Leichtathletik DM
DM trennte DLV-Spreu vom Weizen

Die Deutschen Meisterschaften in Ulm sollten den DLV-Trainern bei der Nominierung des EM-Kaders helfen. Während einige ambitionierte Leichtathleten die Normen verfehlten, machten andere eindrucksvoll auf sich aufmerksam.

Wenige Wochen vor den Europameisterschaften in Göteborg (7.-13. August) bleibt für viele deutsche Athleten noch viel zu tun. Bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm konnten einige Sportler vor 12 000 Zuschauern die EM-Normen nicht erfüllen, andere konnten hingegen Hoffnungen auf Medaillen wecken. Die Spreu trennte sich vom Weizen. Nach den gewonnenen Eindrücken wollen die DLV-Trainer am Dienstag das etwa 70-köpfige EM-Team bekannt geben.

Für die positivste Überraschung sorgte am Sonntag 400m-Sieger Kamghe Gaba (22/LG Frankfurt), der sich in 45,47 Sekunden auf Position fünf der Europa-Rangliste verbesserte. Endgültig aus der Staffel lief sich dagegen als Achter und Letzter in 47,05 Sekunden Ingo Schultz (Leverkusen), der als einziger deutscher Einzel-Europameister von München 2002 (Vorjahr Fußverletzung) mit dem Comeback scheiterte. Kurz zuvor dürften trotz nur einmal erzielter Norm auch Speerwerfer Christian Nicolay (Wattenscheid/83,72) und der Erfurter Dreispringer Andreas Pohle (16,97) das EM-Ticket gelöst haben.

Trainer sehen zehn Medaillenanwärter für die EM

Rund zehn Medaillenchancen machte der Leitende Bundestrainer im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), Jürgen Mallow, zusammen mit seinen Trainerkollegen für Göteborg aus. Darunter sind fünf Werfer: Die mit dem Rudolf-Harbig-Preis geehrte Diskus-Weltmeisterin und Weltranglisten-Erste Franka Dietzsch (38), zum neunten Mal Meisterin, ihre Neubrandenburger Klubkameradin Petra Lammert, die mit 18,89m den Kugelstoß-Titel gewann und auf dem Kontinent Zweite ist, Diskus-Denkmal Lars Riedel (Chemnitz/39), dessen 65,75m den elften Titel bedeuteten, sowie im Speerwerfen die Olympiazweite Steffi Nerius (34) als Siegerin mit 65,71m vor der Offenburger Weltranglisten-Ersten und WM-Zweiten Christina Obergföll (64,07 nach zuvor 66,91m).

Hinzu zählt die Trainerschaft zwei Stabhochspringer (ohne Namensnennung), die Hürdensprinter Kirsten Bolm (Mannheim/31) als Europas Nummer zwei (Titel in 12,85 Sekunden) und der Leipziger Thomas Blaschek (Saisonbestzeit in 13,38 egalisiert) sowie die 4x100m-Staffel der Frauen als zweitschnellstes Quartett des Kontinents. Erweitern könnte man diesen Kreis durch den WM-Dritten Ralf Bartels (Neubrandenburg), derzeit auch drittbester Europäer im Kugelstoßen und je eine Bronzechance im Hammerwurf und Mehrkampf. Die Olympiavierte Betty Heidler (LG Frankfurt) lieferte hierfür als Nummer fünf in der Welt mit 73,59m in Ulm Argumente.

DLV hat "Luxusproblem" im Stabhochsprung

Während in rund einem Drittel der 43 EM-Einzeldisziplinen noch keine Göteborg-Norm erreicht wurde, leistet sich der DLV in seiner Paradedisziplin Stabhochsprung ein "Luxusproblem": Cheftrainer Jürgen Mallow ließ am Tag nach dem Scheitern von Fabian Schulze (Kornwestheim) an Wind und Anfangshöhe (5,50m) durchblicken, dass Europas Nummer zwei (5,81m zuvor) die EM nur am Fernseher anschauen kann. Und dass neben Sieger Lars Börgeling (Leverkusen/5,75) und dem derzeit stärksten Europäer Tim Lobinger (5,90 - als Dritter diesmal 5,60) Vizemeister Richard Spiegelburg (Leverkusen) nach komplett erfüllter Norm das dritte Ticket erhält.

Schwester Silke Spiegelburg ließ dagegen durch den Siegsprung über 4,55m erst gar keine Zweifel aufkommen, dass sie zusammen mit Nastja Ryshich (Ludwigshafen/4,50) und Martina Strutz (Schwerin/4,45) in der leistungsstärksten Frauen-Disziplin das EM-Ticket erhalten wird.

Julia Hartmann fühlt sich durch Kampfrichter benachteiligt

Mallow machte deutlich, dass der DLV trotz schwacher 100-m-Siegerzeiten alle Staffeln nominieren will und auch Athleten ohne Norm eine Chance geben wird: So unter anderem Irina Mikitenko (Wattenscheid), die über 5000m in 15:28,00 den siebten Titel in Serie für Sabrina Mockenhaupt (Köln) verhinderte, die 20 Jahre alte Leverkusener Weitsprung-Meister Sebastian Bayer (7,95m), den Zweibrücker 110m-Hürden-Vize Jens Werrmann (13,62) und die bei ihrem Versuchen an der Norm (1,93m) "durch nicht ganz professionelle Kampfrichter" (Mallow) gestörte Leverkusener Hochsprung-Siegerin Julia Hartmann.

Als dritte Medaillenhoffnung wird dagegen möglicherweise die Magdeburger Kugelstoß-Olympiazweite Nadine Kleinert (Verletzung Schultereckgelenk) nicht im Team stehen. Zuvor waren bereits der Kornwestheimer 200m-Halleneuropameister Tobias Unger (Fersensporn-Operation am Mittwoch) und der ebenfalls vor einem Eingriff (Zeh) stehende Mehrkampf-Hallenweltmeister Andre Niklaus (Berlin) auf der Strecke geblieben.

© SID

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