Leichtathletik International
Semenya laut Medienbericht als Zwitter bestätigt

Der Sex-Test bei 800-m-Weltmeisterin Caster Semenya soll Spekulationen über ihr Dasein als Zwitter bestätigt haben. Das berichtet die australische Zeitung Daily Telegraph am Freitag unter Berufung auf einen nicht genannten Informanten aus dem Kreis der an der Untersuchung beteiligten Personen.

Der Sex-Test bei 800-m-Weltmeisterin Caster Semenya soll Spekulationen über ihr Dasein als Zwitter bestätigt haben. Das berichtet die australische Zeitung Daily Telegraph am Freitag unter Berufung auf einen nicht genannten Informanten aus dem Kreis der an der Untersuchung beteiligten Personen. "Sie hat keine Gebärmutter und keine Eierstöcke", zitiert das Blatt seine Quelle: "Es gibt sicher Beweise, dass sie ein Hermaphrodit (Zwitter, Anm. der Red.) ist."

Der Leichtathletik-Weltverband Iaaf reagierte umgehend. Der Bericht basiere nicht auf offiziellen Iaaf-Angaben. Die Ergebnisse der Tests müssten erst von einer Expertengruppe ausgewertet werden, teilte Sprecher Nick Davies mit. Erst danach werde man das Gespräch mit Semenya suchen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Zwei Fragen sind unbeantwortet

Zwei große Fragen stehen im Raum: Verliert die Läuferin ihre Goldmedaille und darf sie auch in Zukunft bei den Frauen starten? Davies hatte am Vortag unterstrichen, dass auch eine Bestimmung von Semenya als Zwitter nicht zwangsläufig zu einer Aberkennung ihres WM-Titels führen müsste. Das Thema soll im Iaaf-Council am 20./21. November in Monaco besprochen werden. "Vorher erwarten wir keine endgültige Entscheidung", hieß es in einer Pressemitteilung.

Südafrikas Sportminister Makhenkesi Stofile reagierte drastisch auf die mögliche Sperre und die Aberkennung des WM-Goldes: "Ich denke, das wäre der 3. Weltkrieg. Wir werden zum höchsten Gericht gehen", kündigte Stofile auf einer Pressekonferenz in Pretoria an.

"Wir haben entschieden, dass sie nicht starten wird"

Der Minister machte auch klar, bis zur Iaaf-Entscheidung im November könne man nicht warten. Auch weil Starts anstehen, so bereits an diesem Wochenende. Doch Semenya-Trainer Michael Seme bestätigte vor den nationalen Crosslauf-Meisterschaften am Samstag in Pretoria: "Wir haben entschieden, dass sie nicht starten wird."

Semenyas Sex-Test erfolgte aufgrund ihrer männlich wirkenden Erscheinung. Die Diskussion hatte im vergangenen Monat den WM-Erfolg der 18-Jährigen in Berlin überschattet und in ihrer Heimat scharfe Proteste ausgelöst.

Doppeltes Spiel

Dabei spielen die südafrikanischen Verbandsfunktionäre ein doppeltes Spiel. Sie ließen Semenya schon vor der WM ohne deren Wissen untersuchen. Dies bestätigte ihr Ex-Trainer Wilfred Daniels vor wenigen Tagen, nachdem er zuvor seinen Rücktritt eingereicht hatte. Das inoffizielle Ergebnis des Tests verbreitete die Schweizer Zeitung Blick bereits während der WM: Semenya soll ein Hermaphrodit sein.

Inzwischen teilte Iaaf-Generalsekretär Pierre Weiss mit, dass seit 2005 acht vergleichbare Fälle vorgekommen seien, viermal mit drastischen Konsequenzen. "Die betroffenen Aktiven wurden gebeten, ihre Karriere zu beenden", erklärte Weiss ohne Angaben weiterer Details.

© SID

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