Leichtathletik EM
Maisch schreibt Geschichte, Riedels Traum platzt

Am sechsten Tag der Leichtathletik-EM in Göteborg hat Ulrike Maisch mit Gold beim Marathon für eine Sensation gesorgt. Silber über 110m Hürden holte Thomas Blaschek, der Traum von Lars Riedel beim Diskus platzte.

Ulrike Maisch hat bei der Leichtathletik-EM für eine Überraschung gesorgt und gleichzeitig beim zweiten deutschen EM-Sensationssieg in Göteborg Marathon-Geschichte geschrieben. Die 29 Jahre alte Rostockerin gewann am sechsten Tag in 2:30:01 Stunden nicht nur das dritte deutsche Gold, sondern in der Geschichte der Europameisterschaften den ersten deutschen Marathontitel überhaupt.

Silber über 110m Hürden gewann in 13,46 Sekunden der Leipziger Thomas Blaschek und Bronze im Kugelstoßen mit 19,17m Petra Lammert (Neubrandenburg). Das deutsche Team will seine acht Medaillen am Sonntag noch aufstocken. Siegchancen gibt es beim EM-Finale im Speerwerfen der Frauen und Männer-Stabhochsprung.

Esser mit dem Hammer Vierter

Weitere Träume platzten am Samstag: Mit dem Hammer landete der Leverkusener Markus Esser mit 79,19m wie bei der WM 2005 auf Rang vier. Achter mit 77,93m wurde Ex-Weltmeister Karsten Kobs (Lanstrop). Der fünfmalige Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz) kam mit dem Diskus mit 64,1m ebenfalls nur auf Rang acht noch hinter dem WM-Dritten Michael Möllenbeck (Wattenscheid), Fünfter mit 64,82m. Mit dem Stab wurde Martina Strutz (Schwerin) Fünfte und Silke Spiegelburg (Leverkusen) Sechste mit 4,50m. Auf Rang sechs kam Sabrina Mockenhaupt (Köln) in 15:11,38 ins 5 000-m-Ziel. Youngster Jens Werrmann (Zweibrücken) war hinter Blaschek glücklich über Finalrang sechs in 13,73.

"Ich kann nicht glauben, was ich hier geschafft habe. Als ich ins Stadion kam, musste ich fast heulen", meinte die 29-Jährige Ulrike Maisch, die ihre Bestzeit um 80 Sekunden steigerte. Das dritte deutsche Gold der Titelkämpfe kam so überraschend wie fünf Tage zuvor der Titelgewinn von Jan Fitschen (Wattenscheid) über 10.000m oder der nicht mehr erwartete Goldstoß von Ralf Bartels im letzten Durchgang des Kugelstoßens.

Maisch von Platz elf nach vorne

Maisch, die mit Ausnahme des Bonn-Marathons 2002 noch kein Rennen von Bedeutung gewann, hatte 2002 bei der EM Rang acht belegt. Die Sportsoldatin marschierte nach konträrem Rezept zum Erfolg. Mit einem Steigerungslauf holte sie von Platz elf kommend eine Konkurrentin nach der anderen ein und übernahm knapp zwei Kilometer vor dem Ziel die Spitze: "Ich habe nicht einmal auf die Zeit geschaut und bin nur nach meiner inneren Uhr gelaufen", meinte der Schützling von Klaus-Peter Weippert. Silber ging an die serbische Boston-Siebte Olivera Jevtic (2:30:27). Köln-Marathon-Siegerin Claudia Dreher (Gänsefurth) wurde in 2:33:53 Elfte, Susanne Hahn (Saarbrücken) kam in 2:36:17 auf Rang 14.

Thomas Blaschek krönte seine Karriere mit dem gleichen Rang, den er vor sechs Jahren bei der Junioren-WM über 110m Hürden belegt hatte. "Ich habe einige Fehler gemacht, sonst wäre die Zeit noch besser gewesen. Mit Silber bin ich überglücklich", meinte der 25 Jährige, der den Letten Stanislavs Olijars (13,24) nicht gefährden konnte, aber im Finish den Briten Andy Turner niederhielt.

Lammert auf Platz drei

Petra Lammert gewann die 20. deutsche Kugelstoß-Medaille in der EM-Geschichte seit 1938 und für Dieter Kollark war es bereits die 21. seiner Trainer-Laufbahn. "Sie wird den Osteuropäerinnen in den nächsten Jahren die Zähne zeigen", meinte er über die 22-Jährige. Während die Magdeburger Olympiazweite Nadine Kleinert nach ihrer Verletzung am Schultereckgelenk mit 18,47m nicht über Rang sechs hinaus kam, ging Petra Lammert im zweiten Versuch mit 19,06m in Führung, legte zum Schluss 19,17 nach. Zwischenzeitlich hatten sie Weißrusslands Favoritinnen überholt: Gold gewann die gerade noch ins Finale gerutschte Hallenweltmeisterin Natalia Choroneko mit 19,43m vor Weltmeisterin Nadeschda Ostaptschuk (19,42).

Die weiteren großen Sieger des vorletzten EM-Tages waren Stabhochspringerin und Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa mit dem achten russischen Gold (4,80m), Hammerwurf-Weltmeister Iwan Tichon (81,11) und Alessia Turowa (9:26,05 Minuten) bei Weißrusslands Siegen Nummer drei und vier, Litauens zweimaliger Diskus-Olympiasieger Virgilius Alekna (68,67), Dreisprung-Olympiasieger Christian Olsson (17,67m) beim von 25 000 Landsleuten bejubelten dritten Schweden-Gold und beim zweiten spanischen Göteborg-Sieg Marta Dominguez über 5000m in 14:56,18.

Zwei Goldhoffnungen

Die Olympia-Zweite Steffi Nerius (63,35) und Vize-Weltmeisterin Christina Obergföll (Offenburg/60,06) erreichten wie Annika Suthe (Leverkusen) das Speerwurf-Finale, sehen dort jedoch nach ihren 66,12m in der Qualifikation die Tschechin Barbora Spotkova als Favoritin. Zwei deutsche Goldhoffnungen sind damit in Tim Lobinger (Köln) und dem EM-Zweiten Lars Börgeling (Leverkusen) mit dem Stab dabei. Alle vier Staffeln stehen im Finale, zwei haben vage Medaillenchancen.

© SID

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