Leichtathletik International
Der Vater des Flops wird 60

Mit seinem revolutionären Flop wurde Richard Douglas Fosbury 1968 in Mexico City sensationell Olympiasieger im Hochsprung. Heute wird der 1,93 Meter lange amerikanische Sport-Held 60 Jahre alt.

Hätte sich Bernie Wagner durchgesetzt, so wäre es vielleicht nie zur größten technischen Revolution der Leichtathletik-Geschichte gekommen. Der Trainer wähnte nämlich den experimentierfreudigen Hochspringer Richard Fosbury vollends auf dem Holzweg, als dieser sich anschickte, die Latte rücklings und mit dem Kopf voran zu überqueren: "So wird nichts aus dir. Besser wäre es, wenn du zum Zirkus gehen würdest", riet Wagner seinem Athleten.

Doch die Manege war nicht jene der Artisten, es war die große Bühne Olympias, auf der Richard Douglas Fosbury, genannt "Dick", 1968 in Mexiko City gefeiert wurde. Als Einziger meisterte er damals im Finale 2,24m - im spektakulären neuen Stil, der noch eine Stunde zuvor mitleidig belächelt worden war. Der 1,93m lange Fosbury war beim Olympiasieg 21 Jahre alt, am heutigen Dienstag wird er 60.

Ingenieurstudium statt Hochsprung-Karriere

Für den amerikanischen Revolutionär markierte das Gold von Mexiko City bereits das Ende der Laufbahn, denn im folgenden Jahr überließ er den anderen das Feld, um sich an der Oregon State University in Portland dem Ingenieurstudium zu widmen.

Für seine Konkurrenz begann das große Umlernen, dem sich einige wenige erfolgreiche Straddle-Springer entzogen. So der Jenaer Rolf Beilschmidt (heute 53), der im alten Stil 1 977 Europa- und Weltcupsieger, 1978 erneut EM-Zweiter in der Halle und Dritter der Freiluft-EM wurde.

Auch Dietmar Mögenburg (45), Olympiasieger 1984 in Los Angeles, hatte erst den Straddle gelernt, stellte sich mit zehn Jahren aber um auf den Flop. "Da sprang ich dann schnell deutlich höher. Aber ich wäre auch ohne den neuen Stil ein erfolgreicher Leichtathlet geworden", glaubt der heute in Oslo lebende Ex-Leverkusener. Mögenburg hatte als Kind stets den Amerikaner Dwight Stones, der 1973 in München als Erster 2,30m übersprang, für den Erfinder des Flops gehalten.

Thränhardt: "Fosbury hat mein Leben verändert"

Carlo Thränhardt, einziger deutscher 2,40-m-Springer (Hallen-Weltrekord 2,42m), sagt klar: "Fosbury hat mein Leben verändert. Ohne ihn wäre ich nie zum Hochsprung gekommen." Der 49-Jährige: "Damals, als ich noch in Eschweiler bei Aachen auf Sand geübte habe, hat mich die Ästhetik des Rückwärtsspringens fasziniert."

Fosbury, der im neuen Stil schnell zehn Zentimeter mehr schaffte als im Straddle, war 1967 mit 2,10m noch ein unbedeutender Hochspringer. Im Winter 1968 wurde er überraschend US-Studentenmeister, gewann mit 2,18m plötzlich die erste Mexiko-Ausscheidung der Amerikaner und reiste mit einer Bestleistung von 2,21m zu den Spielen. Dort schaffte er als Einziger alle Höhen bis 2,22m ohne Fehlversuch und verwandelte das Gelächter über den neuen Stil damit in bewunderndes Staunen.

US-Star "wollte nicht aus dem Koffer leben"

"Ich wollte nicht länger aus dem Koffer leben", erklärte er 1969 den Abschied und verzichtete kurzerhand auf Werbeverträge und Profikarriere. In Ketchum/Idaho arbeitet er als Geschäftsführer in einem Vermessungsbüro für Straßenbau.

Als sich Fosbury 1995 von Ehefrau Karen trennte, blieb Sohn Eric (heute 25) beim Vater. Dick Fosbury engagierte sich lange für die "Special Olympics" der geistig Behinderten und lebt heute weitgehend anonym. Einst sagte er in einem stern-Interview: "Wenn ich im Supermarkt einkaufe, dreht sich keiner nach mir um."

© SID

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