Leichtathletik EM
Dietzsch verpasst Gold - Ernst im Halbfinale raus

Die EM-Hoffnungen der deutschen Leichtathleten haben sich am Donnerstag nur teilweise erfüllt: Sebastian Ernst hat über 200m das Finale als Sechster überraschend verpasst, Goldfavoritin Franka Dietzsch holte nur Silber.

Die deutschen Leichtathleten haben bei den Europameisterschaften im schwedischen Göteborg am Donnerstag einen Dämpfer einstecken müssen. Während Sebastian Ernst das Finale über 200m überraschend verpasste, kam die große Goldfavoritin Franka Dietzsch nur auf Rang zwei und holte Diskus-Silber.

Während die Weltranglisten-Erste (68,51m) weit unter Wert blieb, holte Darya Pischtschalnikowa (21) mit der Steigerung auf 65,55m im vierten Versuch überraschend das siebte Gold für Russland. Für Deutschland war es nach den Siegen von Kugelstoßer Ralf Bartels und 10 000-m-Läufer Jan Fitschen sowie Siebenkampf-Bronze von Lilli Schwarzkopf die vierte Medaille.

"Ich kriege die Krise"

Die 13 wurde im Kontrast zur Hoffnung von Trainer Dieter Kollark nach zuvor zwölf Saisonwettkämpfen nicht zur Glückszahl. "Sie wirft viel zu hoch. Ich kriege die Krise", meinte Kollark, der sich als erfolgreichster deutscher Leichtathletik-Trainer nach der Vereinigung das elfte Gold erhofft hatte. Nachdem die Russin die Führung erobert hatte, und nichts lief, verdüsterte sich die Miene der Weltmeisterin zusehends. Vergeblich versuchte sie dann, wie ihr Neubrandenburger Klubkamerad Bartels am Montag noch im finalen Versuch die Wende herbeizuführen.

Obikwelu triumphiert erneut

Während Olympia-Halbfinalist Ernst (Wattenscheid) überraschend im Halbfinale als Sechster in schwachen 21,04 scheiterte ("nach der Kurve war ich tot"), schaffte der Portugiese Francis Obikwelu (20,01) 48 Stunden nach dem 100-m-Triumph und 28 Jahre nach Italiens Olympiasieger Pietro Mennea als fünfter Europäer das Sprint-Double bei einer EM.

Bereits sieben Goldmedaillen hat nach dem vierten Wettkampftag das russische Team auf dem Konto, das wegen teilweise enormer Steigerungen bei den Frauen Doping-Spekulationen auslöste. Über 800m siegte Olga Kotljarowa in 1:57,38 Minuten, doch über 400m sprengte die 2006 um unglaubliche 3,35 Sekunden von 52,99 auf 49,64 verbesserte Bulgarin Wanja Stambolowa in 49,85 die russische Phalanx. Über 400m Hürden triumphierte der Grieche Perikilis Iakovakis, WM-Dritter von Paris 2003, überlegen in 48,46 Sekunden. Überraschungsmann Yohan Deniz hatte bei Blitz und Donner im 50-km-Gehen Frankreichs drittes Gold geholt (3:41:39).

Schwacher Auftritt von Leyckes

Am Freitag liegen die deutschen Hoffnungen bei Hürdensprinterin Kirsten Bolm (Vorlauf 12,83), die Schwedens Favoritin Susanna Kallur (12,70) "die Suppe versalzen" will, und im Hammerwurf vor allem beim WM-Vierten Markus Esser (Leverkusen). Im Zehnkampf-Trio blieb der Uerdinger Dennis Leyckes weit unter Wert. 8 200 Punkte, aber keine Medaille steuerten Stefan Drews (Leverkusen) und Youngster Pascal Behrenbruch (Frankfurt) an.

Gleich zwei Trümpfe gibt es am Sonntag im Stabhochsprung-Finale. "Tim Lobinger ist Favorit zusammen mit Alhaji Jeng, der für Schweden schon bei der Hallen-WM-Silber holte, Lars Börgeling springt nach dem Silber von München 2002 wieder um eine Medaille und Richard Spiegelburg ist der Joker", sagte Bundestrainer Jörn Elberding.

Am Samstag stehen beide Diskus-Asse im Finale. Der fünfmalige Weltmeister Lars Riedel packte nach 63,36m im ersten Versuch gleich seine Sachen. "Ich habe gesehen, dass es reicht. Ich hoffe, ich kann nun zwei der vier großen Gegner raushängen." Mit Glück kamen im letzten Versuch der Wattenscheider WM-Dritte Michael Möllenbeck (60,62) und der zweimalige Olympiasieger Virgilijus Alekna (Litauen) weiter, jedoch nicht U23-Europameister Robert Harting (Berlin/59,87).

Die Zahl der in Runde eins gescheiterten Deutschen erhöhte sich auf 13 durch Hindernisläuferin Verena Dreier (LG Sieg/16.) trotz persönlicher Bestzeit von 9:48,90, den über 5000m ausgestiegenen Dieter-Baumann-Schützling Arne Gabius (Tübingen) und 800-m-Läufer Rene Herms (Pirna). Der erneut überschätzte EM-Siebte von München 2002 brach auf der Zielgerade ein, wurde in 1:48,67 Letzter.

© SID

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