Leichtathletik Europacup
Kein Happy End für deutsche Leichtathleten

Dem Speerwurf-Europarekord durch Christina Obergföll (70,20m) ist nicht das ersehnte Happy End für Deutschlands Leichtathleten gefolgt. Die Männer wurden am Ende Zweite, die Frauen belegten den dritten Rang.

Das Happy End für Deutschlands Leichtathleten nach dem Speerwurf-Europarekord durch Christina Obergföll (70,20m) beim Münchner Europacup ist ausgeblieben. Zum Abschluss vergaben die zwischenzeitlich mit zehn Punkten Vorsprung in Führung liegenden Männer noch die große Chance auf den siebten Cupgewinn seit 1994 gegen Titelverteidiger Frankreich. Dieser siegte bei Punktgleichheit (116) und je vier Einzelsiegen aufgrund der höheren Anzahl zweiter Plätze (7:6) in 20 Wettbewerben. Die Frauen wurden Dritte beim elften Triumph von Seriensieger Russland in Folge.

Die deutschen Männer kamen zwei Monate vor der WM in Osaka (25.8. bis 2.9.) zwar in 15 von 20 Wettbewerben unter die ersten Drei, fielen jedoch durch den letzten Rang von Carsten Schlangen (Berlin) über 3000m entscheidend zurück. Als Dritter folgte Polen (110). Russlands Frauen feierten trotz Disqualifikation ihrer 4x400-m-Staffel wegen Fehlstarts mit 127 Zählern souverän den 13. Sieg seit 1993 vor Frankreich (107) und Deutschland (94,5). Das DLV-Team vergab seine Chance auf Rang zwei durch den letzten Platz im Weitsprung durch Bianca Kappler (Rehlingen/6,53) und landete danach noch weitere Fehlschläge.

"So schön kann Leichtathletik sein, aber auch so spannend und dramatisch. Unsere Mannschaft hat den Wettkampf mit viel Begeisterung bestritten, aber es am Ende nicht ganz geschafft. Wir sind ein zufriedener und glücklicher Zweiter", meinte Cheftrainer Jürgen Mallow vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Zum Abschneiden der Frauen meinte er: "Sie haben mit Platz drei nicht enttäuscht."

Hindernisläufer Filmon Ghirmai überrascht

Für den überraschendsten deutschen Einzelsieg sorgte am Schlusstag Filmon Ghirmai. Der Tübinger gewann die 3000m Hindernis nach taktisch guter Leistung in 8:38,78 Minuten. Augenblicke später siegte Tim Lobinger bei seinem achten Cup-Einsatz seit 1993 mit 5,70m wie 2002 im Stabhochsprung. Am Vortag hatten Hochspringer Eike Onnen (Hannover) mit 2,30m und überraschend Kugelstoßer Peter Sack (Leipzig) mit 20,28m gewonnen. Neben Obergföll hatte bei den Frauen Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch (Neubrandenburg) mit 63,60m gesiegt.

Christina Oberföll erzielte gleich im zweiten Versuch eine Weite, die bislang nur Kubas Weltrekordlerin Osleidys Menendez (71,70) übertroffen hat, die 2005 bei der WM in Helsinki vor der Offenburgerin (Europarekord 70,03m) triumphiert hatte. "Es war ähnlich wie in Helsinki. Ich habe gemerkt, dass was geht, habe im zweiten Versuch richtig Gas gegeben - und schon ist es passiert. Nun glaube ich auch, dass ich sauber Weltrekord werfen kann", meinte Christina Obergföll.

Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch nimmt Revanche

Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch feierte als Kapitän der DLV-Frauen mit 33 Zentimetern Vorsprung gegenüber Russlands Europameisterin Darja Pischtschaltnikowa eine gelungene EM-Revanche und meinte nach ihrem dritten Cup-Sieg in Serie und dem vierten seit 2001: "Es war ein bisschen Krampf, mir fehlte nach vielen Wettkämpfen die Frische. Nun will ich in Osaka eine M-Medaille."

Filmon Ghirmai (28), in Eritrea geboren und für LAV Pliezhausen dreimal deutscher Meister, konnte sein Glück kaum fassen: "Es sollte ein Übergangsjahr werden. Jetzt wurden daraus persönliche Bestzeit, WM-Norm und Europacup-Sieg - Wahnsinn."

Tim Lobinger, der 1994-96 dreimal in Folge zum siegreichen deutschen Männerteam gehört hatte, meinte nach seinem zweiten Cup-Einzelsieg und gesichertem Osaka-Ticket: "Das war ein perfekter Tag für mich. Die Stimmung im Stadion war großartig."

Hochspringer Onnen sichert sich WM-Ticket

Eike Onnen, der das WM-Ticket durch Sieg mit Norm sicherte, bekannte: "Ich habe vor dem Wettkampf gezittert wie nie. Aber dann war ich ganz relaxt. Meine Steigerung in diesem Jahr schlägt sich auch im Marketing erfolgreich nieder. Und 2008 will ich dann neue Höhen angehen."

Peter Sack, der Europameister Ralf Bartels (Neubrandenburg) zuletzt zweimal geschlagen und sich auf 21,00m gesteigert hatte, setzte sich gegen den britischen Weltklassemann Carl Myerscough (19, 96) durch. "Das war von der Leistung her kein Quantensprung, aber wichtig. Ich hoffe, dass ich jetzt nicht den Faden verliere."

Jahres-Weltbestleistungen erzielten neben Obergföll die russische 400m-Hürden-Weltrekordlerin Julia Petschonkina in 54,04 Sekunden sowie die britische Männerstaffel über 4x100m (38,30).

© SID

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