Leichtathletik Doping
DDR-Dopingopfer Jacobs war Stasi-Spitzel

Der in der DDR zum Doping genötigte Kugelstoßer Gerd Jacobs hat sich zu seiner Zeit als Stasi-Spitzel bekannt und die Diskussion um die Entlassung von Werner Goldmann neu entfacht.

Die Diskussion um den Umgang mit ehemaligen Doping-Trainern aus der DDR ist um eine brisante Variante reicher. Am Mittwoch stellte sich heraus, dass der ehemalige Kugelstoßer Gerd Jacobs, dessen Kronzeugen-Aussage zur Entlassung von Kugelstoß-Bundestrainer Werner Goldmann wegen dessen Vergangenheit im Dopingsystem der DDR führten, ein Stasi-Spitzel war. "Ich bin hochgradig beteiligt gewesen. Das will ich nicht abstreiten. Ich wurde vereidigt und war auch Täter", sagte das staatlich anerkannte DDR-Dopingopfer der Sport Bild.

Unvorbereitet traf die Nachricht den Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb). "Im Sport ist man wie in der Politik vor Überraschungen offenbar nie sicher. Ich finde es problematisch, dass sich Gerd Jacobs zum Ankläger aufschwingt, aber auf sich selbst bezogen nicht so offen und ehrlich war. Das ändert aber nichts am Fall Werner Goldmann", meinte Dosb-Generaldirektor Michael Vesper.

Von 1986 bis 1988 bei der Stasi

Jacobs arbeitete von Januar 1986 bis August 1988 als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) unter dem Decknamen Heinz Krüger für die Stasi. "In dieser Zusammenarbeit werde ich mir erteilte Aufträge gewissenhaft und initiativreich erfüllen und ehrlich in schriftlicher Form darüber berichten", schrieb der heute 48-Jährige in seiner Verpflichtungserklärung vom 22. Januar 1986.

Jacobs, der sich 2004 einer Herztransplantation unterziehen musste, hatte vor der unabhängigen Antidoping-Kommission des Dosb unter Vorsitz des Bundesverfassungsrichters a.D. Udo Steiner erklärt, Goldmann habe ihm Anfang der 80er Jahre das Dopingmittel Oral-Turinabol verabreicht. Daraufhin wurde der Vertrag von Goldmann mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) Ende des vergangenen Jahres nicht verlängert.

Kommission von der Glaubwürdigkeit Jacobs'überzeugt

"Es ändert nichts an der Sache, wie wir die Empfehlung für Herrn Goldmann ausgesprochen haben. Er ist nicht über die Brücken gegangen, die wir ihm gebaut haben. Uns wäre ein anderes Ergebnis auch lieber gewesen", sagte Doppel-Olympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl am Mittwoch dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Sie ist eines von drei Mitgliedern der Kommission, dessen Vorsitzender Udo Steiner der Sport Bild erklärte: "Uns war bislang nicht bekannt, dass Gerd Jacobs für die Stasi gearbeitet hat. Wir sind uns dennoch sicher, dass er uns nicht angelogen hat." Auch DDR-Dopingopfer Andreas Krieger will keinen Zusammenhang herstellen: "Ich denke, das eine hat nichts mit dem anderen zu tun."

Goldmann klagt auf Weiterbeschäftigung

Während der Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) bisher eine Amnestie für Doping-Vergehen in der DDR ablehnt, wie sie vereinzelt gefordert wird, verlangte der von Goldmann betreute Diskus-WM-Zweite Robert Harting jüngst einen "Deal" vom Dosb. 20 Athleten mit Harting und Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch an der Spitze hatten sich für eine Wiedereinstellung stark gemacht. Am Mittwoch wollte sich Harting aber nicht mehr äußern. "Dazu sage ich nichts mehr", erklärte der Berliner.

Goldmann klagt derzeit vor dem Arbeitsgericht in Darmstadt auf Weiterbeschäftigung. Die erste Verhandlung findet am 16. Februar statt.

© SID

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