Leichtathletik EM
Gevaert Europas schnellste Frau, DLV medaillenlos

Während sich Kim Gevaert in 11,06 über die 100m mit Belgiens erstem EM-Gold seit 1971 in ihrem Heimatland unsterblich machte, gab es am dritten Tag für den Deutschen Leichtathletik-Verband keine Medaillen.

Deutschlands Leichtathleten haben die Goldspur verlassen und machten für zumindest 24 Stunden Pause vom Höhenflug. Am Tag vor dem Auftritt von Top-Favoritin Franka Dietzsch (Neubrandenburg) im Diskusring fehlten Claudia Marx als Vierte in guten 54,99 über 400m Hürden 0,44 Sekunden an Bronze. Dass dies in acht Finals die beste Platzierung ihres Teams war, zeigt deutlich, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) im Kontrast zum Gold von Kugelstoßer Ralf Bartels und 10. 000-m-Überraschung Jan Fitschen noch zu viele Schwächen hat.

"Bei diesem Publikum ist das einfach Wahnsinn"

"Ich bin gut durchgekommen. Bei diesem Publikum ist das einfach Wahnsinn", meinte Claudia Marx, die am Vortag in Bestzeit von 54,80 ins Finale gelaufen war. Im Speerwerfen wurde der Kornwestheimer Peter Esenwein mit 81,11m nur Sechster, der Sindelfinger Stefan Wenk mit schwachen 75,71m Zwölfter. "Ich hatte einen guten ersten Versuch, doch im zweiten habe ich mir etwas den Rücken verschoben. das war ein durchwachsener Wettkampf", sagte der 38-jährige Esenwein.

Auch die Geherinnen konnten die Serie der Überraschungen nicht fortsetzen. Rekordlerin Sabine Zimmer kam als Sechste über 20km in 1:29:56 Stunden mit 79 Sekunden Rückstand auf Bronze ins Ziel, die Olympia-Fünfte Melanie Seeger (ebenfalls Potsdam) wurde Zehnte in 1:31:29.

Die Helden des dritten Tages waren der von 30 400 Zuschauern im fast ausverkauften Ullevi-Stadion Russlands Hochsprung-Olympiasieger Andrej Silnow (2,36), Frankreichs 400-m-Läufer Marc Raquil in 45,02 Sekunden als Nachfolger des nicht für Göteborg qualifizierten Ingo Schultz (Leverkusen), 1 500-m-Titelverteidiger Mehdi Baala (3:39,02) mit Frankreichs erstem Göteborg-Sieg sowie im Speerwerfen Norwegens Olympiasieger Andreas Thorkildsen (88,78m). Dabei gewann Weltrekordler Jan Zelezny (Tschechien) nach je dreimal Olympia- und WM-Gold mit Bronze wie 1994 seine zweite EM-Medaille (85,92).

Kim Gevaert holt erstes belgisches Gold seit 1971

Die Frauen des Tages waren 100-m-Siegerin Kim Gevaert (11,06) mit Belgiens erstem EM-Gold seit 1971, Weitsprung-Olympiasiegerin Tatjana Lebedewa beim 15,15-m-Dreisprung, ihre Teamkameradin Jewgenia Issakowa in 53,93 Sekunden über 400m Hürden mit dem fünften russischen Gold und die WM-Zweite Rita Turowa (Weißrussland) in 1:27:08 Stunden beim Start-Ziel-Sieg im 20-km-Gehen.

In den Vorentscheidungen gab es erstmals keinen deutschen Ausfall, nachdem an den beiden vorausgegangenen Tagen insgesamt neun Athleten in Runde eins und zwei gescheitert waren. Dafür kam in Runde zwei nur einer von vier Deutschen weiter. 200-m-Läufer Sebastian Ernst erreichte als Zweiter in 20,71 Sekunden das Finale am Donnerstag.

Am Freitag stehen im Hammerwerfen Ex-Weltmeister Karsten Kobs (Dortmund) nach den im dritten Versuch erzielten 77,52m als Sieger seiner Qualifikations-Gruppe und der WM-Vierte Markus Esser (Leverkusen/76,67) im Endkampf. Im Stabhochsprung erreichte das DLV-Trio mit Junioren-Weltmeisterin Silke Spiegelburg (Leverkusen), der Schwerinerin Martina Strutz (je 4,40m) und der früheren Hallen-Weltmeisterin Nastja Ryshich (Ludwigshafen/4,30) das Finale am Samstag.

"Ich war sehr nervös. Das erste Horrorszenario ist abgewendet", meinte Kobs, der nach dem WM-Triumph von Sevilla 1999 zuletzt vier Mal in Serie bei internationalen Meisterschaften in Runde eins auf der Strecke geblieben war. Markus Esser denkt dagegen schon an eine Medaille: "Das ist am Freitag mein Traum. Ich muss mich nur auf das besinnen, was ich kann: weit werfen."

Endstation war für drei DLV-Athleten im Zwischenlauf - für Daniel Schnelting (Rhede) nach Platz drei in Runde eins (20,90) allerdings schon nach einer Zerrung beim Warmmachen. Über 400m kam Claudia Hoffmann (Potsdam) in 52,27 nicht über Rang sechs hinaus und über 100m wurde Verena Sailer (Fürth) in noch schwächeren 11,61 Sekunden ebenfalls Letzte. Als Fünfte verpasste auch die 46 Jahre alte Sprint-Diva Merlene Ottey (Slowenien/früher Jamaika) das Halbfinale, kündigte jedoch die Fortsetzung ihrer Karriere im nächsten Jahr an.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%