Leichtathletik Hallen-WM
Mehrkämpfer Niklaus holt Hallen-Gold

Bei der Hallen-WM der Leichtathleten in Moskau hat Andre Niklaus zum ganz großen Wurf ausgeholt. Der Berliner fing im abschließenden 1000m-Rennen des Siebenkampfes noch US-Weltmeister Bryan Clay ab und holte Gold.

Mehrkämpfer Andre Niklaus schickt sich an, zum kommenden Superstar der deutschen Leichtathletik aufzusteigen. Der WM-Vierte sicherte sich bei den 11. Hallen-Weltmeisterschaften in Moskau den Titel im Siebenkampf und bescherte dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) damit die erste Goldmedaille bei einer Hallen-WM seit dem Sieg von Stabhochspringer Tim Lobinger 2003 in Birmingham.

Der 24-jährige Berliner setzte sich in der russischen Hauptstadt mit 6 192 Punkten gegen Weltmeister Bryan Clay (USA/6 187) und Freiluft-Weltrekordler Roman Sebrle (Tschechien/6 161) durch. Niklaus fing durch seine 2:57,80 Minuten im abschließenden 1000m-Rennen Clay noch ab.

Silber für Kleinert, Bronze für Lobinger

Die zweite Medaille für den DLV holte Kugelstoßerin Nadine Kleinert. Mit der persönlichen Hallen-Bestleistung von 19,64m gewann die Olympia-Zweite aus Magdeburg Silber. Kleinert musste sich nur der Olympia-Fünften Natalja Choronenko (Weißrussland/19,84) beugen. Bronze verpasste Petra Lammert (Neubrandenburg), Vierte wie bei der Hallen-EM 2005, mit guten 19,21m nur um drei Zentimeter gegenüber der WM-Zweiten Olga Ryabinkina (Russland), ließ aber Kubas Olympiasiegerin Yumileidis Cumba (18,28) und Weißrusslands Weltmeisterin Nadeschda Ostaptschuk (17,93) hinter sich.

Die Chance, wie 2003 Hallen-Weltmeister zu werden, vergab Tim Lobinger, der nach zwei Fehlversuchen über 5,70m zuletzt an 5,75m scheiterte. Einen Rang hinter ihm landete Fabian Schulze (Kornwestheim/5,50). Gold gewann Vize-Weltmeister Brad Walker (USA) mit 5,80m nach dem Scheitern des favorisierten Landsmanns Jeff Hartwig an der Anfangshöhe vor dem in Gambia geborenen Schweden Alhaji Jeng (5,70), der bisher nur als Achter der Hallen-EM 2005 nennenswert in Erscheinung getreten war.

"Vielleicht hat Deutschland eher einen Weltmeister, als manche denken", hatte Niklaus vor dem abschließenden 1000m-Lauf orakelt, den er in 2:57,90 Minuten als Sieger beendete. Schon da war Niklaus, der mit 40 000 Dollar die höchste Prämie der Karriere einstrich, schon klar, dass er Clay nach dessen schwachem Stabhochsprung (4,60 gegenüber 5,30 von Niklaus) noch schlagen könnte. Am Ende fehlten dem Amerikaner (6 187) fünf Punkte zu Gold.

Bundestrainer zufrieden mit Team-Resultat

Am ersten Tag hatte der Schützling des früheren Zehnkampf-Europacupsiegers Rainer Pottel, der Hochspringer Martin Buss 2001 in Edmonton zu WM-Gold geführt hatte, bereits vier persönliche Bestleistungen erzielt. Der 24-Jährige startete mit 7,06 Sekunden über 60m und 7,64m im Weitsprung, ließ dann 14,41m mit der Kugel und 2,07m im Hochsprung folgen. In den Schlusstag startete Niklaus mit 8,14 Sekunden über 60m Hürden. Am Ende verfehlte der Berliner den deutschen Rekord von Frank Busemann (6 291) um 99 Zähler, seine eigene Bestmarke (6 067) steigerte er klar.

Das Fernziel von Niklaus lautet Peking, wo er endgültig in die Fußstapfen des Atlanta-Olympia-Zweiten Busemann treten will: "Die Hallen-WM war ein Schritt zu den Olympischen Spielen 2008. Auf dem Weg dorthin muss man Etappen bestreiten." Lob kassierte Niklaus für seinen Auftritt von Clay: "Er ist ein großartiger Athlet. Er, Roman und ich werden zusammen noch viele große Mehrkämpfe bestreiten."

Siebter Titel für Mutola

Der Leitende Bundestrainer Jürgen Mallow zeigte sich nach dem "schwarzen Freitag" mit dem Scheitern von Kugelstoß-Hoffnung Ralf Bartels (Neubrandenburg) sehr zufrieden mit dem Team-Resultat, das der bisher schwächsten Bilanz von 2004 (nur zweimal Bronze) folgte: "Wenn man die beiden 400m-Läufer mitzählt, die im Zwischenlauf mit den achtbesten Zeiten von allen ausgeschieden sind, haben wir elf von 16 gestarteten Athleten unter die besten Acht gebracht." Fünf scheiterten in Runde eins.

Ihren siebten WM-Titel in der Halle und den zehnten inklusive Freiluft-WM seit 1993 gewann Maria Mutola (Mosambik) über 800m. Insgesamt gab es vor 29 000 Zuschauern in der oft halbleeren Olympiahalle in sieben Disziplinen Jahres-Weltbestleistungen, vier durch Amerikaner, drei durch die Gastgeber, die im Medaillenspiegel (8-5-5) vor USA (7-4-2) dominierten. Sechster wurde Deutschland.

© SID

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