Leichtathletik Doping
Jones steht erneut unter Dopingverdacht

Marion Jones sorgt erneut für Schlagzeilen. Der US-Star, der am Freitag kurz vor Beginn des Leichtathletik-Meetings "Weltklasse in Zürich" in die Heimat zurück reiste, steht erneut unter Dopingverdacht.

Die dreifache Sydney-Olympiasiegerin Marion Jones ist offenbar erstmals positiv auf Doping getestet worden. Bei der seit Jahren verdächtigen Amerikanerin, die wenige Stunden vor dem geplanten Start am Freitag im Letzigrund fast fluchtartig Zürich verlassen hatte, wurde nach Informationen der Washington Post und Los Angeles Times bei den nationalen Meisterschaften im Juni in Indianapolis das Blutdopingmittel EPO gefunden. Der 30-Jährigen droht bei positiver B-Probe (Öffnung 6. September) eine mindestens zweijährige Strafe, die das Karriereende bedeuten könnte.

Jones beteuerte stets ihre Unschuld

Marion Jones, die angesichts aller Verdächtigungen der Vergangenheit stets ihre Unschuld beteuert hat, ist nach Tour-de-France-Sieger Floyd Landis und 100-m-Olympiasieger Justin Gatlin der dritte US-Sportstar, der binnen weniger Wochen positiv getestet wurde. Jones hatte zur Zeit ihrer größten Erfolge bei Olympia 2000 in Sydney (drei Siege, fünf Medaillen) in Trevor Graham, der nun ebenfalls im Zentrum umfassender Ermittlungen steht, den gleichen Trainer wie zuletzt Gatlin.

Für große Doping-Skandale hatten in den letzen Jahren auch zwei zentrale Partner im Leben der Sprinterin gesorgt. Eine lebenslange Sperre beendete die Kugelstoß-Karriere von Ex-Ehemann C.J. Hunter, Weltmeister von Sevilla 1999. Auch er sagte aus, Jones habe sich in seiner Gegenwart Dopingsubstanzen gespritzt. Tim Montgomery, Vater des Sohnes von Marion Jones, verlor nach seinem Dopinggeständnis im Dezember 2005 den 100-m-Weltrekord (9,78) und beendete nach zweijähriger Sperre die Karriere.

Schon als Nachwuchs-Sprinterin Probleme mit Dopingkontrolle

Marion Jones hatte bereits 1992 als Nachwuchs-Sprinterin im kalifornischen Thousand Oaks Probleme mit einer Dopingkontrolle. Diese soll sie damals verweigert haben. Sie entging durch Star-Anwalt Johnnie Cochran Jr. erfolgreich einer Sperre und fand nach einer zwischenzeitlichen Basketball-Karriere erst wieder nach Olympia 1996 zurück zur Leichtathletik.

Die Kalifornierin war als Welt-Leichtathletin im Zusammenhang mit Ermittlungen um das kalifornische Labor Balco vor zwei Jahren massiv unter Dopingverdacht geraten. Der damals zu vier Monaten Gefängnis verurteilte Laborchef Victor Conte hatte im Dezember 2004 in einem Fernsehinterview gesagt, Marion Jones habe über Jahre Dopingpräparate von ihm erhalten und er selbst gesehen, wie sie sich Wachstumshormone gespritzt habe. Eine 25-Millionen-Dollar-Klage gegen Conte hatte Jones dann im Februar 2006 zurückgezogen.

B-Probe soll Anfang September geöffnet werden

Doch nun scheint es endgültig Ernst zu werden für Marion Jones. Laut Chicago Tribune soll die B-Probe am 6. September geöffnet werden. Danach erfolgt eine Anhörung bei der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada. Diese gab bisher ebenso wie das Nationale Olympische Komitee Usoc keine Stellungnahme. Ein Sprecher des Leichtathletik-Weltverbandes Iaaf verwies auf die Geheimhaltungsfrist bis zur Öffnung der B-Probe. Generalsekretär Pierre Weiss kritisierte scharf, das Labor habe sich mit den Analysen zu viel Zeit gelassen.

Marion Jones selbst äußerte sich bisher nicht zur positiven Probe, auch nicht ihr Manager Charles Wells. Sie hatte am Freitag "persönliche Gründe nach einem Anruf aus den USA" für ihre überhastete Rückreise in die Heimat angegeben. Die Organisatoren erfuhren erst nach ihrer Abreise vom kurzfristigen Startverzicht der 30-Jährigen, die nach einem großen Leistungstief seit 2004 wieder in den Kreis der weltbesten Sprinterinnen zurückgekehrt war. Sie verzeichnet drei der fünf besten 100-m-Zeiten des Jahres und ist Weltranglisten-Zweite in 10,91 Sekunden. US-Meisterin wurde Jones in 11,10 Sekunden und dabei im Wettkampf positiv getestet.

Lapidar äußerte sich Jones-Anwalt Rich Nichols auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters: "Es ist unglücklich, dass die Integrität und das Vertrauen in das Kontrollprogramm vielleicht verletzt wurden, aber Marion ist immer für sauber erklärt worden. Sie hat nie leistungssteigernde Mittel genommen, weder jetzt, noch sonst."

2006 hatte sich von den Golden-League-Meetings nur das Istaf in Berlin, am 3. September Schlusspunkt der Serie, offensiv gegen eine Verpflichtung von Jones ausgesprochen.

© SID

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