Leichtathletik National
Grit Breuer hängt die Spikes an den Nagel

Grit Breuer verlässt nach langer Verletzungspause die Leichtathletik-Bühne: Die ehemalige 400-m-Staffel-Welt- und Europameisterin verkündete am Mittwoch ihren Rücktritt vom Leistungssport.

Leichathletin Grit Breuer fehlt die Kraft für eine weitere Rückkehr in den Profisport. Nach zahlreichen Verletzungen und Rückschlägen hat die erfolgreiche 400-m-Läuferin am Mittwoch einen Schlussstrich unter ihre beeindruckende Karriere gezogen. "Die Entscheidung ist in den vergangenen Monaten gereift. Im Mai hatte ich meinen zweiten Bandscheibenvorfall. Die Situation hat sich seitdem nicht verbessert. Ich habe nicht die Kraft, um nochmal ein Comeback zu wagen", betonte Breuer.

Breuer verhalf den deutschen Leichtathleten seit 1988 zu einer Reihe von Sternstunden und überragte vor allem als Schlussläuferin der 4x400-m-Staffel: "Da konnte ich immer alle Kraftreserven freisetzen, manchmal sogar mehr als im Einzel." Ihr imponierendstes Rennen lieferte Deutschlands zweimalige "Leichtathletin des Jahres", die bei Magdeburg lebt und zuletzt für den SC Potsdam startete, bei der WM 1997 in Athen ab, als sie für die Staffel von Platz vier aus auf der Zielgeraden noch zum Titel stürmte: "Das war einfach nur ein geiles Gefühl", meint Breuer rückblickend.

Siegreiche Karriere und zahlreiche Titel

Ähnlich spektakulär führte sie bei den Europameisterschaften 1998 in Budapest und 2002 in München die deutschen Quartette aufs oberste Treppchen sowie 1996 zu Olympia-Bronze. Hinzu kamen außerdem zwei Einzel-Siege bei kontinentalen Championaten (1990 und 1998), der EM-Titel mit der Staffel 1990 sowie Einzel-Silber bei der WM 1991.

Schon 1988 in Seoul war Breuer als 16-Jährige erstmals bei Olympischen Spielen dabei. Damals bestritt die Teenagerin für die ehemalige DDR den Vorlauf über 4x400 Meter, war danach im Finale (Platz drei) jedoch nur Zuschauerin: "Eine Medaille bekam ich nicht, aber eine Urkunde. Es war trotzdem ein beeindruckendes Erlebnis."

Ein Schatten legte sich 1992 auf ihre Karriere. Grit Breuer und ihr Trainer Thomas Springstein, die seit 1995 auch privat liiert sind, standen seinerzeit zweimal im Zentrum von Dopingaffären, die als "Fall Katrin Krabbe" in die Sportgeschichte eingingen. Während das Duo im ersten Verfahren straffrei ausging, erhielten Krabbe sowie Breuer und Manuela Derr (damals alle Neubrandenburg) wegen der Einnahme des später verbotenen Steroids Clenbuterol vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) eine elfmonatige Sperre wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetzt. Der Weltverband Iaaf verlängerte die Strafe wegen "unsportlichen Verhaltens" noch um zwei Jahre bis 1995.

"Ich glaube nach wie vor, dass ich damals ungerecht behandelt wurde", sagt Breuer auch heute noch: "Drei Jahre Strafe für ein Medikament, dass nicht auf der Verbotsliste stand, sind absolut absurd." Insgesamt sei sie mit dem Verlauf ihrer Karriere jedoch sehr zufrieden: "Ich bin nicht der Typ, um zu bereuen. Ich habe es immer so gemacht, wie ich es für richtig gehalten habe."

Comebacks und Verletzungen

Nach Ablauf ihrer Sperre kehrte Breuer noch 1995 auf die Laufbahn zurück und feierte ihre größten Erfolge. Doch im Olympia-Jahr 2000 begann ihre Verletzungsmisere: "Danach wurde es sehr schwierig, immer wieder den Anschluss zu finden, ab 2003 war richtig der Wurm drin." Ihren letzten Start im DLV-Trikot absolvierte Breuer 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen. Das Vorlauf-Aus der deutschen Staffel in Hellas konnte sie allerdings nicht verhindern.

Um ihre Zukunft muss sich Breuer keine Sorgen machen: Eine Hotelkette will die gelernte Bürokauffrau in ihrer Marketing-Abteilung einbinden. Auch privat bestehen konkrete Pläne: "Ich mache auch kein Hehl daraus, dass ich eine Familie gründen und Kinder haben möchte."

© SID

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