Leichtathletik EM
Fitschen und Schwarzkopf beflügeln DLV-Team

Das Team des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) sorgt bei der EM in Göteborg weiter für Furore: Nach dem Kugelstoß-Gold von Ralf Bartels am Montag legte der Wattenscheider Jan Fitschen durch seinen 10 000-m-Sieg eine noch größere deutsche Leichtathletik-Sensation auf die Tartanbahn. In einem grandiosen Sturmlauf sprintete der 29-Jährige fast wie Dieter Baumann beim Olympiasieg 1992 auf der Zielgeraden an seinen Gegnern vorbei und stellte Europas Langstrecken-Welt auf den Kopf. Bronze holte zudem beim Siebenkampf-Triumph von Schweden-Star Carolina Klüft (6 740) die Paderbornerin Lilli Schwarzkopf (6 420), nur 44 Zähler fehlten Jennifer Oeser (Leverkusen/6 376) an einer Medaille.

Heidler verpasst erhofftes Edelmetall

Während die auf einem Medaillenrang erwartete Hammerwerferin Betty Heidler (Frankfurt) mit 70,89m nur knapp vor Klubkameradin Kathrin Klaas (70,59) Fünfte wurde, sorgte Fitschen fast zur gleichen Minute für das Kontrastprogramm. Erst fiel er Heimtrainer Toni Kirschbaum in die Arme, dann Bundestrainer Detlef Uhlemann, der den Triumph des gebürtigen Nordhorners kaum fassen konnte. In neuer Bestzeit von 28:10,94 (bisher 28:19,57) triumhpierte Fitschen vor den Spaniern Jose Manuel Martinez und Juan Carlos de la Ossa. Guter Siebter in Bestzeit von 28:22,56 wurde der Chemnitzer Andre Pollmächer.

Jan Fitschen, bisher nur Sieger beim Hallen-Europacup (2006), ist erst der dritte deutsche Europameister nach Jürgen Haase (1966 und 1969) sowie Manfred Kuschmann (1974). Er brachte damit ein Kunststück fertig, das selbst Dieter Baumann nicht schaffte. Denn er gewann 1998 in Budapest und 2002 in München statt Gold nur Silber.

"Die Medaille von Lilly hatten wir nicht erwartet, um so mehr freuen wir uns", meinte Siebenkampf-Bundestrainer Klaus Baarck, der als Neubrandenburger nach dem Bartels-Gold am Donnerstag auf einen weiteren Titel für "Deutschlands heimliche Leichtathletik-Hauptstadt" hofft. Denn Diskus-Favoritin Franka Dietzsch bot mit 65,93m in der Qualifikation eine Glanzvorstellung vor dem Finale am Donnerstag.

Schwarzkopf und Oeser mit Bestleistungen

Lilli Schwarzkopf verpasste den Platz der "Kronprinzessin" gegen Karin Ruckstuhl (Niederlande) in einem dramatischen 800-m-Lauf nur um 0,2 Sekunden. "Ich schwebe auf Wolke sieben im Athletik-Himmel", meinte die 22 Jahre alte Paderbornerin, die sich in diesem Jahr in Ratingen auf 6 413 Punkte gesteigert hatte, und nun erneut zulegte. Den Grundstock zur Medaille legte die gebürtige Kirgiesin durch überragende 51,36m im Speerwurf. Parallel zu ihr stieß Jennifer Oeser, die sich nach vier Einzel-Bestleistungen in Göteborg von 6 251 auf 6 376 steigerte, durch einen 48,52-m-Wurf zwischenzeitlich sogar auf Rang zwei vor, konnte diesen jedoch im 800-m-Lauf nicht halten.

Sprinter Ostwald und Hürdenläuferin Marx überzeugen

Erfreulich auch Rang acht von Ronny Ostwald (Wattenscheid/10,40) beim 100-m-Sieg des Portugiesen Francis Obikwelu (9,99) sowie der Finalvorstoß von 400-m-Hürdenläuferin Claudia Marx (Erfurt) nach großer Steigerung auf 54,80 Sekunden. Elfter wurde der Berliner WM-Vierte Andre Höhne im 20-km-Gehen in 1:24:45 Stunden.

Nach ihrem starken Auftritt mit 71,40m und Rang zwei in der Qualifikation war die Olympiavierte Betty Heidler nicht in der Lage, das Erfolgsrezept von Bartels zu kopieren, der nach mittelmäßigem Wettkampf im sechsten Versuch den Vorstoß zum Gold schaffte. Dabei hätten 72,59m bereits zu Bronze gereicht für jene Frau, die in diesem Jahr fünf Mal den Deutschen Rekord verbesserte und mit 76,55m auf Platz fünf in der Welt steht.

Die großen Sieger des zweiten WM-Tages waren neben der von 30 000 Zuschauern im Ullevi-Stadion stürmisch gefeierten Ausnahmeathletin Carolina Klüft und 100-m-Sieger Obikwelu diese vier: Der in den USA geborene Weitspringer Andrew Howe (Italien/8,20m), Russlands Weltrekordlerin Tatjana Lysenko im Hammerwerfen (76,56m) sowie Spaniens Titelverteidiger Francisco Javier Fernandez in 1:19:09 Stunden im 20-km-Gehen. Zu den großen Verlierern zählte vor allem der Brite Dwain Chambers, der sein EM-Gold von München 2002 wegen Dopings im Juni verloren hatte, und nun nur Siebter wurde.

© SID

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