Leichtathletik EM
Jan Fitschen feiert Sensationssieg

Jan Fitschen aus Wattenscheid hat bei den Europameisterschaften in Göteborg über die 10 000 Meter die Konkurrenz düpiert und im Schlusssprint die Goldmedaille erlaufen. Silber und Bronze gehen an Spanien.

Immer wieder schrie er seine Freude in den Abendhimmel von Göteborg. Jan Fitschen konnte es wie Mill. Sportfans, die seinen Namen nicht kannten, kaum fassen. Als krasser Außenseiter war der 29 Jahre alte Wattenscheider bei den Europameisterschaften gerade zum 10 000-m-Gold gestürmt - ähnlich wie Dieter Baumann 14 Jahre zuvor bei Olympia in Barcelona über 5000m.

"600m vor Schluss war ich plötzlich Vierter, da habe ich gedacht: das ist ein doofer Platz. Ich habe noch einmal alles mobilisiert und einfach alle überholt. Ich habe schon von einer Medaille geträumt. Das war heute genauso ein Rennen, wie es mir passt", meinte der lange nach dem Lauf noch fassungslose Sensationssieger. "Ein Sieg von historischer Bedeutung", jubelte DLV-Präsident Clemens Prokop nach dem zweiten überraschenden EM-Triumph nach Kugelstoßer Ralf Bartels am Vortag.

Unwiderstehliches Finale

Den letzten Kilometer legte der gebürtige Nordhorner in einem wahren Rausch in 2:30 Minuten zurück und "fraß" die Konkurrenten förmlich von hinten auf. Eine Runde vor Schluss war er noch mit rund zehn Metern Rückstand Vierter. Dann lief er in der Schlusskurve zu den Gegnern auf und flog förmlich an ihnen vorbei. In neuer Bestzeit von 28:10,94 Minuten (bisher 28:19,57) triumphierte Fitschen vor den Spaniern Jose Manuel Martinez (Titelverteidiger) und Juan Carlos de la Ossa. Guter Siebter in Bestzeit von 28:22,56 wurde der Chemnitzer Andre Pollmächer.

Im Ziel fiel der elfmalige deutsche Meister (Freiluft und Halle) erst Heimtrainer Tono Kirschbaum in die Arme, dann Bundestrainer Detlef Uhlemann, der den Triumph des blonden Wattenscheiders kaum fassen konnte, in dessen Erfolgsbilanz nur ein Sieg bei einem nicht ganz so wichtigen internationalen Meisterschaftsrennen steht: Im Winter siegte Fitschen beim Hallen-Europacup.

Dritter Europameister aus Deutschland

In den Schlagzeilen stand der 1,76m große und 60 Kilo schwere Läufer vor allem deshalb, weil es um sein Startverbot bei der Hallen-WM 1999 großen Wirbel gab. Denn Fitschen hatte sich in einem Rennen qualifiziert, in dem er nicht hätte antreten dürfen, da Sieger Dieter Baumann zwar vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zum Rennen zugelassen worden war, aber der Weltverband Iaaf entzog ihm vor Ort das Startrecht.

Jan Fitschen ist erst der dritte deutsche Europameister nach Jürgen Haase (1966 und 1969) sowie Manfred Kuschmann (1974). Er brachte damit ein Kunststück fertig, das selbst Dieter Baumann nicht schaffte. Denn der gewann 1998 in Budapest und 2002 in München statt Gold nur Silber.

© SID

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