Leichtathletik Hallen-WM
Deutsche Leichtathleten wollen Wende in Moskau

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) will den freien Fall bei der WM unterm Moskauer-Hallendach stoppen. Bei der 11. Auflage der Hallen WM sind laut Bundestrainer Jürgen Mallow ,"Null bis vier Medaillen" möglich.

Bei der anstehenden Hallen-Weltmeisterschaft wollen die deutschen Leichtathleten wieder zurück in die Erfolgsspur finden und den freien Fall unterm Hallendach stoppen. Diese Zielsetzung gibt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) seinem 16-köpfigen Team für die von Freitag bis Sonntag in Moskau stattfindenden 11. Hallen-WM mit auf den Weg. "Die Medaillenerwartung liegt bei null bis vier. Wahrscheinlicher sind drei. Aber auch null sind möglich", sagt der Leitende Bundestrainer Jürgen Mallow vor den Titelkämpfen im 15 000 Zuschauer fassenden Olympia-Sportpalast.

"Wir haben zwar nur ein kleines, aber dafür - und das ist das Entscheidende - ein gutes Team", erklärt Mallow. "Ich bin überzeugt, dass es in der Nationenwertung besser abschneidet als in Budapest." In der ungarischen Hauptstadt hatte die DLV-Mannschaft vor zwei Jahren mit lediglich zwei dritten und zwei fünften Plätzen einen Tiefpunkt bei Hallen-Titelkämpfen erreicht und war in der Nationenwertung gerade mal 13. geworden.

Die deutschen Medaillen-Hoffnungen ruhen in Moskau auf drei Kugelstoßern und zwei Stabhochspringern. Die besten Ausgangspositionen haben der WM-Dritte Ralf Bartels (Neubrandenburg) und Sechs-Meter-Springer Tim Lobinger (Köln), die als Zweite der Jahres-Weltbestenliste anreisen. "So wie ich derzeit dastehe, kann ich mir sicher Hoffnungen auf eine Medaille machen", sagt Bartels, dessen 21,43 m in diesem Jahr nur von Hallen-Vizeweltmeister Reese Hoffa aus den USA übertroffen wurden. Bei den Frauen zählen die Hallen-EM-Vierte Petra Lammert (Neubrandenburg) und die Olympiazweite Nadine Kleinert (Magdeburg) zu den Mitfavoritinnen auf Edelmetall. Sie gehen von den Weltranglistenplätzen vier und sechs aus in die Konkurrenz.

Tim Lobinger präsentiert sich selbstbewusst

"Ich fahre nach Moskau, um eine Medaille zu holen. Dieses Ziel setzt Adrenalin frei, und Adrenalin ist das Benzin, das meinen Motor auf Touren bringt", sagte Tim Lobinger selbstbewusst. Der 33 Jahre alte Hallen-Weltmeister von 2003 bestach bisher mit einer vorher noch nie dagewesenen Konstanz, weiß aber auch: "Die Qualifikation in Moskau wird hart und deshalb ist es schwer, im anschließenden Finale hoch zu springen. Meine vielen Starts könnten mir da zugute kommen." In zwölf Hallenwettkämpfen 2006 überquerte das "Enfant terrible" der deutschen Leichtathletik zehnmal mindestens 5,70 m, am höchsten flog er Anfang Februar in Göteborg mit 5,82. US-Oldie Jeff Hartwig (38) kam mit 5,85 als einziger höher hinaus.

Vielsagend meint Bundestrainer Mallow mit Blick auf die Chancen von Lobinger und Youngster Fabian Schulze (Kornwestheim): "Ich erinnere mich gern daran, dass wir bei der Hallen-WM 2003 durch Lobinger und Michael Stolle einen Doppelsieg gefeiert haben." Die Hallen-WM ist mittlerweile für die Athleten ein lohnendes Geschäft. Prämien in Höhe von insgesamt 2,3 Mill. Dollar warten auf die Medaillengewinner der 26 Entscheidungen. Für Platz eins gibt es jeweils 40 000 Dollar, Platz sechs wird noch mit 4 000 Dollar belohnt.

Kriselnde Issinbajewa unter Druck

Zusätzlich gibt es einen Weltrekordbonus von 50 000 Dollar. Auf dieses Geld schielen vor allem die russischen Athleten, die schon für vier der bisher sechs in dieser Saison erzielten Weltrekorde zuständig waren. Stabhochsprung-Star Jelena Issinbajewa, die WM-Vierte Jelena Sobolewa über 1 500 m, 5 000-m-Europacupsiegerin Lilija Schobuchowa über 3 000 m und das 4x400-m-Quartett der Frauen stellten neben der schwedischen Hochspringerin Kajsa Bergqvist und der US-Staffel der Männer über 4x400 m Bestmarken auf. Einzig Bergqvist unternimmt in Moskau verletzungsbedingt keinen neuen Anlauf.

Ein besonderer Druck lastet auf der zuletzt schwächelnden Issinbajewa, die im vergangenen Sommer als erste Frau fünf m überquerte, jüngst in Birmingham und Lievin jeweils jedoch an 4,92 m scheiterte. "Diese Hallen-WM vor einem großen russischen Publikum ist besonders wichtig für mich, viel wichtiger als jede andere Hallen-WM, bei der ich vorher war. Ich werde versuchen, besonders gut zu springen", sagt die 23 Jahre alte "Königin der Lüfte", die noch keinen ihrer bisherigen 19 Weltrekorde auf russischem Boden sprang.

© SID

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