Leichtathletik National
Mallow: "Wir wollen zum Aufwärtstrend beitragen"

Die deutschen Leichtathleten wollen in Peking fleißig Medaillen sammeln. "Seit 1992 geht es bei Olympia im deutschen Sommersport abwärts. Wir wollen zum Aufwärtstrend beitragen", sagt DLV-Cheftrainer Jürgen Mallow.

Als Deutschlands Leichtathleten 2004 in Athen mit nur zwei Silbermedaillen ihre historische Pleite erlebt hatten, wurde Jürgen Mallow als Cheftrainer verpflichtet. Der heute 63-Jährige führte den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) aus der Talsohle. Nach zweimal Gold und insgesamt sieben Medaillen bei der WM im August in Osaka sagt Mallow im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Seit 1992 geht es bei Olympia im gesamten deutschen Sommersport abwärts. Wir wollen in Peking zum Aufwärtstrend beitragen."

sid: "52 Athleten und Athletinnen des Top-Teams Peking 2008 weilten diese Woche im portugiesischen Monte Gordo. Mit dabei waren neben dem DLV-Leitungsstab sieben Physiotherapeuten, zwei Ärzte, zwei Psychologen und zwei Spezialisten für Krafttraining. Was war das Hauptziel dieser Maßnahme?."

Jürgen Mallow: "Wir wollten den positiven Impuls, den es bei den Weltmeisterschaften in Osaka gegeben hat, fortsetzen und den Lehrgang in Monte Gordo für die weitere intensive Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Peking 2008 nutzen. Neben einzelnen Trainingsmaßnahmen bildeten vor allem individuelle Gespräche zur Trainingsplanung für die Olympiasaison 2008 sowie medizinische Reha-Maßnahmen einen Schwerpunkt. Unser Angebot wurde von den Athleten sehr gut angenommen. Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch und Speerwurf-Europameisterin Steffi Nerius gehörten zu den zwei Dritteln des Top-Teams Peking, die in Monte Gordo anwesend waren. Das Top Team ist Garant für unsere Erfolge, 92 Prozent unserer WM-Finalisten gehören dazu."

sid: "Auch in anderen Bereichen bewies der DLV zuletzt eine glückliche Hand. Sie sagten schon beim WM-Finale von Osaka, wenn es so wie 2004 weitergegangen wäre, wären wir ausgestorben. Vieles hat sich geändert seitdem. Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Dinge?"

Mallow: "Unser neuer Ansatz war, die Spitzenathleten und ihre Heimtrainer enger an den Verband zu binden. Das hat sich schon als positiv erwiesen. Wir setzen einen hohen Akzent auf das Gesundheitsmanagement und haben hier viel weniger Probleme. Und wir fördern den Wissensaustausch, stärken die Weiterbildung, suchen das ständige Gespräch, wie man was besser machen könnte - sowohl innerhalb der Disziplinen als auch interdisziplinär. Aber es wäre falsch, wenn wir so täten, als gäbe es trotz der stark verbesserten Kooperation nicht auch Konkurrenz zwischen unseren Trainern - und das ist gut."

sid: "Sie haben diesmal zwei Gewichtheber-Trainer hinzu gezogen, sozusagen als Entwicklungshilfemaßnahme aus einer anderen Sportart. Beide geben Tips fürs Training, vor allem hinsichtlich der Technik."

Mallow: "Wir schauen ab und zu schon über den Tellerrand. Eberhard Deutscher arbeitet am Olympiastützpunkt Berlin schon länger mit Trainer Rainer Pottel und Zehnkämpfer Andre Niklaus zusammen und ist als einer unserer wichtigsten Mitarbeiter ins Sprungteam eingebunden. Günter Weller, der Vater und Trainer von Gewichtheber-Olympiasieger Ronny Weller, hat Speerwerfer Boris Henry und die Stabhochspringerinnen schon vor Jahren hinsichtlich Krafttraining und Technik beraten."

sid: "Maßnahmen, die sich sehr positiv auswirken können - und wenig kosten?"

Mallow: "Der DLV muss sehr sparsam wirtschaften. Durch die Mittelkürzung nach den wenig erfolgreichen Spielen 2000 in Sydney und 2004 in Athen fehlt dem Verband im Vergleich zu früheren Zeiten jährlich etwa eine Million im Etat. Derzeit ist noch nicht sicher, wie der Etat im Olympiajahr 2008 gedeckt wird, es fehlen noch 200 000 Euro allein im Bereich der Trainingslager zur Vorbereitung der Athleten. Auch die unmittelbare Vorbereitung auf die Spiele in Peking wird teuer, weil wir wieder wie vor der WM in Osaka das Trainingslager im japanischen Hokkaido nutzen wollen. Auch wegen der Übernahme dieser Kosten müssen wir noch mit dem Deutschen Olympischen Sportbund verhandeln."

sid: "Dennoch wurden in den vergangenen drei Jahren mit weniger Geld gute Fortschritte erreicht. Was wäre mit mehr Mitteln möglich?"

Mallow: "Wenn wir unseren Top-Nachwuchs richtig fördern könnten, würde sich dieser noch deutlich stärker entwickeln. Ich sehe eine Menge Möglichkeiten bis Olympia 2012 in London. Wir haben unter anderem ein Konzept, wie unsere Läufer bis zur WM 2009 in Berlin mehr Finalplätze schaffen können. Es ist wirklich schade, dass wir uns nur auf das Allerwichtigste beschränken müssen und keine Mittel haben, noch bessere Entwicklungen vorzubereiten."

sid: "Zunächst einmal gilt die Konzentration Olympia 2008. Welche Möglichkeiten sehen Sie nach wachsenden Erfolgen bei den beiden letzten Weltmeisterschaften im Vergleich zu den Sommerspielen 2004 in Athen?"

Mallow: "Konkrete Aussagen über Erfolgschancen möchte ich auf das Frühjahr verschieben. Aber feststellen lässt sich dies: Seit 1992 geht es bei Olympia im gesamten deutschen Sommersport abwärts. Die Zahl der Medaillen hat sich seitdem in etwa halbiert. Wir wollen in Peking zum Aufwärtstrend beitragen."

© SID

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