Latente Medaillenhoffnung
DSV hofft auf alpine Trotzreaktion

Von alpiner Vorfreude lange keine Spur, stattdessen bereits vor Beginn der Olympia-Saison Grund zum Katzenjammer bei den deutschen Skirennläufern. Innerhalb einer Saison ist die halbe Mannschaft weggebrochen. Doch der anfängliche Schock ist einer Trotzreaktion gewichen.

HB TURIN. Medaillenhoffnung Hilde Gerg trat nach Verletzung zurück, Maria Riesch fällt die ganze Saison aus; die Herren stehen nach den Rücktritten von Max Rauffer und Florian Eckert ohne Abfahrts-Mannschaft da. "Die Erwartungen sind natürlich reduziert, aber wir wollen in Turin um die Medaillen mitfahren. Das ist das Ziel", sagte der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes, Walter Vogel.

Bestätigt wurde der vorsichtige Optimismus der Funktionäre erst am 15. Januar. Slalomspezialist Alois Vogl holte in Wengen als Dritter den ersten alpinen Podestplatz des Winters. Dem 33-jährige Routinier kann an einem guten Tag ebenso wie die erst in diesem Winter erstarkte Annemarie Gerg im Slalom um die Medaillen mitfahren.

"Vielleicht können ja auch Petra Haltmayr und Martina Ertl-Renz für eine Überraschung sorgen", hofft Vogel. Beide holten wie Annemarie Gerg immerhin schon vierte Plätze, sind jedoch sehr wechselhaft in ihren Leistungen.

"Im Slalom sind wir noch am Leben, im Speed-Bereich kann man eigentlich nicht von einer Mannschaft sprechen", beschreibt Damen- Cheftrainer Wolfgang Maier das Dilemma. In der letzten Saison seiner so erfolgreichen Trainerkarriere ist vom hoffnungsvollem Trio Hilde Gerg, Maria Riesch und Martina Ertl-Renz nur Letztere geblieben. Die 32-Jährige holte 2002 bei den Spielen in Salt Lake City mit Kombinations-Bronze die einzige Alpin-Medaille des DSV.

Doch Ertl-Renz ist unberechenbar und immer für Überraschungen positiver wie negativer Art gut. 1994 gewann sie in Lillehammer bereits Riesenslalom-Silber, dem gegenüber steht ihr großes Pech mit zahlreichen vierten Plätzen bei Großereignissen. "Nochmal eine Olympia-Medaille, das wäre ein Traum", sagte die Kombinations- Weltmeisterin von 2001. Entscheidend dürften passende Schneebedingungen und nicht zuletzt das eigene Nervenkostüm sein.

Während die Deutschen schon mit Nebenrollen zufrieden sein könnten, zeichnet sich bei den Männern das große Duell Österreich gegen die USA ab. Gesamtweltcupsieger Bode Miller und der überragende Abfahrer Daron Rahlves könnten die erfolgsverwöhnte Skination um manch erwarteten Olympiasieg bringen. Bei den Damen sind die Allrounderinnen Janica Kostelic (Kroatien) und Anja Pärson (Schweden) in jeder Disziplin ganz vorn zu erwarten. Kostelic könnte sich nach ihren drei Olympiasiegen 2002 zur erfolgreichsten alpinen Olympionikin überhaupt aufschwingen.

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