Leichtathletik International
Sprint-Revolutionär Borsow feiert 60. Geburtstag

Waleri Borsow rannte bei den Olympischen Spielen 1972 in München allen davon und durchbrach die Vorherrschaft der US-Amerikaner. Heute feiert Borsow seinen 60. Geburtstag.

Die Leichtathletik-Welt verneigt sich vor Waleri Borsow, der 1972 bei Olympia in München wie ein Wirbelsturm in die Hierarchie der dunkelhäutigen Sprinter einbrach, und heute seinen 60. Geburtstag feiert. Auf die heutige Situation übertragen war es fast so, als würde plötzlich ein Weißer Jamaikas Phänomen Usain Bolt enteilen, so sehr schockte der 23 Jahre alte Ukrainer mit seinen 100- und 200-m-Olympiasiegen die schon damals von den schnellen Männern aus den USA und der Karibik beherrschte Sprinter-Welt.

Als der schmächtige Waleri Filippowitsch Borsow zwölf Jahre alt war und die sechste Klasse seiner Schule in Sambir bei Lwiw besuchte, hatte Boris Woitas das Talent des schnellkräftigen Jungen entdeckt. Unter dem Pseudonym Matwejew startete Borsow, der wegen seines stark wissenschaftlich geprägten Trainings "Retortensprinter" genannt wurde, dann Mitte der 60er Jahre eine unglaubliche Karriere.

Erfolgrezept: Progressive Muskelentspannung

Waleri Borsow erreichte unter Trainer Walentin Petrowski Perfektion auf dem Gebiet der progressiven Muskelentspannung, die der amerikanische Arzt und Physiologe Edmund Jakobsen (1 885-1976) entdeckt hatte. Biologieprofessor Petrowski übertrug Jacobsens Lehren erstmals gezielt auf das Training eines Leistungssportlers, bezog Übungen zur Muskelbildung und Ausdauerleistung sowie Ernährung in dieses streng wissenschaftlich geprägte Training ein. Borsow konnte am Ende jeden einzelnen Muskel im Bein ganz bewusst an- und entspannen.

Bei den Europameisterschaften 1969 in Athen gewann der damals 20-Jährige sein erstes Gold (100m) und Staffel-Silber über 4x100m. Zwei Jahre später siegte er bei der EM in Helsinki über 100 und 200m, 1974 in Rom ein drittes Mal über 100m, bevor die Karriere 1978 nach Verletzungen mit Rang acht im 100m-Finale von Prag zu Ende ging. Siebenmal wurde er über 60 m Hallen-Europameister (1970-77). 1979 misslang nach Operationen an beiden Achillessehnen ein Comeback.

Von der Laufbahn aufs politische Parkett

München war 1972 der absolute Höhepunkt für den damals 23-Jährigen, der neben dem Gold-Double noch Silber mit der 4x100m-Staffel gewann. In 10,14 Sekunden triumphierte Borsow vor Bob Taylor (USA/10,24) und in Europarekordzeit von 20,00 über 200m vor Larry Black (20,19).

Der sportliche Ruhm war Sprungbrett zur Funktionärs-Karriere. 1991 wurde Borsow als Vorsitzender des staatlichen Sportkomitees der Udssr Minister für Jugend und Sport, dann auch in der unabhängig gewordenen Ukraine (1993-96). Dort führte er 1997 für ein Jahr das Nationale Olympische Komitee und war seit 2000 Vorsitzender des Komitees für Jugendpolitik, Sport und Tourismus im Obersten Rat der Ukraine.

Borsow, der 2003 als Sozialdemokrat ins Parlament seines Landes einzog, ist heute Präsident im ukrainischen Leichtathletik-Verband. Schlagzeilen machte auch seine Hochzeit mit der dreimaligen Turn-Olympiasiegerin Ludmilla Turistschewa (1968/72), mit der Borsow eine Tochter hat.

© SID

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