Leichtathletik
„Manche Reaktionen sind nicht nachvollziehbar“

16 Medaillen sollen es mindestens werden – so viele wie in Helsinki vor zwei Jahren. Am Dienstag beginnt die Leichtathletik-EM in Zürich. DLV-Präsident Clemens Prokop glaubt, dass das deutsche Team stärker geworden ist.
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ZürichVor Beginn der Europameisterschaften von Dienstag bis Sonntag in Zürich herrscht große Zuversicht beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). „Ich denke und hoffe aber, dass wir mindestens so gut wie in Helsinki abschneiden“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Vor zwei Jahren gewannen die DLV-Asse 16 Medaillen und waren die Nummer eins in Europa. Nicht mit dabei ist der behinderte Weitspringer Markus Rehm. Prokop verteidigte dessen Nichtnominierung und weist die Kritik daran zurück.

Der Fall des unterschenkelamputierten Weitspringers Markus Rehm hat hohe Wellen geschlagen. Er ist deutscher Meister der Nichtbehinderten geworden, aber trotz Erfüllung der Norm vom DLV nicht für die EM in Zürich nominiert worden! Treten die drei richtigen Weitspringer in Zürich an?
Clemens Prokop: Die Springer haben die Voraussetzungen für die Nominierung erfolgreich erfüllt. Wenn es Zweifel gegeben hätten, wären sie nicht nominiert worden.

Der DLV musste nach der Nichtnominierung von Rehm viel Kritik einstecken. Fühlt sich Ihr Verband ungerecht behandelt?
Zum Thema Inklusion haben wir durch die Teilnahme Rehms an den deutschen Meisterschaften in Ulm ein großes Ausrufezeichen gesetzt. Wir sind der Verband, der Inklusion ohne Übertreibung so offen behandelt wie kaum ein anderer. Manche Reaktionen sind nicht nachvollziehbar. Zum Beispiel, dass die Inklusion entscheidender sein soll als die Chancengleichheit im Wettbewerb. Ideologisch ist das nachvollziehbar, aber Ungleichheit im Wettbewerb ist nicht annehmbar.

Bei der EM 2012 in Helsinki konnten die DLV-Starter 16 Medaillen gewinnen. Kann diese Medaillenzahl in Zürich erreicht oder übertroffen werden?
Wir sind tendenziell stärker als vor zwei Jahren aufgestellt. Allerdings muss man berücksichtigen: Die Konkurrenz in Zürich wird stärker als in Helsinki sein, weil es reguläre Europameisterschaften sind und nicht welche in einem Olympia-Jahr. Ich denke und hoffe aber, dass wir mindestens so gut wie in Helsinki abschneiden.

Der DLV schickt mit 92 Athleten eines der größten Aufgebote zu einer EM. Ist dies auch Ausdruck der wiedergewonnenen Leistungsstärke?
Mit der WM 2009 in Berlin haben wir begonnen, nach einem spürbaren Abschwung wieder etwas aufzubauen. Die Olympischen Spiele 2012 waren eine der erfolgreichsten seit vielen Jahren und wir waren der erfolgreichste deutsche Fachverband in London. Erstaunlich, wenn man weiß, wo wir hergekommen sind: 2008 in Peking waren wir das Sorgenkind mit nur einer Medaille. Inzwischen haben wir nicht in ein, zwei Disziplinen gute Athleten, sondern sind in der Breite gut aufgestellt. Bei der EM in Zürich geht eine sehr junge Mannschaft mit guter Perspektive an den Start. Wir haben in vielen Disziplinen nicht nur einsame Helden, sondern echte Konkurrenzverhältnisse.

Diskus-Olympiasieger Robert Harting war lange Zeit so ein einsamer, aber erfolgreicher Held. Nun wird der Berliner von einer Anzeige bedroht, wenn er sein Trikot bei der EM noch einmal zerreißen sollte. Er soll damit deutsche Symbole beschädigen und sich strafbar machen!
Wir sehen nach einer Prüfung die Anzeige als nicht zutreffend an. Das ist ein Delikt, das von der Staatsanwaltschaft von sich aus verfolgt würde. Dazu bräuchte es keine Anzeige. Man kann davon ausgehen, auch der Staatsanwaltschaft ist sicher nicht entgangen, dass Robert Harting nach großen Siegen sein Trikot zerrissen hat.

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  • Inklusion ist gut und schön. Aber nicht, wenn Nichtbehinderte mit ihren natürlichen Beinen ohne technische Unterstützung laufen müssen und dadurch Nachteile haben.

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