Leichtathletik Doping
Weltrekordler Gatlin positiv getestet

Sprint-Olympiasieger Justin Gatlin aus den USA ist des Dopings überführt worden. Bei dem 24 Jahre alten Weltrekordler wurde nach einem Staffelrennen im April in Kalifornien erhöhtes Testosteron nachgewiesen.

Nun hat auch die internationale Leichtathletik einen neuen Doping-Skandal: 100m-Olympiasieger und -Weltmeister Justin Gatlin ist des Dopings überführt worden und muss als potenzieller Wiederholungstäter nun eine lebenslange Sperre fürchten. "Ich bin von der Anti-Doping-Agentur der USA informiert worden, dass ich nach einem Staffelrennen am 22. April positiv auf Testosteron oder einen Testosteron-Ableger getestet worden bin", erklärte der Co-Weltrekordler in einer schriftlichen Stellungnahme: "Ich kann dieses Ergebnis nicht erklären, denn ich habe niemals wissentlich verbotene Substanzen zu mir genommen oder eine andere Person autorisiert, mir solche Substanzen zuzuführen."

Die Dopingprobe war Gatlin, der am 12. Mai in Doha/Katar in 9,77 Sekunden den Weltrekord des Jamaikaners Asafa Powell eingestellt hatte, nach den Kansas-Relays-Staffelrennen im kalifornischen Walnut entnommen worden. Damals hatte der 24-Jährige das Quartett Sprint Capitol USA in guten 38,16 Sekunden zum Sieg geführt.

Sollte sich der Verdacht gegen Gatlin bestätigen, dürfte seine Laufbahn beendet sein. Denn Gatlin war bereits 2001 bei den US-Juniorenmeisterschaft positiv auf Amphetamine getestet und für zwei Jahre gesperrt worden. Zwar erteilte der Weltverband Iaaf dem Sprinter, der das positive Testergebnis als Resultat einer bis in seine Kindheit zurückreichende Medikation erklärt hatte, schon zum 1. Juli 2002 wieder das Startrecht, stellte Gatlin allerdings auch für den Wiederholungsfall eine lebenslange Sperre in Aussicht.

"Noch sensibler dafür geworden"

"Auch aufgrund dieser Erfahrung", erklärte Gatlin nun am Samstag weiter, "bin ich noch sensibler dafür gewesen, dass ich auch keinem Grund mit keiner verbotenen Substanz in Berührung kommen konnte. Denn ich wollte keine Sperre für den Sport riskieren, den ich liebe. Seit meinem damaligen positiven Dopingtest engagiere ich mich dafür, den Menschen die Gefahren von Drogen zu verdeutlichen. Ich würde niemals etwas tun, das meine Fans und meine Helfer so enttäuschen würde."

Gatlins Trainer ist Trevor Graham. Der frühere Coach des gefallenen US-Sprintstars Marion Jones hatte die Balco-Affäre ins Rollen gebracht. Er sandte im Juni 2003 eine Spritze mit dem bis dahin unbekannten Designersteroid THG anonym an die US-Anti-Doping-Agentur.

Offenbar besitzt der Sprintstar aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn schon länger Kenntnis von der positiven Probe. "Seit ich davon weiß, habe ich alles in meiner Kraft stehende getan, den Grund für das herauszufinden, was passiert ist. Mit der Usada habe ich bisher in vollkommener Weise zusammengearbeitet und werde das auch weiter tun. Ich hoffe, dass nach Ende dieses Aufklärungsprozesses alle Fakten bekannt sein werden und klar sein wird, dass ich nichts Falsches getan habe", sagte Gatlin.

Als vierter Sprinter zum "Triple"

2003 begann Gatlins Aufstieg zum schnellsten Mann der Welt: Bei der Hallen-WM holte der weithin unbekannte Amerikaner den Titel über 60m, doch für die Freiluft-WM konnte er sich nicht qualifizieren. Stattdessen sprintete er in Zürich die 100m in 9,97 erstmals unter zehn Sekunden. Sein 100m-Olympiasieg 2004 in Athen galt dennoch als Überraschung. Sein hohes Niveau untermauerte er in den Tagen danach als Dritter über 200m und Zweiter mit der 4x100m-Staffel.

Dass dieses Gold kein Zufall war, machte Gatlin ein Jahr danach deutlich. Im WM-Finale von Helsinki lag er in 9,88 Sekunden 17 Hundertstel vor der Konkurrenz und erzielte dabei den größten Vorsprung der WM-Geschichte. Mit dem 200-m-Sieg machte Gatlin das Double perfekt und scheiterte über 4x100m nur deswegen am Dreifach-Triumph, weil Mardy Scales und Leonard Scott auf dem Weg ins Finale den Staffelstab fallen ließen.

In Doha schaffte Gatlin als vierter Sprinter der Geschichte das "Triple" aus Olympiasieg (2004), Weltmeister-Titel (2005) und Weltrekord (2006). Zuvor hatten dieses Kunststück nur seine Landsleute Carl Lewis und Maurice Greene sowie der Kanadier Donovan Bailey realisiert.

© SID

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