insgesamt 5 300 Zuschauern immerhin noch Dritte.

Da die deutschen Frauen von solchen Platzierungen weit wie lange nicht entfernt sind, glaubt Behle nicht mehr an Hämäläinen und will offenbar dessen Ablösung forcieren. Behle hatte gesagt: "Der Trainer muss die Athleten leiten und mal eingreifen, wenn die Leistungen nicht stimmen. Ich habe selbst in diesem Winter schon dazwischengehauen, man kann ja nicht immer alles laufen lassen." Hämäläinen war nach der WM 2007 in Sapporo als Frauen-Cheftrainer installiert worden, weil das Team Probleme mit Behle hatte.

© SID

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