Leichtathletik National
Schumann will letzte Chance ergreifen

800-m-Läufer Nils Schumann will seine letzte Chance ergreifen und sich für die Olympischen Spiele 2008 qualifizieren. Sollte dies nicht klappen, ist ein Rücktritt vorstellbar.

Im Olympiajahr 2008 sucht Sydney-Olympiasieger Nils Schumann seine letzte Chance und kann sich bei einem Scheitern den Rücktritt vom Leistungssport vorstellen. "Dann könnte das der Abschluss sein", sagte der 29 Jahre alte 800-m-Läufer im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Aber es kommt auch drauf an, ob ich dennoch eine Perspektive für 2009 sehe."

Schumann, der am vergangenen Wochenende im thüringischen Arnstadt die 400-m-Läuferin Korinna Fink heiratete und noch in diesem Monat Vater eines Jungen wird, ist von seiner Chance auf die Qualifikation für Peking überzeugt. Die drei Achillessehnen-Operationen der vergangenen Jahre sind vergessen: "Ich spüre jetzt, dass wieder Entwicklung nach oben möglich ist. Ich bin hinsichtlich der Achillessehne völlig schmerzfrei."

Familie gibt ihm Kraft

Kraft schöpfe er auch aus der neuen familiären Situation. Das Kind werde um den 20. März in Waren an der Müritz geboren, berichtete Schumann, der seine größten Erfolge zwischen 1998 und 2000 feierte und auf dem Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn 22-jährig in Sydney Olympiasieger wurde: "Ich selbst bin dann auch in Mecklenburg-Vorpommern, nämlich im Trainingslager in Zinnowitz auf Usedom. Und ich werde da sein, wenn die Geburt bevorsteht."

In den vergangenen Jahren ohne Erfolg (die letzte internationale Medaille war EM-Bronze 2002 in München) habe er stets von seinen Glanzzeiten gezehrt. Ohne diese würde es ihn heute als Sportler nicht mehr geben. "Manchmal war es schon verdammt hart. Das Schlimmste war, den Glauben an den eigenen Körper zu verlieren."

Doch das liege hinter ihm, genau wie die Probleme, die ihm die Dopingaffäre seines Ex-Trainer Thomas Springstein bescherten. "Das war starker Tobak. Aber zum Glück ist das erledigt." Seitdem habe er sich von allen Abhängigkeiten befreit. Auch dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gegenüber, der gegen ihn ermittelte, sei er zu nichts mehr verpflichtet. "Ich gehöre keinem mehr Kader an."

Keine finanziellen Sorgen

Finanziell gehe es ihm gut, betonte Schumann. "Auch, weil ich so früh Erfolge hatte, die sich damals sehr gut auszahlten. Ich war mit 19 Hallen-Europameister, mit 20 Freiluft-Europameister, mit 22 Olympiasieger. Ich bin einer der letzten deutschen Leichtathleten, die ihren Sport professionell bestreiten können."

Leider sei heute das Interesse an der Leichtathletik verloren gegangen. "Es ist keine Sportart mehr, auf die man sich groß stützen kann." Er sehe eine Entwicklung Richtung Breitensport, erklärte Schumann, der im Herbst von Frankfurt zurück in seine alte Heimat nach Erfurt wechselte und wieder mit seinem alten Erfolgscoach Dieter Hermann sowie Alexander Fromm zusammenarbeitet.

© SID

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