Leichtathletik Doping
Johnson fordert Sperre gegen Gatlin-Trainer

In der Doping-Affäre um Justin Gatlin soll laut New York Times vor zehn Tagen gegen dessen Trainer Trevor Graham ein Verfahren der Usada erföffnet worden sein. Sprintstar Michael Johnson forderte eine lebenslange Sperre.

Nicht nur 100-m-Olympiasieger Justin Gatlin sondern auch sein Trainer Trevor Graham steht in der Doping-Affäre unter Verdacht. Laut New York Times wurde schon zehn Tage vor Bekanntwerden des Falles Gatlin vor der amerikanischen Anti-Doping-Behörde Usada ein Verfahren gegen den Mann aus Jamaika eröffnet, den der deutsche Doping-Experte Werner Franke "die neben Victor Conte am stärksten dopingbelastete Person in Amerika" nennt. Am Montag forderte Weltrekordler Michael Johnson, Graham müsste lebenslang gesperrt werden.

Graham mit Verbindungen zu Conte

Conte (55) war Chef des kalifornischen Doping-Labors Balco, ist nach einer Gefängnisstrafe wegen Dopinghandels und Geldwäsche wieder auf freiem Fuß. Im Zuge des Prozesses um das Designersteroid THG und andere unerlaubte Substanzen wurden 14 bekannte Leichtathleten gesperrt, darunter der damalige 100-m-Weltrekordler Tim Montgomery, Ex-Lebensgefährte der ebenfalls stark belasteten, aber nie bestraften dreimaligen Olympiasiegerin Marion Jones. Beide trainierten wie fünf andere in den letzten Jahren suspendierte Athleten bei Trevor Graham, der 1988 in Seoul mit Jamaika 4x400-m-Silber gewonnen hatte.

Graham war in Contes "Projekt Weltrekord" involviert, mit dem Montgomery zu 9,78 Sekunden gedopt wurde, eine Zeit, die inzwischen aus den Rekordlisten gestrichen ist. Wegen Geld kam es damals zum Streit zwischen Conte und Graham, was Letzterer aus Revanchedenken zum Anlass nahm, sich als "Saubermann" in eine Position zu bringen, die ihn bislang vor einer Anklage schützte: Graham war jener Trainer, der eine THG-Spritze an die Usada schickte und damit den Balco-Skandal ins Rollen brachte.

Vorwürfe von angeblichem Dopinglieferanten

Im Zuge der neuen Ermittlungen gegen Graham hat inzwischen der Mexikaner Angel Guillermo Heredia ausgesagt, er habe dessen "US Sprint Capitol Group" von 1996 bis 2000 mit Dopingmitteln beliefert, Steroiden, Wachstumshormonen und dem Blutdopingmittel Epo. Außerdem habe er Pläne für einzelne Athleten ausgearbeitet, wie die Drogen zu nehmen seien und Kontrollen umgangen werden könnten.

Heredia sagte, er habe sich wegen finanzieller Differenzen von Graham getrennt. Die Zusammenarbeit beider bestätigte laut New York Times inzwischen John Burks, ein früherer Assistent von Graham. Erst nach dem Weggang von Montgomery und Jones stieß dann Justin Gatlin zu Trevor Graham, dessen Ruf ihn offenbar nicht störte. Der Jamaikaner trainiert auch 200-m-Olympiasieger Shawn Crawford (USA).

Johnson fordert Sperre für Trainer

Grahams Verschwörungstheorie, ein ehemals entlassener und dann wieder von ihm eingestellter Mitarbeiter habe Gatlin am 20. April vor dem Weltrekordlauf von Doha/Katar (9,77) die Beine mit einer testosteronhaltigen Salbe "positiv massiert", glauben nur wenige.

Auch Michael Johnson nicht. Der Mann, der mit Fabelweltrekorden von 19,32 und 43,18 Sekunden selbst enorm viel Skepsis säte, bezeichnete Grahams Erklärung gegenüber der französischen Nachrichtenagentur afp als "die neue Version eines alten Märchens" und sagt: "Graham besitzt keine Glaubwürdigkeit. Er hat zu viele Athleten trainiert, die positiv getestet wurden. Graham sollte wie Gatlin einen lebenslangen Bann erhalten. Aber unglücklicherweise gibt es keine Regel gegen Trainer. Darum müssen wir weiter mit ansehen, wie Athleten betrügen und den Sport ruinieren."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%