Leichtathletik Doping
Gatlin-Coach Graham vermutet Sabotage

Der Trainer des positiv getesteten US-Sprinters Justin Gatlin spricht von gezielter Sabotage. Unterdessen hat die Iaaf bestätigt, dass dem 100-m-Weltrekordler eine lebenslange Sperre droht.

Das Ergebnis einer gezielten Sabotage soll laut Coach Trevor Graham die positive Dopingprobe von Sprintstar Justin Gatlin (USA) gewesen sein. Der Trainer vermutet, dass der 24 Jahre alte Olympiasieger und Weltmeister direkt vor dem Test am 22. April bei den Kansas Relays im kalifornischen Walnut in eine Falle gelockt wurde und unwissentlich die Doping-Substanz einnahm.

Im Interview mit einem TV-Sender aus seiner Heimat Jamaika meinte Graham: "Wir wissen, wer das gemacht hat. Wir versuchen, ihn zu überführen. Wir hoffen, dass uns das gelingt. Wir wissen immerhin, wer es ist und wie er in unsere Struktur eingedrungen ist. " Ohne einen Namen zu nennen, lenkte Graham den Verdacht auf einen ehemaligen Angestellten seiner "US Sprint Capitol Group".

Privatdetektiv im Einsatz

Diese Person habe er entlassen und dann wieder eingestellt, erklärte Graham. Sie sei am 22. April auch an den Kansas Relays vor Ort gewesen und habe dort mit Gatlin Ärger bekommen: "Wir sind bereits zu 100 Prozent sicher bezüglich der Identität jener Person. " Man wolle sich bloß noch überzeugen, dass niemand sonst involviert sei: "Dann werden wir die Beweise publik machen. Bereits seit einiger Zeit haben wir einen Privatdetektiv auf die Spuren des Schuldigen angesetzt."

"Wir geben den Namen der Person nicht heraus, damit sie sich nicht organisieren kann", erklärte Graham, der schon mit zahlreichen Athletinnen und Athleten in Dopingskandale oder Verdächtigungen verwickelt war. Darunter befand sich auch Tim Montgomery (USA), der 2002 in Paris den Weltrekord auf 9,78 Sekunden gesenkt hatte. Graham war auch Trainer der dreifachen Sydney-Olympiasiegerin Marion Jones.

Iaaf: Lebenslange Sperre und Weltrekord-Verlust

Der Leichtathletik-Weltverband Iaaf hat unterdessen am Sonntag bestätigt, dass Gatlin als potenzieller Wiederholungstäter lebenslang gesperrt wird, wenn er nach der positiven Probe vom 22. April im kalifornischen Walnut wegen Dopings bestraft wird. Außerdem verliere er dann automatisch den Weltrekord, da er die Bestmarke von Asafa Powell (Jamaika/9,77 Sekunden) erst drei Wochen nach dem positiven Test am 12. Mai in Doha/Katar eingestellt habe.

"Wenn die amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada das Vergehen bestätigt, dann ist die Sanktion nach den Regeln der Iaaf die lebenslängliche Suspendierung", teilte der Weltverband in einem Statement mit. Iaaf-Sprecher Nick Davies bestätigte, dass dann alle Leistungen nach dem 22. April aberkannt würden, neben dem Weltrekord also auch der US-Titel über 100m vom 23. Juni. Alle Medaillen der Vergangenheit würden dem 100-m-Olympiasieger von 2004 und Doppel-Weltmeister (100/200m) von 2005 aber erhalten bleiben. Die Iaaf bestätigte dabei auch, dass Gatlin zugestimmt habe, in Kürze zu einer Anhörung bei Usada zu erscheinen.

Gatlin gilt als potenzieller Wiederholungstäter, weil er als 19-Jähriger im Sommer 2001 nach den US-Juniorenmeisterschaften wegen der Einnahme von Amphetaminen (Aderall) für zwei Jahre gesperrt worden war.

Damals erhielt er aber schon zum 1. Juli 2002 das Startrecht zurück, weil er das positive Testergebnis als Resultat einer bis in seine Kindheit zurückreichenden Medikation erklären konnte. Allerdings drohte die Iaaf Gatlin schon damals im Wiederholungsfall eine lebenslange Sperre an.

© SID

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