Langlauf WM
WM-Titel für Teichmann - Angerer holt Silber

Axel Teichmann hat der deutschen Mannschaft bei der Nordischen Ski-WM in Sapporo die erste Goldmedaille beschert. Im Jagdrennen über 30km lag der Lobensteiner im Ziel fünf Zehntel vor seinem Teamkollegen Tobias Angerer.

Langläufer Axel Teichmann hat bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft Gold im Jagdrennen vor Tobias Angerer gewonnen. Der Lobensteiner lag nach 30 km in 1:11:35,8 Stunden fünf Zehntelsekunden vor seinem Teamgefährten aus Vachendorf. Bronze in einem spannenden Zielspurt eroberte der Italiener Pietro Piller Cottrer 2,3 Sekunden vor Jens Filbrich aus Frankenhain. Die überragende Vorstellung der deutschen Läufer komplettierte der Oberwiesenthaler Rene Sommerfeldt auf dem 13. Platz.

Nach dem ersehnten ersten WM-Gold in Japan hatte der deutsche Teamchef Thomas Pfüller Tränen in den Augen, während die Techniker im Zielraum immer wieder lautstark den Namen "Axel Teichmann" sangen. Der Thüringer krönte sich nach einer Pechserie in den letzten Jahren zum ersten deutschen Doppel-Weltmeister der Langlauf-Geschichte.

Gedanken an Muhammad Ali

"Das zeigt die Stärke dieses deutschen Teams und natürlich ist das auch ein großer Tag für mich", meinte der mit einer Goldprämie von 15 000 Euro belohnte Champion. Vier lange Jahre nach seinem ersten WM-Titel in Val di Fiemme dachte Teichmann im Moment des Triumphs an einen der größten Sportler aller Zeiten: "Ich musste viele Rückschläge wegstecken, aber ich sehe es so wie Muhammad Ali. Ali hat nach seiner Parkinson-Erkrankung gesagt: Gott prüft mich. Und ich versuche genauso, aus meiner Situation das Beste zu machen."

Das gelang ihm einen Tag nach seinem enttäuschenden vierten Platz im Teamsprint mit Angerer ("Das haben wir am Abend abgehakt und die richtige Antwort gegeben") überzeugend. Auf der langen Zielgerade überspurtete der 27-Jährige den bis dahin führenden Gesamtweltcup-Spitzenreiter und riss schon auf der Ziellinie jubelnd die Arme nach oben. 0,5 Sekunden dahinter fuhr Angerer als Vizweltmeister über die Ziellinie, den totalen deutschen Triumph verhinderte nur der Italiener Pietro Piller-Cottrer als Dritter vor dem viertplatzierten Jens Filbrich ("Der Doppelsieg tröstet über die blöde Holzmedaille weg").

Angerer freut sich für Teichmann

"Das war eine Demonstration der Stärke, ich bin überglücklich. Endlich haben wir auch mal bei der WM gezeigt, zu was wir in der Lage sind", jubelte Bundestrainer Jochen Behle. Auch Angerer, der weiter auf seine erste große Goldmedaille warten muss, war einfach nur happy: "Ich freue mich über Axels Goldmedaille fast mehr als über meine silberne. Jeder im Feld gönnt ihm diesen Triumph." Vor Doppel-Weltmeister Teichmann hatte in Gerhard Grimmer nur 1974 in Falun ein deutscher Langläufer ganz oben gestanden.

Zu verdanken war der historische Triumph einer überragenden deutschen Teamleistung, die der durch einen Sturz kurz vor dem Ziel noch auf Platz 13 zurückgeworfene Rene Sommerfeldt abrundete. "Wir haben das Rennen als Mannschaft kontrolliert, und uns immer wieder über die Taktik ausgetauscht", berichtete Teichmann. Das deutsche Quartett lag sowohl in den ersten 15 Klassik-Kilometern als auch nach Skiwechsel im freien Stil ständig unter den Top Ten und ging so den Problemen bei der langen Abfahrt zum Ziel aus dem Weg.

Das Glück ist zurück

Teichmann hat sich das Glück nach seiner fast legendären Pechserie redlich verdient: 2002 wollte er nach dem Staffel-Rauswurf aufhören, bei der WM 2005 in Oberstdorf gewann der Gesamtweltcupsieger des Winters "nur" zweimal Silber statt der verdienten Goldmedaille. 2006 musste der Oberfeldwebel wegen einer Haarwurzelentzündung samt Operation auf die Turiner Winterspiele verzichten.

Anfang Juni 2006 erlitt Teichmann dann bei einem Fußballspiel eine mehrfachen Bänderriss, ehe ihn bei der Tour de Ski zum Jahreswechsel eine Erkältung stoppte. Pfüller: "Axel hatte so viel Pech. Dieser Titel ist einfach die Krönung für einen ganz großen Kämpfer."

© SID

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