Lediglich die Umgebung profitiert
Olympia bringt weniger als WM

Riesenslalom, Dreifach-Flips und doppelte Achsel - nach zwei Wochen Sport-Spektakel hat Turin gestern offiziell das Ende der olympischen Spiele gefeiert.

MAILAND. Während Deutschland ganz oben auf dem Medaillenspiegel steht, haben die italienischen Hoffnungsträger ihre Fans enttäuscht. Mit den Stürzen der Eisläuferin Caroline Kostner und des Ski-Asses Giorgio Rocca sind gleich zwei Favoriten zu Fall gebracht.

Um so mehr hofft Italien nun auf die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen der Spiele. Immerhin stand die Stadt Turin zwei Wochen lang im weltweiten Rampenlicht und hofft nun, daraus Kapital zu schlagen. Ökonomen sind jedoch skeptisch, ob die olympischen Spiele der italienischen Volkswirtschaft langfristig helfen können. Trotz aller Jubelfeiern scheint der olympische Geist weniger wert als der des Fußballs.

Während Volkswirte bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland mit einem klaren Impuls für die deutsche Wirtschaft rechnen, sind die Ökonomen bei den olympischen Spielen für Italien eher skeptisch. "Eine Fußballweltmeisterschaft zieht einfach viel mehr Menschen an als eine Winter-Olympiade", erklärt Alessandro Fugnoli Volkswirt der Abaxbank den Unterschied.

So beziffern die Volkswirte der Postbank die Auswirkungen der Fußball-WM für Deutschland mit einem Plus von 0,5 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt in drei Jahren. Die Erwartungen für Italien fallen dagegen eher bescheiden aus. Nach einer Studie des Industrieverbandes von Turin wird das italienische Bruttoinlandsprodukt als Folge der Olympiade zwar in den kommenden drei Jahren um jeweils 0,2 Prozent steigen. Aber Ökonomen bezweifeln diese optimistische Schätzung. "Im Gegensatz zu Athen, wo es wegen der großen Investitionen zu einem Olympia-Effekt kam, gibt es in Italien dafür kaum Anzeichen", sagt die Volkswirtin Alexandra Bibbee, die bei der OECD für Italien zuständig ist.

Dabei könnte das Land einen Schub für seine Wirtschaft gut gebrauchen. Im vergangenen Jahr ist Italien voraussichtlich nur ganz knapp am Null-Wachstum vorbeigeschrammt. Am Mittwoch legt das Statistikinstitut Istat die offiziellen Zahlen vor. Die EU-Kommission hat erst vergangene Woche ihre Schätzungen für Italiens Wirtschaftswachstum 2005 von 0,2 Prozent auf 0,1 Prozent reduziert. Auch für dieses Jahr hat die Kommission die Erwartungen nach unten korrigiert: von 1,5 Prozent auf 1,3 Prozent. Auch die Frage, ob Italien bis 2007 unter das Defizitkriterium von drei Prozent komme, ist nach den Worten des EU-Kommissars Joaquin Almunia höchst unsicher.

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