Leichtathletik Doping
Jamaikas Sprintern droht Dopingskandal

Drei Wochen vor Beginn der Leichtathletik-WM in Berlin droht Jamaikas Sprintern ein Dopingskandal. Ein Funktionär der nationalen Anti-Doping-Kommission bestätigte positive Tests.

Fünf jamaikanische Sprinter sind drei Wochen vor der Leichtathletik-WM in Berlin (15. bis 23. August) positiv getestet worden. Das bestätigte ein Offizieller der jamaikanischen Anti-Doping-Kommission Jadco der Nachrichtenagentur Reuters. Namen nannte er zwar nicht, betonte jedoch, dass keine "Stars" wie Dreifach-Olympiasieger Usain Bolt oder Asafa Powell, dessen Vorgänger als 100-m-Weltrekordler, betroffen seien.

Den Angaben zufolge ist auch kein Medaillengewinner von Peking darunter. Allerdings sollen zwei Athleten aus dem neuen "Racers Track Club", dem auch Bolt angehört und der von dessen Trainer Glen Mills geleitet wird, zu dem Quintett gehören.

"Ich kann sagen, dass fünf Athleten auf eine unbedeutende Substanz positiv getestet worden sind", erklärte der Funktionär, dessen Identität Reuters nicht preisgab. Die Tests stammten von den nationalen Titelkämpfen im vergangenen Monat in Kingston.

Bolt "weiß nichts"

Bolt erklärte in London, wo er beim Super Grand Prix startete: "Ich habe von den Gerüchten gehört. Aber ich weiß nichts, da müssen Sie meinen Manager fragen."

Sogar Jamaikas Premierminister Bruce Golding mischte sich in die Angelegenheit ein und bat die Jadoc sowie den jamaikanischen Leichtathletik-Verband zum Rapport. Zuvor hatte die Zeitung Jamaica Observer berichtet, es handle sich um fünf der 46 für die Titelkämpfe in Berlin nominierten Athleten. Betroffen sind angeblich zwei Männer und eine Frau aus der 4x100-m-Staffel und zwei Männer aus dem 4x400-m-Quartett. Welche Substanz gefunden wurde ist unklar. 47 Dopingtests waren bei den nationalen Meisterschaften genommen worden. Sie wurden im Labor in Montreal/Kanada analysiert.

Die Internetseite Trackallerts.com zitierte derweil Dr. Herb Elliott von der Jadoc, die bei den Meisterschaften für die Tests zuständig war: "Wir warten noch auf Informationen und Fakten. Es wird von uns eine Erklärung geben."

Herber Schlag für Jamaika

Die Sündenfälle sind ein herber Schlag für die Sprint-Nation Jamaika, die 2008 bei Olympia in Peking fünf von sechs Goldmedaillen über 100, 200 und 4x100m gewann. Nur die favorisierte Frauenstaffel hatte im Finale den Stab verloren.

Jamaikanische Aushängeschilder sind neben Bolt und Powell, 100-m-Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser sowie 200-m-Olympiasiegerin Veronica Campbell-Brown. Der 22-Jährige Bolt erzielte in Peking in 9,69 Sekunden über 100, 19,30 über 200 und mit der Staffel (37,10) drei Weltrekorde.

Dopingfall bei den Nationalen Meisterschaften 2008

Bereits im Vorjahr hatte es bei den Nationalen Meisterschaften Jamaikas einen Dopingfall gegeben, als Sprinter Julien Dunkley (32) positiv auf das Anabolikum Boldenon getestet und aus der Olympiastaffel ausgeschlossen worden war.

Weitere jamaikanische Dopingsünder waren die Sprinter Steve Mullings, der 2004 bei den Trials die 200m gewonnen hatte, dann jedoch mit Testosteron aufflog und Patrick Jarrett (Stanozolol/2001).

1999 Merlene Ottey im Visier

Auch Jamaikas frühere Sprint-Königin Merlene Ottey, die zuletzt für Slowenien startete, wurde im Juli 1999 in der A-Probe schon mit Nandrolon erwischt und ursprünglich für zwei Jahre gesperrt. Wegen angeblicher Verfahrensfehler bei der Untersuchung im IOC-Dopinglabor von Lausanne rehabilitierte sie der Leichtathletik-Weltverband Iaaf ein Jahr später. Mit öffentlichen Verwarnungen endeten die Fälle von Kugelstoßer Dorian Scott (Marihuana) sowie Weit- und Dreispringer Suzette Lee (Salbutamol).

2 007 hatte Victor Conte, ehemaliger Leiter des kalifornischen Dopinglabors Balco, in einem Gespräch mit dem damaligen Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), Richard Pound, Doping-Spekulationen um weitere Jamaika-Sprinter geschürt. 2008 kritisierte Pound dann, dass es seine Nachfolger nicht für nötig befunden hätten, diesen Hinweisen auf mögliche Manipulationen nachzugehen.

© SID

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