Leichtathletik Marathon
Mikitenko: "Sei auch mal so bescheuert"

Sie läuft seit 13 Monaten Marathon und hat prompt die Champions-League gewonnen. Im Interview spricht Irina Mikitenko über die Zuschauerrolle, Disziplin und 500 000 Dollar Preisgeld.

Am schlimmsten war das Warten. Beim letzten und entscheidenden Lauf der World Marathon Majors musste Irina Mikitenko auf der Zuschauertribüne mitfiebern und hoffte auf Schützenhilfe von Paula Radcliffe. Am Ende gewann Radcliffe den New York-Marathon und Irina Mikitenko die Gesamtwertung der Marathon-Champions-League. Im Interview spricht die Wattenscheiderin über ihre Zuschauerrolle, die deutsche Leichtathletik und ihre persönlichen Ziele.

Frage: "Irina Mikitenko, Sie haben als Siegerin der Champions League im Marathon 500 000 Dollar gewonnen. Wie fühlt sich das an?"

Irina Mikitenko: "Es war immer mein Traum, einen schönen Marathon zu laufen. Jetzt habe ich drei gemacht und den Jackpot gewonnen. Das ist unglaublich."

Frage: "Was machen Sie mit dem Geld? Dürfen sich Ihre beiden Kinder auf größere Weihnachtsgeschenke freuen?"

Mikitenko: "Die Zeit war bisher zu kurz, um darüber zu entscheiden. Aber wir werden schon etwas finden. Mein Sohn, der mit hier ist, hat bestimmt ein paar Wünsche."

Frage: "Waren Sie nervös, als Sie das Rennen von der Ehrentribüne aus verfolgten?"

Mikitenko: "Natürlich. Es ist für mich einfacher, Marathon zu laufen, als zuzuschauen und dabei zu wissen, dass es um so viel geht."

Frage: "Was war aufregender: Das Rennen oder das zweieinhalbstündige Warten auf die Entscheidung der Renndirektoren, nachdem sie ja mit der Äthiopierin Gete Wami gleichauf lagen?"

Mikitenko: "Beim Warten bin ich noch aufgeregter geworden. Ich wusste nicht, was jetzt auf mich zukommt."

Frage: "Haben Sie bei der Anreise an Ihre Chance auf die halbe Million geglaubt?"

Mikitenko: "Ich dachte, die Chancen stehen vielleicht 50:50. Wenn ich das Geld unbedingt gewollt hätte, wäre ich hier gelaufen. Aber ich habe 2009 noch große Ziele. London und die Weltmeisterschaft in Berlin stehen ganz oben."

Frage: "Haben Sie schon mit Paula Radcliffe gesprochen? Ihre Schützenhilfe war entscheidend."

Mikitenko: "Ich wusste, dass Paula stark genug ist, um zu gewinnen."

Frage: "Inmitten der größten Krise der deutschen Leichtathletik gewinnen Sie die World Marathon Majors. Geht es jetzt mit den deutschen Läufern wieder aufwärts?"

Mikitenko: "Ich hoffe, dass die Sportart davon profitiert. Wenn die Erste einen großen Schritt nach vorne macht, ist das auch für die Zweite Ansporn. Wir haben gute Läuferinnen. Konkurrenz belebt das Geschäft."

Frage: "Sie haben erst im September 2007 Ihr Marathondebüt gegeben. Warum erfolgte damals der Wechsel von der Bahn?"

Mikitenko: "Noch bei Olympia 2004 habe ich mich beim Blick auf den Marathon immer gefragt, wie man das schaffen kann. Ich hatte großen Respekt vor dieser Strecke. Nach der Geburt meiner Tochter habe ich dann im Training gemerkt, dass ich auf der Stelle trete und mir gesagt: Probier mal Marathon, sei auch mal so bescheuert. Jetzt habe ich drei gemacht und dabei noch nie gelitten. Aber die Vorbereitung ist hart. Für die 15 Wochen braucht man sehr viel Disziplin."

Frage: "Wie viele Kilometer sind Sie für die 500 000 Dollar gelaufen?"

Mikitenko: "Ich trainiere noch nicht so viel wie andere. Bei mir sind es im Schnitt 180 Kilometer pro Woche."

Frage: "Im nächsten Jahr sind schon wieder 500 000 Dollar drin. Sie führen die WMM-Serie 2008/09 an. Spielt das in Ihren Planungen eine Rolle?"

Mikitenko: "Deswegen bin ich ja in New York nicht gelaufen. Ich habe zwar etwas riskiert, aber dafür auch Kraft gespart."

© SID

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