Leichtathletik National
Hochsprung-Legende Ulrike Nasse-Meyfarth wird 50

Die Hochsprung-Ikone Ulrike Nasse-Meyfarth feiert heute ihren 50. Geburtstag. Bei den olympischen Spielen 1972 in München knackte die damals 16-Jährige den Weltrekord über 1,92m und ist bis heute die jüngste Siegerin.

Die olympischen Spiele 1972 in München waren für Ulrike Nasse-Meyfarth der Beginn einer großen Karriere: Mit gerade einmal 16 Jahren und 123 Tagen übersprang der damalige Teenager die Weltrekordmarke von 1,92m und sorgte somit für eine der größten Sensationen der Sportgeschichte. Auch 34 Jahre später ist die zweimalige Mutter noch immer die jüngste Leichtathletik-Olympiasiegerin in einer Einzeldisziplin. Der Hochsprung-Teenie von einst ist in die Jahre gekommen, doch dass sie am 4. Mai 50 wird, sieht man der deutschen Sportikone nie und nimmer an.

"Es vergeht keine Woche ohne irgendwelche Termine"

"Ich bin von Beruf Ulrike Meyfarth", sagt die Frau, die wie ganz wenige andere Ex-Athleten zu vielen sportlichen und gesellschaftlichen Höhepunkten eingeladen wird. "Es vergeht eigentlich keine Woche ohne irgendwelche Termine. 100 Einladungen gibt es ganz sicher im Jahr", sagt die Frau, die sich für viele caritative Dinge engagiert, Gründungsmitglied der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (Insm) ist, den Leichtathletik-Nachwuchs von Bayer Leverkusen trainiert und in Schulen Talente sichtet.

Nach ihrem zweiten Olympiasieg 1984 in Los Angeles krönte und beschloss Ulrike Meyfarth ihre Hochsprung-Karriere. Zweimal Gold bei Olympia - mit zwölf Jahren Abstand - für eine Frau einmalig in der Geschichte der Sommerspiele.

Doch Ulrike Meyfarth ist auch in anderer Hinsicht einmalig: Kein anderer deutscher Athlet und keine andere Athletin wurde öfter als sie (viermal von 1981-84) "Sportlerin des Jahres". Vor fünf Jahren wurde sie zur "Welt-Hochspringerin" des vergangenen Jahrhunderts gewählt. Als die deutsche Jahrhundert-Sportlerin gekürt wurde, stand ihr allerdings Tennis-Star Steffi Graf vor der Sonne.

"Wurde oft als Lulatsch gehänselt"

Die in Frankfurt/Main geborene Ausnahmeathletin ("Meine Mutter war Frankfurterin"), Tochter eines Maschinenbau-Ingenieurs, der im Zweiten Weltkrieg Kampfflieger war, fand nicht zuletzt deswegen zum Hochsprung, weil sie schon als kleines Kind ungewöhnlich groß war. "Ich wurde oft als Lulatsch gehänselt" erinnert sich Ulrike Meyfarth, die im Sport ein Gegengewicht zur Schule suchte. Mit zwölf Jahren traf sie in Wesseling, wo das Stadion seit 2004 ihren Namen trägt, auf Günther Janietz. Er brachte ihr den Flop bei, den neuen Erfolgsstil der Hochspringer.

Mit 15 wurde Ulrike Meyfarth bereits deutsche Vizemeisterin bei den Frauen. Als Dritte der deutschen Titelkämpfe 1972 qualifizierte sich die damalige Obersekundanerin des naturwissenschaftlichen Gymnasiums in Rodenkirchen bei Köln für Olympia in München. Mit einer Bestleistung von 1,85 m ging sie ins Finale, als sie 1,90m übersprang, war ihr das Gold (vor der Bulgarin Jordanka Blagojewa) sicher. Minuten später nahm sie der Österreicherin Ilona Gusenbauer mit 1,92 m den Weltrekord.

"Ich erinnere mich vor allem noch an zwei Dinge. An den brodelnden Kessel voller Menschen und meine Gedanken bei der Siegerehrung. Ich dachte: Beherrsch dich, die ganze Welt schaut auf dich", erinnert sich die krasse Außenseiterin an jenen Augenblick, als die Arena mit 77 000 Menschen in ihren Grundfesten bebte.

"Oft habe ich diesen Tag verflucht"

Der Höhenflug traf sie unvorbereitet und stürzte sie in den Jahren danach in eine tiefe Krise. "Oft habe ich diesen Tag verflucht", sagte sie später. 1976 in Montreal kam in der Qualifikation bei 1,78m das Aus.

Als der Boykott ihr 1980 den Weg nach Moskau versperrte, war Ulrike Meyfarth nach dem Wechsel zum Leverkusener Erfolgstrainer Gerd Osenberg allerdings schon wieder auf dem Höhenflug. 1982 sprang sie als Europameisterin in Athen mit 2,02m ihren zweiten Weltrekord, den dritten 1983 mit 2,03m beim Europacup in London - eine Woche nach dem WM-Silber von Helsinki hinter der Russin Tamara Bykowa.

Zweieinhalb Jahre nach ihrem zweiten Olympia-Gold vor der Italienerin Sara Simeoni und dem darauf folgenden Karrierenende heiratete sie im Februar 1987, ausgerechnet an einem Freitag, dem 13. ("es war kein schlechtes Omen"), den Kölner Wirtschaftsanwalt und früheren Handball-Bundesligaspieler Roland Nasse (einst OSC Rheinhausen).

Den 50. Geburtstag feiert Ulrike Meyfarth, die sich mit Joggen, Gymnastik und etwas Krafttraining fit hält und heute in Odenthal zwischen Köln und Leverkusen lebt, in kleinerem Kreise. Mit dabei sind ein paar gute Freunde der Familie wie die ehemaligen Rad-Weltmeister Rudi Altig und Klaus-Peter Thaler, Fußball-Trainer Jörg Berger und Ulf Merbold, der am 28. November 1983 mit dem Space Shuttle Columbia ins Weltall geflogen war - rund acht Monate vor dem zweiten goldenen Höhenflug der Ulrike Meyfarth in Los Angeles.

© SID

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