Leichtathletik Doping
Breuer ohne Aussicht auf Schadenersatz

Auch in zweiter Instanz ist die ehemalige 400-m-Läuferin Grit Breuer mit dem Versuch gescheitert, 300 000 Euro Schadenersatz vom Leichtathletik-Weltverband Iaaf einzuklagen.

Die erneut unter Dopingverdacht geratene frühere 400-m-Weltklasse-Sprinterin Grit Breuer ist auch in zweiter Instanz mit dem Versuch gescheitert, 300 000 Euro Schadenersatz vom Leichtathletik-Weltverband Iaaf für entgangene Preis- und Sponsorengelder einzuklagen.

Der Vorsitzende Richter Werner Müller vom Oberlandesgericht Stuttgart ließ am Donnerstag durchblicken, Grit Breuer sei "auf einem sehr steinigen Weg" durch die Instanzen. Er machte den Vorschlag, Breuer solle die Klage zurückziehen und die Anwälte beider Parteien sollten sich außergerichtlich darüber einigen, dass Breuer keine Prozesskosten von Seiten der Iaaf entstünden. Andernfalls werde eine Fortsetzung des Prozesses am 22. Februar erfolgen.

Richter Werner Müller bezweifelte allerdings auch deutlich, dass das OLG letztlich für diesen Prozess zuständig sei, da ihm die internationale Zuständigkeit fehle. Eher sei wohl ein englisches Gericht anzurufen, da die Iaaf damals, als die Sperre gegen Breuer verhängt worden sei, ihren Sitz in London gehabt habe.

Der Iaaf-Anwalt wies darauf hin, dass die Möglichkeit eines Vergleichs von Seiten des Weltverbandes erst nach dem 18. Januar geprüft werden könne.

Bereits im April hatte das Stuttgarter Landgericht die Klage der mittlerweile zurückgetretenen ehemaligen Staffel-Weltmeisterin in einem ersten Verfahren abgewiesen und sich für nicht zuständig erklärt. Breuer macht ihre Ansprüche in Stuttgart geltend, weil dort am 22. August 1993, dem Schlusstag der WM, die Iaaf-Entscheidung über die Verlängerung ihrer Dopingsperre um zwei auf drei Jahre getroffen worden war. Sitz des Weltverbandes ist heute allerdings Monaco.

Breuer steht seit Mitte November selbst unter Dopingverdacht, nachdem der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sportrechtliche Ermittlungen gegen sie aufgenommen hat. Die Athletin bestreitet die Vorwürfe.

Ihr Lebensgefährte Thomas Springstein war im Frühjahr wegen Dopings von Minderjährigen zu 16 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Sportgerichtsverfahren gegen Breuer basiert unter anderem auf den Erkenntnissen, die der DLV aus den Prozessakten gewann.

Die Schadenersatzforderung der mittlerweile in Warnemünde/Ostsee als Fitnesstrainerin tätigen ehemaligen Viertelmeilerin beläuft sich auf knapp die Hälfte der ihrer Ex-Kollegin Katrin Krabbe in einem früheren Verfahren zugesprochenen Summe. An die ehemalige Sprint-Weltmeisterin musste die Iaaf vor vier Jahren nach einem außergerichtlichen Vergleich im Anschluss an ein Urteil des Oberlandesgerichts München vom Juni 2001 umgerechnet rund 669 000 Euro Schadenersatz zahlen.

Krabbe und Breuer waren 1992 ebenso wie Manuela Derr vom DLV wegen Medikamentenmissbrauchs für rund ein Jahr gesperrt worden, die Iaaf hatte den Bann im August 1993 um zwei weitere Jahre verlängert. Diese Maßnahme war gerichtlich später als unrechtmäßig eingestuft worden. Im Gegensatz zu Krabbe hatte Breuer ihre Karriere neu gestartet und war im Dezember 2005 zurückgetreten.

© SID

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