Leichtathletik Verband
Helmut Digel nicht mehr Iaaf-Vizepräsident

Der Soziologie-Professor Helmut Digel ist an einer Wiederwahl zum Iaaf-Vizepräsidenten knapp gescheitert. Sein Amt übernimmt der Ukrainer Sergej Bubka. Präsident Lamine Diack wurde für weitere vier Jahre wiedergewählt.

Drei Tage vor dem Auftakt der 11. Leichtathletik-WM in Osaka hat der deutsche Sport mit der Abwahl von Helmut Digel als Vize-Präsident des Weltverbandes Iaaf einen empfindlichen Prestigeverlust einstecken müssen. Der 63 Jahre alte Tübinger muss sich künftig mit einem Sitz im 27-köpfigen Council begnügen.

Stabhochsprung-Weltrekordler Sergej Bubka aus der Ukraine, der auch bereits der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) angehört, rückte an Digels Stelle als Vize Marketing/Fernsehen in das Führungsgremium ein. Präsident Lamine Diack (Senegal/74) wurde als einziger Kandidat mit neun Gegenstimmen im Amt bestätigt.

Digel: "Die Niederlage schmerzt"

"Die Niederlage schmerzt, wenn einer wie ich acht Jahre hart gearbeitet hat", meinte Digel etwas bitter. "Es war die Entscheidung zwischen Prominenz und sachlicher Expertise. Ob Bubka Fachmann ist in seiner Aufgabe, ist eine andere Frage."

Digel, kein bequemer Mann für Diack, der offenbar hinter den Kulissen für Bubka die Fäden gezogen hatte, scheiterte bei der Wahl der vier Stellvertreter mit 113 Stimmen. Neben dem sechsmaligen Stab-Weltmeister (44 Jahre/167 Stimmen) wurde als zweiter früherer Sportstar der Brite Sebastian Coe (50/137) gewählt, Chef des Organisationskomitees der Sommerspiele 2012 von London. Weitere Vizepräsidenten sind der Amerikaner Bob Hersh (67/141) und Emir Dahlan Al-Hamad aus Katar (50/129).

In erster Enttäuschung wollte der Wissenschafts-Professor auf die Kandidatur für das Council verzichten, ließ sich aber von Clemens Prokop, seinem Nachfolger an der Spitze des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) umstimmen: "Für den DLV ist es angesichts der nächsten WM in Berlin 2009 wichtig, im Gremium vertreten zu sein", sagte Digel und wurde mit der zweithöchsten Stimmenzahl belohnt.

Doch mit der Abwahl als Iaaf-Vize verliert der deutsche Sport eine seiner wichtigsten internationalen Positionen. Neben IOC-Vize Thomas Bach ist Deutschland nun nur noch durch die Welt-Präsidenten Ulrich Feldhoff (Kanu), Josef Fendt (Rodeln) und Klaus Schormann (Moderner Fünfkampf) an herausragender Stelle vertreten - allerdings in drei im Vergleich zur Leichtathletik weniger bedeutenden olympischen Fachverbänden.

Drechsler zieht ins Frauenkomitee ein

In Fach-Ausschüsse gewählt wurden vier der fünf angetretenen Deutschen. Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler (Karlsruhe), deren Kandidatur in der Heimat wegen der Doping-Vergangenheit vieler DDR-Athleten nicht unumstritten war, zog in Abwesenheit an Stelle der ausscheidenden Ilse Bechthold (Frankfurt/Main) ins Frauenkomitee ein. Die Cross-Country-Kommission leitet weiter Otto Klappert (Unna). Gewählt wurden Klaus Hartz (Fürth) ins Technische Komittee und Dieter Massin (Ahlen) ins Senioren-Komittee. Nur Rolf Müller (Mayen) scheiterte bei der Kandidatur für die Geher-Kommission.

Die Wahl von Bubka und Coe kommentierte Digel schon mit Blick auf die 2011 endende Amtszeit Diacks: "Da bringen sich junge Leute in Position." Natürlich wiesen beide Aufsteiger derartige Pläne von sich. Bubka sprach von harter Arbeit, die er vor sich habe; er denke dabei gar nicht daran, Präsident von Iaaf oder gar IOC werden zu wollen. Der zweimalige 1 500-m-Olympiasieger und Ex-Weltrekordler Coe wehrte sich gegen Unterstellungen, er habe als Chef von London 2012 nicht genügend Zeit für die Iaaf-Aufgabe: "Im Gegenteil, ich kann viele Synergieeffekte nutzen."

© SID

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