Leichtathletik Doping
Bolts Trainingspartner soll unter Ertappten sein

Nach Informationen der italienischen Zeitung Gazzetta dello Sport soll Usain Bolts Trainingspartner Yohan Blake zu den fünf positiv getesteten jamaikanischen Sprintern gehören.

Über den Sprintern von der Karibik-Insel Jamaika braut sich nach fünf Dopingfällen ein mächtiger Tropensturm zusammen und droht auch das Image von Dreifach-Olympiasieger Usain Bolt zu beschädigen. In Saisonaufsteiger Yohan Blake (19) und Marvin Anderson (27) sollen nach Informationen der italienischen Zeitung Gazzetta dello Sport zwei Klubkollegen von Bolt bei den nationalen Leichtathletik-Meisterschaften in Kingston (26. bis 28. Juni) in der A-Probe positiv auf eine Stimulans getestet worden sein.

"Jetzt wird alles hinterfragt"

Bolt zeigte sich am Freitagabend in London von den Spekulationen um die zu diesem Zeitpunkt bestätigten, aber noch nicht namentlich bekannten, Fälle beunruhigt. "Das ist traurig für unseren Sport, der sich so gut entwickelt hat. Jetzt wird alles hinterfragt, was von Jamaika kommt", sagte der 22-Jährige nach seinem Sieg in 9,91 Sekunden bei starkem Gegenwind von 1,7m/s.

Hinter ihm war Yohan Blake, der bei Bolt-Coach Glen Mills trainiert, in 10,11 auf Rang zwei gesprintet. Eine Leistung, die ins Bild passte. Denn Blake machte in diesem Jahr einen enormen Leistungssprung und verbesserte sich jüngst in Paris auf 9,93.

In London gab sich Blake unwissend. Er sei von nichts informiert worden, antwortete er einem Reporter der Gazzetta. Doch die jamaikanische Staffel vom Racers Track Club, die mit Bolt und Blake am nächsten Tag 4x100m laufen sollte, war zu diesem Zeitpunkt schon von den Startlisten verschwunden. Samstagmittag twitterte er vieldeutig: "mmmmm wth". "mmmmm was zur Hölle".

Die weiteren Betroffenen sind laut Gazzetta die 400-m-Läufer Lanceford Spence (26) und Allodin Fothergill (22) sowie 100-m-Sprinterin Sheri-Ann Brooks (26), Vize-Weltmeisterin mit Jamaikas 4x100-m-Staffel bei der WM 2007 in Osaka. Das Quintett war komplett für die WM in Berlin (15. bis 23. August) nominiert. Insgesamt sah Jamaika für die Titelkämpfe 46 Athleten vor.

Positive Dopingtests offiziell bestätigt

Am Freitag hatte die Nationale Anti-Doping-Kommission des Landes (Jadoc) die positiven Dopingtests offiziell bestätigt, dabei aber weder Namen noch die Substanz genannt, da es sich nur um positive A-Proben handelt, die im Labor in Montreal analysiert worden waren. Die Sportler hätten nun Gelegenheit zu einer Anhörung und der Öffnung der B-Probe, hieß es. Sogar Premierminister Bruce Golding zeigte sich besorgt und verlangte bei einem Treffen mit Sportfunktionären Aufklärung.

Ein wenig erinnert das Geschehen an die WM 2003 in Paris, als Doppel-Weltmeisterin Kelli White positiv auf eine Stimulans namens Modafinil getestet wurde. Es waren die Vorboten des Dopingskandals um das kalifornische Balco-Labor. Dessen ehemaliger Chef Victor Conte sagte im Vorjahr: "Wenn man sieht, dass die schnellsten Sprinter alle von einer Insel kommen, ist das höchst verdächtig. Ich glaube, in der Karibik wird zügellos gedopt."

Die jüngsten Erfolge der jamaikanischen Sprinter sind jedenfalls beeindruckend und fast unglaublich. Fünf von sechs Goldmedaillen über 100, 200 und 4x100m gewannen sie bei Olympia in Peking. Bolt lief dabei drei Weltrekorde (9,69, 19,30 und 37,10). Außerdem standen erstmals drei Frauen aus einem Land über 100m auf dem Podest. Erklärt wurde das alles mit "viel Talent" und gutem Training.

Selbst in Jamaika gab es schon immer Zweifler, so wie den ehemaligen Präsident des Leichtathletik-Verbandes Jaaa, Teddy Mccook. Er gestand jüngst dem englischen Guardian, nicht mehr ruhig schlafen zu können: "Es gibt immer Trainer, die eine Abkürzung suchen."

© SID

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