Leichtathletik International
Powell hat Weltrekord "nur verliehen"

Asafa Powell aus Jamaika will sich so schnell wie möglich den Weltrekord über 100m zurückholen. Der US-Amerikaner Justin Gatlin kündigte an, seine am Freitag aufgestellte Bestmarke von 9,76 Sekunden noch zu toppen.

Der entthronte Weltrekordhalter über 100m, Asafa Powell, will schon bald eine neue Bestmarke aufstellen. "Der Weltrekord ist nur verliehen", ließ Powell über seinen Manager Paul Doyle ausrichten. Doch 100-m-Olympiasieger Justin Gatlin, der am Freitag beim Super-Grand-Prix der Leichtathleten in Doha/Katar in 9,76 Sekunden zum schnellsten Mann der Welt avancierte, sieht vor allem seine eigenen Reserven: "Im zweiten Saisonrennen habe ich mein Optimum noch nicht erreicht. Ich kann auch 9,73 oder 9,72 laufen", meinte der 24 Jahre alte US-Amerikaner vier Wochen vor dem mit Spannung erwarteten Duell am 11. Juni im britischen Gateshead.

Gatlin, der nach seinen 9,85 Sekunden eine Woche zuvor in Osaka erklärt hatte, sein Ziel sei es, die 9,77 Sekunden von Jamaikas neuem Star Asafa Powell zu unterbieten, schaffte auf Anhieb den "Weltrekord mit Ansage". Nach gutem Start kam Gatlin optimal in die Beschleunigungsphase. Im Ziel war er 0,01 Sekunden schneller als der im November ebenfalls 24 Jahre alt werdende Powell am 14. Juni 2005 in Athen.

Den optimalem Rückenwind von 1,7m pro Sekunde (erlaubt sind 2,0) nutzte nicht nur der 1,85m große Amerikaner zu einer neuen Bestmarke. Als Zweiter steigerte der Nigerianer Olusoji Fasuba den Afrika-Rekord des Atlanta-Olympiazweiten Frankie Fredericks (Namibia) von 9,86 auf 9,84 Sekunden. Der 21-Jährige hatte seine persönliche Bestzeit von 10,09 im Vorlauf hinter Gatlin (9,85) auf 9,92 gesteigert. 200-m-Olympiasieger Shawn Crawford (USA) lief als Dritter in 10,08 hinterher.

Der im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborene Justin Gatlin schaffte in Doha als vierter Sprinter der Geschichte das "Triple" aus Olympiasieg (2004), Weltmeister-Titel (2005) und Weltrekord. Zuvor hatten dies seine Landsleute Carl Lewis, Maurice Greene und der Kanadier Donovan Bailey realisiert. Gatlin ist zudem Doppel-Weltmeister (auch 200m) und hätte bei der WM 2005 in Helsinki in Abwesenheit des an der Leiste verletzten Powell das fast das Triple geschafft. Doch über 4x100 m ging beim Wechsel von Mardy Scales auf Leonard Scott der Stab verloren.

Gleich nach seinen Gala-Auftritten in Finnland hatte der Star schon Heldentaten angekündigt. "Im Sprint muss man sich seine Erfolge so schnell wie möglich holen. Ich werde schon alt. Da kommen 17-, 18-Jährige nach, die verdammt schnell sind. Ich muss mir jetzt einen Namen machen. Und 2006 gibt es keine große Meisterschaft, also ist es mein großes Ziel in diesem Jahr, meinen Namen vor den Weltrekord zu setzen."

Gatlin und Powell sind bereits am 28. Mai in Eugene/Oregon am Start - doch der Mann aus Jamaika startet doch nur über 200m. Eine Woche später gehen sich beide erneut aus dem Weg: Powell startet am Freitag beim Golden-League-Auftakt in Oslo, Gatlin tags drauf über 100m in New York.

In Doha purzelten ansonsten in sechs Disziplinen Jahres-Weltbestmarken. Bei den Männer durch Mohammad Al-Azemi (Kuwait) in 1:44,79 Minuten über 800m, Alex Kipchirchir (Kenia) in 3:34,29 über 1 500, dessen Landsmann Songok Isaac Kiprono in 7:28,97 über 3 000 m und Norwegens Olympiasieger Andreas Thorkildsen mit 90,13m im Speerwurf. Bei den Frauen schaftten dies die Polin Anna Rogowska mit 4,63m im Stabhochsprung und Oksana Udmurtowa mit regulären 7,02m beim Weitsprung-Erfolg über Olympiasiegerin Tatjana Lebedewa (beide Russland/6,97).

Die deutschen Athleten hatten wenig zu bestellen: Der Wattenscheider Sebastian Ernst wurde in 20,82 Fünfter über 200m, Daniel Schnelting (Rhede) in 21,01 Achter. Ebenfalls auf Rang fünf landete Stefan Wenk (Sindelfingen) mit 79,99m im Speerwurf. Stabhochspringerin Nastja Ryshich (Ludwigshafen) blieb bei der Anfangshöhe ohne gültigen Versuch.

© SID

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