Leichtathletik Doping
Weitspringer Bayer hält an Coach Schulz fest

Trotz der Doping-Vergangenheit seines Trainers denkt Weitspringer Sebastian Bayer nicht an eine Trennung. "Das ändert nichts. Ich wusste davon", erklärte der 22-Jährige.

Einen Tag nach dem öffentlichen Doping-Geständnis seines Trainers hat Hallen-Europarekordler Sebastian Bayer die ungewöhnlichste Dopingkontrolle seines Lebens mitgemacht. Doch aus der Ruhe konnten den Weitspringer weder der Urintest auf der Behinderten-Toilette des Bremer Bahnhofs noch das Outing seines Coaches Joachim Schulz bringen. Dieser hatte zugegeben, ins Dopingsystem der DDR verstrickt gewesen zu sein.

"Achims Aussagen ändern nichts an unserem Verhältnis. Ich wusste davon. Er hat mir vor drei Jahren davon berichtet", sagte Bayer bei einer Pressekonferenz im thüringischen Bad Langensalza, wo er am Samstag seinen ersten Saisonstart plant.

"Ich finde es gut, wie Achim mit dem Thema umgeht"

Warum sollte er nicht weiter auf das Fachwissen eines Trainers zurückgreifen, der seit der Wende nichts mehr mit Doping zu tun haben wollte, fragte Bayer. Schulz hätte schon vor vielen Jahren so offen und ehrlich auf Fragen zu seiner Vergangenheit geantwortet, wenn sie nur gestellt worden wären, meinte sein Schützling, der im März mit seinem Hallen-Europarekord von 8,71m die Fachwelt überrascht hatte. "Ich finde es gut, wie Achim mit dem Thema umgeht. "

Der gebürtige Geraer Schulz gestand gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seine Verstrickungen ins Dopingsystems der DDR und berichtete zudem über einen Selbstversuch. Der 54-Jährige, der heute als Lehrer im Kreis Aachen arbeitet und Honorartrainer für den niederländischen Leichtathletik-Verband ist, war von 1983 bis 1989 beim DDR-Klub Turbine Erfurt als Trainer angestellt. 1990, so sagt Schulz, habe er den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) über seine Dopingvergangenheit informiert.

"Jeder kannte die Risiken"

Seine Athleten habe er vor der Wende ebenfalls nicht unwissend gelassen, sondern stets über die Mittel aufgeklärt, die er ihnen verabreicht habe, versicherte Schulz dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Jeder wusste, was die so genannten unterstützenden Mittel waren und kannte die Risiken." Seines Wissens nach habe es bei keinem seiner Athleten gesundheitliche Spätfolgen gegeben. "Ich habe noch Kontakt. Es gibt Frauen, die haben zwei oder drei Kinder. "

Für Bayer sind all die öffentlich gewordenen Erkenntnisse nicht beunruhigend. Er selbst versichert immer wieder, zu 100 Prozent sauber zu arbeiten. "Für mich kommt Doping nicht in Frage. Ich denke darüber nicht nach und melde mich regelmäßig im Kontrollsystem ab."

Zweiter Versuch auf der Behindertentoilette

Noch vor seiner Abreise nach Bad Langensalza am Freitag um acht Uhr stand der Dopingkontrolleur beim Hallen-Europameister vor der Tür. Weil er jedoch kurz nach dem Aufstehen nur 60 statt der geforderten 90 Milliliter abliefern konnte, verfolgte ihn der Kontrolleur bis zum Hauptbahnhof, wo auf der Behindertentoilette der zweite Versuch erfolgte. "Da habe ich dann sagenhafte 110 Milliliter herausgepresst."

Die Aktion habe ihn keineswegs gestört. "Der Kontrolleur hätte mit mir auch in den Zug steigen können. Ich kann immer wieder nur sagen: Doping kommt für mich nicht in Frage und ich unterstütze das Kontrollsystem", meinte Bayer, der am Samstag in Bad Langensalza den "Seuchenmonat Mai" vergessen will, in dem ihn erst eine Mandelentzündung, dann Fußprobleme und später eine Mittelohrentzündung stoppten. "Ich merke, ich laufe meiner Form noch ein bisschen hinterher." Erstes Ziel Bayers ist nun die WM-Norm von 8,15m für die Titelkämpfe in Berlin (15. bis 23. August).

© SID

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