Leichtathletik International
Leichtathletik-Welt trauert um Dragan Tancic

Die Leichtathletik-Welt trauert um Dragan Tancic. Der Hochsprung-Trainer verstarb im Alter von 71 Jahren überraschend in seiner spanischen Wahlheimat Estepona.

Das Trainer-Genie Dragan Tancic ist tot. Der Mann hinter den Weltrekordsprüngen von Olympiasieger Dietmar Mögenburg (1980 über 2,36m) und Carlo Thränhardt (1988 in der Halle 2,42) ist in seiner spanischen Wahlheimat Estepona im Alter von 71 Jahren überraschend gestorben. Der gebürtige Serbe aus Belgrad erlag bereits am 10. März einem Hautkrebsleiden, das sich erst Wochen vor seinem Tod angekündigt hatte und brutal schnell fortschritt. Er starb nach der Übertragung der Hallen-WM von Valencia in den Armen seiner Frau Marina.

Thränhardt zutiefst schockiert

"Das war ein Schocker. Dragan war doch immer so vital, alle glaubten, er wird 100", reagierte Carlo Thränhardt (50) auf die Nachricht vom Tod seines Ex-Trainers, dem er bescheinigt: "Dragan Tancic hat mich davon überzeugt, dass ich zu Höhen fähig war, die ich nie für möglich gehalten hätte." Mögenburg (46), der die traurige Kunde in seiner Wahlheimat Norwegen durch Thränhardt erhielt, meinte: "Irgendwie war Dragan genial. Meinen Olympiasieg 1984 in Los Angeles habe ich vor allem ihm zu verdanken."

Tancic, der als technischer Experte und Motivationskünstler galt und für seine Athleten manchmal auch Vater-Ersatz war, studierte in Belgrad Sport und Medizin, promovierte in Moskau über den Einfluss der Anlaufgeschwindigkeit auf den Hochsprung. Er feierte nicht nur als Hochsprung-Bundestrainer (1976-1 987) Aufsehen erregende Erfolge, sondern war auch an den Karrieren von Tennis- und Golfstars beteiligt.

Auch Steffi Graf trainiert

Vor seinem 70. Geburtstag, den er am 27. Februar 2007 gefeiert hatte, sagte Tancic: "Ich war Fitness- und Mentaltrainer von Sergio Garcia, einem der weltbesten Golfer, und von 1992 bis zu meiner Pensionierung 2000 Cheftrainer des spanischen Golfverbandes." Im Fitnessbereich arbeitete er mit Steffi Graf, Conchita Martinez, einer weiteren Wimbledonsiegerin, Arantxa Sanchez, deren Doppelpartnerin beim Barcelona-Olympiasieg 1992, und auch dem einstigen Weltranglisten-Ersten Juan Carlos Ferrero (alle Spanien).

Weltmensch Dragan, der fünf Sprachen fließend sprach, war aus Sicht von Zeitgenossen nicht nur in seiner Arbeit, sondern auch in der Vermarktung der eigenen Person der erste Profi im Lande. Zum Thema Doping meinte er einmal: "Ich war damals vielleicht der einzige wirklich saubere Trainer der Welt."

Tancic war als Basket-, Hand- und Volleyballer sowie Zehnkämpfer (knapp 7 000 Punkte) nur Mittelmaß, aber als Trainer ein Hochkaräter. "Er hat auch kleinste Fehler im Bewegungsablauf sofort bemerkt und konnte sie wie kein anderer korrigieren. Er wusste sogar in fast 100 Prozent aller Fälle, welches Gefühl ich bei einem Trainingssprung hatte", sagt Mögenburg, der neben Olympiagold 1984 zehn weitere internationale Medaillen gewann. Thränhardt brachte es auf sechsmal Edelmetall, auf Gold nur bei der Hallen-EM 1983.

Den ersten großen Coup landete der charismatische Trainer ("Seit ich als Jugo nach Deutschland kam, musste ich immer kämpfen, immer besser sein als andere") am 9. Juni 1979, als Mögenburg, Thränhardt und Gerd Nagel (Frankfurt) in Eberstadt bei Heilbronn als Springer Nummer sieben bis neun in der Welt 2,30m überflogen.

© SID

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