Leichtathletik EM
Nerius sorgt für goldenen EM-Abschluss

Am Schlusstag der Leichtathletik-EM in Göteborg holte Speerwerferin Steffi Nerius die vierte Goldmedaille für den DLV. Insgesamt kann das deutsche Team bei den Titelkämpfen auf zehn Mal Edelmetall zurückblicken.

Nach dem goldenen Finale durch die Rostocker Marathon-Sensation Ulrike Maisch und die erstmals zur Speerwurf-Königin gekrönte Leverkusenerin Steffi Nerius feierten Deutschlands Leichtathleten in Göteborg vier Titel und insgesamt zehn Medaillen (4/4/2) bei den Europameisterschaften. Nur Russland war mit zwölf Gold und insgesamt 34 Medaillen klar erfolgreicher als das deutsche Team, das am Final-Wochenende noch Silber durch Stabhochspringer Tim Lobinger (5,65m) und den Leipziger Thomas Blaschek in 13,46 Sekunden über 110m Hürden gewann. Zudem holte die Neubrandenburgerin Petra Lammert mit 19,17m im Kugelstoßen Bronze.

Nur Blech statt Gold gab es für zwei andere, die zuletzt Silber gefeiert hatten. Ein Jahr nach dem Europarekord von Helsinki (70,03) fehlten Christina Obergföll (Offenburg) mit 61,89m neun Zentimeter zu Bronze und als EM-Zweiter von München 2002 scheiterte der Leverkusener Lars Börgeling wie beim Europacup von Malaga an seiner Anfangshöhe (5,50). In den Staffeln verpassten die Männer über 4x100m (5.) und 4x400m (4.) Bronze ebenso wie die Frauen im Sprint (disqualifiziert) und die vier Stadionrunden (5.).

Nerius ist begeistert, Obergföll ist enttäuscht

Steffi Nerius, bei Olympia 2004 und der EM 2002 Zweite, bei der WM im Vorjahr Dritte, war überglücklich über das erste Gold mit 34. "Davon habe ich jahrelang geträumt. Irgendwann bekommt jeder, was er verdient", meinte die Leverkusenerin, die im vierten Versuch mit 65,82m die führende Tschechin Barbora Spotakova um 18 Zentimeter übertroffen hatte. Kurz zuvor verlor Obergföll den Bronzerang an die Spanien Mercedes Chilla (61,98). "Das ist schade. Dieser Meisterschaft war nicht meine. Steffi hat es sich verdient", meinte die traurige Offenburgerin. Auf Rang acht mit 58,25m landete Nerius-Klubkameradin Annika Suthe.

Tim Lobinger, der schon 1998 EM-Silber und 2002 Bronze gewonnen hatte, wusste nicht, ob er sich ärgern oder freuen sollte nach der neuerlichen Niederlage gegen Israels Titelverteidiger Alexander Averbukh (5,70). Dreimal war der 33 Jahre alte Hallen-Weltmeister bei 5,75m gescheitert. "Es war eine Regen-Lotterie und es hing an Kleinigkeiten", meinte der 6-m-Springer, der einmal mehr das greifbar nahe erste Freiluft-Gold verpasste.

Maisch: "Ein utopischer Sieg"

Mit dem dritten deutschen Coup nach dem 10 000-m-Triumph durch Lars Fitschen (Wattenscheid) und dem Kugelstoß-Erfolg von Ralf Bartels (Neubrandenburg) hatte die 29-jährige Ulrike Maisch am Samstag in 2:30:01 Stunden Marathon-Geschichte geschrieben. Mit 26 Sekunden Vorsprung vor der Serbin Olivera Jevtic holte die Sportstudentin das erste deutsche EM-Gold über 42,195km und fand: "Ein utopischer Sieg. Als ich ins Stadion kam, musste ich heulen."

Mit einem Steigerungslauf holte Maisch von Platz elf kommend eine Rivalin nach der anderen ein und übernahm knapp zwei Kilometer vor dem Ziel die Spitze: "Ich habe nicht einmal auf die Zeit geschaut und bin nur nach meiner inneren Uhr gelaufen", meinte der Schützling von Klaus-Peter Weippert.

Lammert meldet große Ambitionen an

Thomas Blaschek krönte seine Karriere mit dem gleichen Rang, den er vor sechs Jahren bei der Junioren-WM belegt hatte. "Ich habe einige Fehler gemacht, sonst wäre die Zeit noch besser gewesen. Mit Silber bin ich überglücklich", meinte der 25 Jährige, der den Letten Stanislavs Olijars (13,24) nicht gefährden konnte.

Petra Lammert gewann die 20. deutsche Kugelstoß-Medaille in der EM-Geschichte seit 1938 und für Dieter Kollark war es bereits die 21. seiner Trainer-Laufbahn. "Sie wird den Osteuropäerinnen in den nächsten Jahren die Zähne zeigen", meinte er über die 22-Jährige. Sechste wurde die Magdeburger Olympiazweite Nadine Kleinert nach ihrer Schulterverletzung mit 18,47m. Gold gewann Weißrusslands Hallenweltmeisterin Natalia Choroneko mit 19,43m.

Keine Medaillen für Riedel, Möllenbeck und Esser

Weitere deutsche Träume platzten: Mit dem Hammer landete der Leverkusener Markus Esser mit 79,19m wie bei der WM 2005 auf Rang vier. Der fünfmalige Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz) kam mit dem Diskus mit 64,11 m ebenfalls nur auf Rang acht noch hinter dem WM-Dritten Michael Möllenbeck (Wattenscheid), Fünfter mit 64,82m.

Mit dem Stab wurde Martina Strutz (Schwerin) Fünfte und Silke Spiegelburg (Leverkusen) Sechste mit 4,50m. Auf Rang sechs kam Sabrina Mockenhaupt (Köln) in 15:11,38 ins 5 000-m-Ziel. Youngster Jens Werrmann (Zweibrücken) war hinter Blaschek glücklich über Finalrang sechs in 13,73.

Große Sieger des Wochenendes waren Russlands Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa (4,80m) und Dreisprung-Olympiasieger Christian Olsson (17,67m) beim dritten Schweden-Gold.

© SID

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